Kultur Weltereignis am Bodensee

Im Vorfeld des 600-jährigen Jubiläums sind interessante Novitäten zum Konstanzer Konzil erschienen

Mit dem Konzil von 1414 bis 1418 wurde Konstanz zum Treffpunkt Europas. Auch das 600. Jubiläum, das offiziell am Sonntag, 27. April, beginnt, steht im Zeichen Europas. Die alte Bischofsstadt gedenkt des Großereignisses, das König Sigismund auf den Weg brachte, um das Große Schisma zu beenden – die römisch-katholische Kirche wurde seinerzeit von drei Päpsten „regiert“, das Konzil einigte sich schließlich am 11. November 1417 auf Kardinal Colonna, der den Namen Martin V. wählte – mit einem reichhaltigen Programm.

Das Konzil weckte früh das Interesse von Kirchenhistorikern, von Laien und selbst von Literaten. Die Zahl der Publikationen über sechs Jahrhunderte hinweg geht in die Zehntausende, eine Fülle an Quellenmaterial liegt in den Archiven des Vatikans, Im Vorfeld des Jubiläums sind weitere Bücher hinzugekommen, die sich an eine breitere Leserschaft wenden. Hier eine Auswahl der wichtigsten Neuerscheinungen.

Einer der berühmtesten Augenzeugen des Kongresses war Ulrich Richental. Seine „Chronik des Konstanzer Konzils“ zählt zu den eindrucksvollsten Dokumenten des späten Mittelalters. Durch sie wissen wir heute detailliert über die Geschehnisse des Konzils Bescheid, kennen Personen, Hintergründe und den Ablauf der Ereignisse in der Stadt und der Region. Anlässlich des Jubiläums liegt die Chronik in einem Faksimile-Band mit Erläuterungen in einem Beilagenheft von Jürgen Klöckler vor, dem Archivar der Stadt Konstanz. Das Faksimile ist in drei verschiedenen Ausgaben erhältlich: Im Buchhandel als Ausgabe des Stuttgarter Theiss-Verlags für 79,90 Euro sowie bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt als Halbleinenausgabe (im Paket mit dem Begleitband „Konstanz 1414-1418 – Eine Stadt und ihr Konzil“ von Jan Keupp und Jörg Schwarz für 79,90 Euro, für Neumitglieder 39,90 Euro) und als Lederausgabe (im Paket mit dem Begleitband 149,00 Euro, limitiert auf 200 Stück).

Der Freiburger Mediävist Thomas M. Buck hat bereits im Jahre 2010 eine Neuausgabe der „Chronik des Konstanzer Konzils 1414-1418 von Ulrich Richental“ besorgt (Jan Thorbecke Verlag Ostfildern, 249 S., 29,90 Euro). Sein Text fußt auf der Sichtung der gesamten Überlieferung – es gibt 16 Ausgaben der „Chronik“, die 1420 entstandene Urchronik gilt als verloren. Alle, die sich auf Richental und seine Werke einlassen wollen, finden hier eine Textausgabe vor, die lesbar, handlich und zitierfähig zugleich ist. Wer des Mittelhochdeutschen nicht mächtig ist: Das Konstanzer Duo Henry Gerlach und Monika Küble – Verfasser des Konzilkrimis „In Nomine Diaboli“ – hat die spätmittelalterliche Chronik auf Grundlage der Aulendorfer Handschrift übersetz („Augenzeuge des Konzils. Die Chronik des Ulrich Richental“. Theiss, Stuttgart. 240 S., 24,95 Euro).

Von dem erwähnten Thomas Martin Buck liegt auch eine neue Konzilsgeschichte vor – „Das Konstanzer Konzil“ (Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern. 390 S., 26,99 Euro) –, die er gemeinsam mit Herbert Kraume verfasst hat. In dem Band wird der erste europäische Kongress nicht nur unter theologischen oder kirchenpolitischen Gesichtspunkten untersucht, sondern – die Autoren sprechen von einem „polyvalenten historischen Phänomen“ – auch als Ideenbörse, Medienereignis, Drehscheibe des Wissens und als Kommunikationszentrum. Einer der bekanntesten „illustren“ Figuren des Konzils war bekanntlich der Minnesänger und einäugige Ritter Oswald von Wolkenstein.

Die genannte, von Keupp/Schwarz in einer für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft erarbeitete Darstellung „Konstanz 1414-1418 – Eine Stadt und ihr Konzil“, die auch im Darmstädter Primus Verlag erschienen ist (181 S., 19,90 Euro) konzentriert sich auf den Ereignischarakter des Konzils. Das Buch ist sehr gut lesbar und mit einer Reihe zeitgenössischer Abbildungen aufgelockert. Das gilt auch für „Das Konstanzer Konzil. Eine kleine Geschichte“ von Daniel Gaschick und Christian Würtz (G. Braun, Karlsruhe. 136 S., 16,95 Euro). Das Buch beleuchtet kurz, aber informativ die Vorgeschichte, den Verlauf und das Ende des Konzils, das nur einen Teil seiner selbst gestellten Aufgabe erfüllte. Die Reform an Haupt und Gliedern fand nicht statt. Das sollte sich 100 Jahre später rächen, als sich der protestantische Flügel unter Martin Luther und seinen Anhängern von der römisch-katholischen Kirche absonderte.

Die Überblicksdarstellung „Das Konstanzer Konzil. Eine Reichsstadt im Brennpunkt europäischer Politik“ (Stadler Verlag, Konstanz. 141 S., 19,90 Euro) liest sich spannend, da sich der Autor vor allem den spektakulären Ereignissen und den bedeutendsten Teilnehmern des Konzils zuwendet. Zwei Teilnehmer haben das Konzil nicht überlebt – die der Häresie beschuldigten Jan Hus und Hieronymus von Prag. Der Aachener Kirchenhistoriker Bernward Schmidt schlägt in seiner anspruchsvollen Studie „Die Konzilien und der Papst. Von Pisa (1409) bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65)“ (Herder, Freiburg. 318 S.) einen weiten Bogen vom 15. bis ins 20. Jahrhundert. Seine zentrale Fragestellung konnte Konstanz nicht beantworten – Wie viel Macht steht dem Papst, wie viel dem Konzil zu? –, das erbrachte 1870 das 1. Vatikanische Konzil mit der beschlossenen Unfehlbarkeit des Papstes als „Bischof aller Bischöfe“.

Und last, but not least: Im Vorfeld der Konzils-Landesausstellung, die ebenfalls am 27. April im ehemaligen Kaufhaus, in dem das Konklave stattfand, eröffnet wird, wurde der Essayband „Das Konstanzer Konzil 1414-1418. Weltereignis des Mittelalters“, herausgegeben von Karl-Heinz Braun etc., veröffentlicht (Theiss, Stuttgart. 247 S., 24,95 Euro). Die Beiträge nehmen die Hauptthemen dieses Weltereignisses am Bodensee auf und behandeln Teilnehmer wie König Sigismund und Martin V., die Beschlüsse des Konzils und die Auswirkungen auf Kirche, Politik, Kunst und Architektur.

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