Konstanz Finden die Theatertage 2019 etwa doch am Bodensee statt? In Konstanz bemühen sich Intendant und Stadt um Gesichtswahrung

Die Geschichte um die Absage der Baden-Württembergischen Theatertage ist um ein weiteres dubioses Kapitel reicher. Nach dem öffentlichen Streit zwischen dem Konstanzer Theaterintendanten Christoph Nix und dem Kulturbürgermeister der Stadt, Andreas Osner, geistert jetzt ein neuer Lösungsansatz durch die Stadt. Angestoßen hat ihn eine nicht öffentliche Sitzung des Kulturausschusses, in deren Anschluss eine Pressekonferenz am Mittwochabend stattfand. Diese vermittelte zwar keine konkreten Aussagen, dafür aber erstens bessere Stimmung als zuletzt und zweitens zahlreiche Andeutungen. So soll allem Anschein nach die Abstimmung über eine Verlängerung des Intendantenvertrags eine Neuauflage erfahren.

Noch am 19. Januar war diese in geheimer Wahl mit 13 zu 24 Stimmen zu Ungunsten von Christoph Nix ausgefallen. Die Niederlage gilt auch als der offizielle Grund für die zwei Wochen später erfolgte Absage der Theatertage: Ohne Verlängerung, so hatte Nix erklärt, sei das Festival nicht zu stemmen. In der Gemeinderatssitzung am 22. Februar könnte es dem Vernehmen nach nun zur Kehrtwende kommen – oder vielmehr zum Kompromiss: Im Gespräch ist wohl eine Verlängerung um weniger als das geforderte ganze Jahr.

Dieses Szenario wäre zwar geeignet, eine allseitige Gesichtswahrung zu ermöglichen. In der Sache wirft es freilich neue Fragen auf. So orientieren sich Vertragslaufzeiten von Intendanten üblicherweise an ganzen Spielzeiten. Bei einer Verlängerung um nur einige Monate wäre das Haus deshalb bis zum Ende der Spielzeit 2020/21 führungslos oder müsste einen Interimsintendanten benennen. Was genau mit einer solchen Lösung gewonnen wäre, ist unklar. Für einen reibungslosen Intendantenwechsel erscheinen sowohl eine Verlängerung um ein ganzes Jahr als auch die bereits beschlossene Nichtverlängerung als die besseren Optionen.

Auch zum demokratischen Procedere müsste Erklärungsarbeit geleistet werden: Wäre diesmal die Abstimmung offen? Wenn ja mit welcher Begründung? Was, wenn die Gegner einer Verlängerung bei ihrer Haltung bleiben? Für Rückfragen war gestern – schmutziger Donnerstag – weder im Theater noch im Rathaus jemand zu erreichen.

So kam es zur Absage

Zur Absage war es gekommen, weil der Intendant die verbleibende Vertragslaufzeit für zwei Großvorhaben (neben den Theatertagen ist auch noch das bodenseeumspannende Projekt „Atlantis“ geplant) als zu knapp bemessen kritisierte: eine Auffassung, die von der Leiterin der letztjährigen Baden-Württembergischen Theatertage in Ulm, Marion Geiger, gestützt wird. „Das ausrichtende Haus muss unfassbar viel stemmen“, sagt sie auf SÜDKURIER-Anfrage. „Wir hatten hier in Ulm zum Beispiel noch eine Open-Air-Bühne zu bespielen. Die Leute, die dort beschäftigt sind, fehlten uns dann im Haupthaus. Als jetzt auch noch die Theatertage dazu kamen, mussten sich alle schier zerreißen.

“ Ein großes Problem seien etwa die unterschiedlichen Gegebenheiten der Bühnen aller zum Festival eingeladenen Theater. „Das Kinder- und Jugendtheater aus Karlsruhe hatte zum Beispiel kein einziges Stück, das bei uns auf die Bühne gepasst hätte. Da muss man alternative Aufführungsmöglichkeiten finden.“

Zwar hatte Nix schon frühzeitig öffentlich darauf hingewiesen, dass er wegen dieser hohen Belastung eine Ausrichtung Theatertage nur bei einer längeren Laufzeit seines Vertrags verantworten könne. Im von der Verwaltungsleiterin des Konstanzer Stadttheaters bearbeiteten Beschlussantrag für den Gemeinderat ist davon aber keine Rede gewesen. Der Intendant erklärte dazu später, er habe stattdessen sowohl Osner als auch Burchardt im persönlichen Gespräch seine Sicht der Dinge dargelegt. Über die Darstellung des Kulturbürgermeisters, wonach man in der Stadt von der Absage überrascht worden sei, zeigte sich Nix deshalb verärgert und erklärte: „Die Aussagen von Herrn Osner sind unwahr.“

Heute gibt sich der Intendant plötzlich versöhnlich. Darstellungen, er habe Osner der Lüge bezichtigt, weist er zurück. Falsch liegt er damit nicht, wer die Unwahrheit sagt, muss nicht lügen. Diese Klarstellung dürfte auch einer harmonischeren Gesprächsatmosphäre dienlich sein. So fragwürdig die jetzt diskutierten Wege aus der verfahrenen Situation auch anmuten: Dass sich die Streithähne wieder aufeinander zu bewegen, lässt darauf hoffen, dass die Baden-Württembergischen Theatertage im kommenden Jahr doch am Bodensee stattfinden.

Theatertage

Die Baden-Württembergischen Theatertage finden seit 1977 alle zwei Jahre in wechselnden Städten statt. Die im Landesverband des Deutschen Bühnenvereins zusammengeschlossenen Theater präsentieren dann an der gastgebenden Bühne eine Auswahl ihrer Produktionen. Bereits 1989 und 2007 fanden die Theatertage in Konstanz statt.

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