Kultur Galerie Bagnato zeigt Träume

Eine Installation von Felicia Glidden

Träume öffnen Räume und Reisen, sie fliegen schwerelos in lichte Höhen und rasen hinab in dunkle Tiefen, Nordpol und Mond haben dieselbe Adresse, und überall erscheinen Unbekannte. Und bleiben sie nicht doch Schäume, die Träume? Denn ihre Räume, Figuren und Ereignisse verflüchtigen sich im nüchternen Unverständnis des Bewusstseins so geschwind wie Waschbenzin an der trockenen Luft. Felicia Glidden (*1966) heißt die Künstlerin, die mit ihrer visuellen Klanginstallation und anderen Arbeiten die Besucher der Galerie Bagnato zu solchen und anderen Betrachtungen einlädt.

So viel vorweg: manche Ausstellungen leiden an Überfrachtung – oder schlimmer noch an aufgeblähter Sprachlosigkeit. Diese Werkschau dagegen, die aus Malerei und Zeichnung, aus gusseisernen Skulpturen und eben jener raumgreifenden Klanginstallation besteht, ist eine für Augen und Ohren ästhetische Wohltat.

Felicia Glidden hat das Licht in der unteren und oberen Etage der Galerie ausdrücklich gedämpft, es reicht gerade zum Anschauen ihrer Gemälde aus Acrylfarbe, manchmal auch Ölfarbe, und Tinte auf Papier, ihrer Zeichnungen und der gusseisernen Skulpturen auf weißen Sockeln. Die mittlere Etage dagegen liegt vollkommen im Dunkeln. Sie enthält das Herzstück dieser Ausstellung, eine raumgreifende, multimediale Installation aus visuellen Signalen, Impulsen und bunten Lichtstrahlen (Video bzw. Beamer), aus Klang (Tonspur) und aufgeschichteten, gleichen Objekten aus Stahlstäben und handgeschöpften Papier (Skulptur); das produzierte, sichtbare Licht ist hier werkimmanent.

Das Schöne an diesem Gesamtkunstwerk namens „Unterströmungen“ ist, dass es der Betrachtung ein im Grunde genommen unzeitgemäßes Sich-Zeit-Nehmen abverlangt. Ein Innehalten, ein Verweilen in der allgemeinen Hatz. Wer sich darauf einlassen kann, betritt vielleicht den Eingangsbereich eines imaginären Reisebüros, bei dem individuelle Sonderflüge und exklusive Schiffsreisen anzutreten sind. Optisch subtil gestreute Reize, klangvolle Melodien und eine warme, sanfte Stimme inmitten eines vielschichtigen Geräuscheschwarms. Kleine und große Schatten an der Wand, die darauf verhuschen wie die aufsteigenden, geträumten oder solchermaßen empfundenen Sequenzen.

Ungefähr 5 Meter lang, 2 Meter breit und etwa 1,4 Meter hoch misst der Raum, den die zur löchrigen Leinwand und Projektionskörper aufgeschichteten Objekte selbst einnehmen. Die komplette Installation dagegen erstreckt sich flächig über die gesamte mittlere Etage und ist herrlich von allen Seiten begehbar. Dazu noch das Gerumpel von Fußpaaren über Holzdielen, unter denen es hohl ist – Glidden hat auch den Raum in ihr Werk mit einbezogen. Dazu stimmig erweitern ihre Zeichnungen, Malerei und Skulpturen den Prospekt auf das Werk der US-amerikanischen Künstlerin, die seit 2013 in Deutschland am Bodensee lebt.

Bis 12. Oktober, Di–Fr 16–18 Uhr, So 11–13 Uhr. Finissage am So, 12. Oktober, 12–14 Uhr.

www.galerie-bagnato.de

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