Kino Neu im Kino: Andres Veiels Künstlerporträt über Joseph Beuys

Joseph Beuys ist eine Ikone der deutschen Kunst. Gut 30 Jahre nach seinem Tod aber droht der Mythos Beuys in Museen zu verstauben. Andres Veiel hat den Künstler mit dem Filzhut mit einer außergewöhnlichen Porträt-Collage wieder in die Gegenwart geholt – der Film läuft ab 18. Mai 2017 im Kino.

Vielleicht hätte Andres Veiel den Film „Mein Beuys“ nennen sollen. Der für Werke wie „Black Box BRD“ oder „Der Kick“ vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilmer ist dafür kritisiert worden, dass sein Porträt von Joseph Beuys entscheidende biografische Elemente schlicht ignoriert, darunter auch die Anbindung an die Anthroposophie. Da Veiels Film zudem größtenteils aus Archivmaterial besteht, überlässt er dem Künstler dank vieler Gesprächsausschnitte die Deutungshoheit – über seine Arbeit und über seine Person.

Insofern ist der Titel „Beuys“ wiederum konsequent: weil Veiel auf diese Weise akzeptiert, dass der Künstler selbst ein Kunstwerk ist. Den Menschen dahinter hat der Regisseur womöglich gar nicht erst gesucht; stattdessen bietet er ihm eine Bühne. Das mag man unkritisch und subjektiv finden, aber verboten ist es nicht. Außerdem war der 1986 verstorbene Beuys ein begnadeter Selbstdarsteller, weshalb der Film 107 Minuten lang äußerst unterhaltsam ist.

Künstlerisch ist „Beuys“ ohnehin ein Meisterwerk. Gemeinsam mit seinen beiden Editoren Stephan Krumbiegel und Olaf Voigtländer hat Veiel eine Bild- und Toncollage geschaffen, die sich nicht um Chronologien schert. Dieser assoziative Ansatz ist selbstredend gleichfalls radikal subjektiv, beschert dem Film aber eine enorme innere Spannung. Allein die Montage-Sequenzen der Fotos sind faszinierend.

Den meisten Menschen wird Beuys wegen seiner bizarren Kunstwerke in Erinnerung geblieben sein. Aber Veiel, und das macht den Film zu mehr als einem Künstlerporträt, verdeutlicht auch die politische Ebene des Gesamtwerks. Über all die Fluxus-Aktionen, Installationen und Inszenierungen ist in Vergessenheit geraten, dass Beuys Kunst vor allem als Werkzeug betrachtete, um die Gesellschaft zu verändern. Aus diesem sozialen Ansatz resultierte auch sein berühmtes Credo, jeder Mensch sei ein Künstler. Sein hellsichtiges Plädoyer, dass „Geld keine Ware sein darf“, ist heute ohnehin aktueller denn je.

 

Abspann

Genre: Dokumentarfilm

Buch und Regie: Andres Veiel

FSK: ohne Altersbeschränkung

Fazit: Die filmische Verbeugung fesselt vor allem als Bild- und Toncollage.

Der Trailer zum Film:

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