Berlin Wie geht es weiter?

Am Donnerstag wird die Berlinale eröffnet. Außer um den Filmwettbewerb dreht sich auch viel um die Frage nach Dieter Kosslicks Nachfolge

Mit Wes Andersons Animationsfilm „Isle of Dogs“ werden morgen zum 68. Mal die Internationalen Filmfestspiele Berlin eröffnet. Gefeiert wird abends nach der Vorführung wie immer im Musical-Theater am Potsdamer Platz, das für die kommenden zehn Tage zum Berlinale-Palast umfunktioniert wird. Doch es ist gut möglich, dass auf der Party in diesem Jahr weder der Eröffnungsfilm noch die launigen Sprüche von Moderatorin Anke Engelke das Hauptthema sein werden. Sondern viel mehr die Zukunft des Festivals.

Anderthalb Jahre noch wird Dieter Kosslick als Direktor des Festivals tätig sein, aber schon jetzt ist eine heftige Diskussion entbrannt um seine Nachfolge und die möglichen Veränderungen für die Berlinale. Nach welchen Kriterien entscheiden Kulturstaatsministerin Grütters und die Mitverantwortlichen? Muss es künftig eine Doppelspitze aus künstlerischem Leiter und Manager geben, wie bei vielen anderen Festivals längst üblich? Sollte sich die Veranstaltung auf das zahlende Publikum konzentrieren, das seit Jahren für neue Zuschauerrekorde sorgt? Oder doch lieber auf den Wettstreit mit Cannes und Venedig, was Glamour und Relevanz innerhalb der Filmbranche angeht? Solche Fragen dürften die kommenden Tage dominieren.

Auch ansonsten wird es wohl in diesem Jahr kein Festival wie jedes andere, denn natürlich verschließt sich die Berlinale – die sich nicht ohne Grund spätestens unter Kosslicks Führung stets dafür rühmte, politischer zu sein als die Konkurrenz – nicht den Themen, die nicht nur die eigene Branche seit geraumer Zeit beschäftigen. Es wird erstmals eine Anlaufstelle für Festivalbesucher geben, die sich diskriminiert oder belästigt fühlen. Und auf verschiedenen Diskussionspodien spricht man über Missbrauch, Diversität oder die Initiative „Pro Quote Film“. Im Wettbewerb, der wichtigsten der zehn Festival-Sektionen, sind allerdings trotzdem nur vier Regisseurinnen vertreten, weniger als ein Viertel.

Ansonsten gilt für das Rennen um den Goldenen Bären: wer das deutsche Kino mag, kommt hier auf seine Kosten. Mit Christian Petzolds „Transit“, Emily Atefs „3 Tage in Quiberon“, Thomas Stubers „In den Gängen“ und „Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ von Philip Gröning sind gleich vier heimische Produktionen am Start. Wer dagegen eher große Stars auf der Leinwand und dem roten Teppich erwartet, könnte enttäuscht sein. Das US-Kino ist jenseits von „Isle of Dogs“ nur durch Filme von Gus van Sant und den Zellner-Brüdern vertreten. Die immerhin bringen Joaquin Phoenix bzw. Robert Pattinson mit in die Hauptstadt, außerdem haben sich unter anderem Colin Firth, Rupert Everett, Daniel Brühl, Idris Elba, Isabelle Huppert und – als Kosmetikbotschafterin – Helen Mirren angekündigt.

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