Konstanz Erfolgsregisseur von "Monsieur Claude und seine Töchter" mit Flüchtlingskomödie

Auch in "Alles unter Kontrolle" lässt Phillippe de Chauveron wieder sämtliche Vorurteile aufeinander prallen

Vor drei Jahren lockte Philippe de Chauverons „Monsieur Claude und seine Töchter“ vier Millionen Besucher in die deutschen Kinos. Dennoch ließ er sich durch den Erfolg nicht zu einem Sequel verführen. Seiner Grundrezeptur ist er in dem Film „Alles unter Kontrolle“ dennoch treu geblieben, in dem er aktuelle, gesellschaftliche Konfliktfelder ins locker-flockige Klamaukformat transportiert.

Die Zivilpolizisten José (Ary Abittan) und Guy (Cyril Lecomte) gehen schnellen Schrittes durch die Gänge des Flughafengebäudes. Die beiden unterhalten sich über Josés Eheprobleme und die Ratschläge des Junggesellen-Kollegen sind wenig hilfreich. Dass sie in ihrer Mitte einen afrikanischen Abschiebehäftling führen, der lamentierend gegen seine Rückführung protestiert, scheint die beiden Polizisten nicht von ihrem Beziehungsberatungsgespräch abzuhalten.

Schon hier prallen die Welten aufeinander: Auf der einen Seite die Luxusprobleme der beiden EU-Bürger im Staatsdienst, auf der anderen Seite ein Flüchtlingsschicksal. Aber de Chauveron verhandelt die Kluft im moralfreien Raum. Die beiden Cops sind genauso nette Burschen, die routiniert ihrer Arbeit nachgehen, wie der gewiefte Afrikaner, der nicht zum ersten Mal illegal nach Frankreich eingereist ist. Diese sympathisierende Haltung behält „Alles unter Kontrolle“ bei. Nur noch einen letzten Klienten soll José vor seiner Beförderung nach Kabul bringen, aber natürlich hat es dieser Fall in sich. Massoud Karzaoui (Medi Sadoun) beteuert, dass es sich um eine Verwechslung handele, und entwickelt viel kreative Fantasie, um seine Abschiebung nach Afghanistan zu verhindern.

De Chauveron entwirft ein turbulentes Katz-und-Maus-Spiel, das bei einer Zwischenlandung in Malta allerdings auch deutliche komödiantische Längen entwickelt. Interessant wird es erst wieder im letzten Viertel, wenn José all seine Papiere verliert und mit dem Gefangenen auf Lampedusa landet, wo er plötzlich selbst als Flüchtling behandelt wird. Wie schon in „Monsieur Claude“ werden auch hier die gegenseitigen Vorurteilsstrukturen so lange durch die Luft jongliert, bis sie im Schwindel ihre Kraft verlieren. Allerdings ist in „Alles unter Kontrolle“ die Klamauk-Wattierung für das brisante Thema deutlich dicker ausgefallen. Dass der Film ähnlich erfolgreich wird wie das Vorgängerwerk, erscheint unwahrscheinlich, weil ihm der familiäre Erzählrahmen fehlt, der „Monsieur Claude“ zu maximaler Zuschauerkompatibilität verholfen hat.

Abspann:

Produktionsland: Frankreich 2016

Länge: 90 min

Regie: Phillippe de Chauveron

Darsteller: Ary Abittan, Cyril Lecomte, Medi Sadoun

FSK: ab 12 Jahre

Fazit: Turbulentes Katz-und-Maus-Spiel mit deutlichen Längen

.Ausschnitte aus der Flüchtingskomödie „Alles unter Kontrolle“ sehen Sie hier:www.sk.de/exklusiv

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