Kunst Landschaftsarchitektur weltweit – der Abschied von der Idylle

Von wegen unberührte Paradiese … Wie die Welt heute wirklich aussieht, zeigt die Münchner Pinakothek der Moderne mit der Ausstellung "Draußen. Landschaftsarchitektur auf globalem Terrain". Fotos, Filme und Modelle sind bis zum 20. August 2017 zu sehen

Landschaftsarchitekten, die dem Häuslebauer ästhetisch den Garten gestalten, farblich passend Bäume und Blumen auswählen. Raumplaner, welche bei Großprojekten dekorativ Hügel und Seen um die Gebäude herum modellieren. Das sind Vorstellungen, von denen man sich endgültig verabschieden wird, wenn man die neueste Ausstellung in der Architektur-Abteilung der Pinakothek der Moderne gesehen hat. Sie hält dem Besucher radikal den Ist-Zustand der Welt vor Augen, auf der es selbst im hintersten Winkel keine unberührten Paradiese mehr gibt.

Die Ausstellung „Draußen. Landschaftsarchitektur auf globalem Terrain“ demonstriert nicht nur, dass vom Klischee des pflegenden Landschaftsgärtners nichts mehr übrig geblieben ist, da er sich heute mit Problemen wie der Umweltzerstörung beschäftigen muss. Sie zeigt auch auf erschreckende Weise, dass diese Probleme von Menschen gemacht und – vereinfacht gesagt – voneinander abhängig sind. Dazu zählen neben der gigantischen Verstädterung auch die Ausbeutung fossiler Energien und deren ökologische Folgen, neben der zunehmenden Mobilität und der Migration. Fünf Teams von Universitäten haben weltweit recherchiert und stellen in München zehn Projekte vor. Diese reichen von Ländern in Südamerika bis nach Afrika und China, sparen aber auch Europa, hier die Metropole Madrid, nicht aus.

Ein Themenfeld ist beispielsweise das rasante Anwachsen sogenannter Megacitys, in denen permanent illegale Siedlungen entstehen, Elendsquartiere und Slums, die im besten Fall nachträglich von Kommunen mit Infrastruktur ausgestattet werden. Mit der wachsenden Zersiedlung verknüpft sind riesige Müllhalden, Kloaken mit Abwässern, rutschende Hänge und so weiter. Kommen durch den Klimawandel hervorgerufene Naturkatastrophen auf Haiti hinzu, verschärft sich die gefährliche Gemengelange noch mehr.

Doch die anspruchsvolle Schau im Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne legt nicht nur anhand von Fotos, Filmen, Texten, Modellen und handfestem Material wie Wasserproben oder ekligen Müllfunden den Finger in die Wunde. Sie stellt auch konkrete Beispiele positiver Interventionen von staatlicher wie kommunaler Seite vor: Sei es die Straßenplanung am Rande von Madrid (Spanien) oder der Umgang mit der Architecture ohne Architekten in Lima (Peru), seien es die Bewässerungsanlagen auf Bali oder die Bereinigung von Kloaken in São Paulo (Brasilien), die Konstruktion von Recyclinganlagen bis hin zu Trockentoiletten oder technischen Nebelfängern.

„Draußen. Landschaftsarchitektur auf globalem Terrain“: zu sehen bis 20. August 2017 im Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr, Informationen auf www.architekturmuseum.de

Ihre Meinung ist uns wichtig
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Kultur
Kultur
Kultur
Kino
Kultur
Kino
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren