Frankfurt/Main Der „BücherDJ“ als Leserservice – Neue Trends auf der Buchmesse

Trotz Ende des E-Book-Hypes schreitet die Digitalisierung in der Buchbranche voran. Dem Leser soll angesichts der Titelflut das Einkaufen im Laden erleichtert werden. Dorthin drängen auch immer mehr Autoren, die ihre Bücher selbst herausgeben.

Manchmal sucht man ja nach einem azurblauen Kochbuch, das dem Regal in der heimischen Küche den passenden sommerlichen Tupfer verleiht. Mit dem „BücherDJ“ kein Problem: Dank beweglicher Drehknöpfe zum Navigieren erhält der Kunde im Nu auf einem großen Bildschirm die Farben von Buch-Covern jeglicher Art ausgespuckt. Er kann die Suche auch noch nach „Regionen“ verfeinern.

Mit der vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels entwickelten Suchmaschine kann der Käufer wie ein DJ am Plattenteller sein eigenes „Hit-Menü“ zusammenstellen. „Es spricht den Spieltrieb der Menschen an“, glaubt Ronald Schild, Chef der Börsenvereins-Tochter MVB, die dem Buchhandel zur Seite steht.

Bei dem am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellten Gerät handelt es sich aber nur um einen Prototyp, der so nie in die Läden kommen wird. Dennoch ist dieser ein Beispiel dafür, dass trotz stagnierenden E-Book-Markts die Digitalisierung unaufhörlich voranschreitet. Der stationäre Buchhändler, vom Internethandel immer schärfer bedrängt, kann mit dem „BücherDJ“ für seine Kundschaft auf spezielle Events ausgerichtete Bücherprogramme zusammenstellen.

Grundsätzlich gilt: Der Leser soll es bei der Suche nach seinen persönlichen Vorlieben angesichts der Titelflut einfacher haben. Dem dient auch die ebenfalls vom MVB entwickelte Vorschau vlbTIX, in der jeder Buchhändler sofort detaillierte Infos über 2,5 Millionen verfügbare Titel finden kann. Auch dem Normalleser steht diese Datenbank kostenlos zur Verfügung.

Der Dachverband der Buchbranche springt auf einen weiteren Zug auf, der die gesamte Branche verändert: Immer mehr Menschen werden auch ohne Verlag zu Autoren – mit hochprofessionell produzierten Büchern, was angesichts der ausgefeilten Software heute kein Problem mehr ist. Rund 1300 Bücher dieser Art stellt der Börsenverein aus – 99 Euro zahlt jeder Autor, der damit auf viel Aufmerksamkeit hofft. Auf der Messe vergibt der Verband außerdem zum ersten Mal einen Preis für Self-Publisher.

„Wir wollen diesen Autoren den Weg in den Buchhandel eröffnen“, sagt Schild. Das wollen auch Dienstleister wie Book on Demand (BoD), die sich seit Jahren ebenfalls um diese Autoren kümmern. „Für viele Menschen ist (das Self-Publishing) ein ganz großer Traum“, sagt Geschäftsführer Gerd Robertz. Beim immer härter werdenden Buhlen um den Leser sieht er einen Trend zu „Hybrid-Autoren“, die zwischen Verlagen und Selbstvermarktung pendeln.

Dazu gehört die Bloggerin und Autorin Carin Müller, die bei einem großen Verlag ein Buch über die Alzheimer-Krankheit veröffentlicht hat. Ihre eigenen Romane setzte sie zuerst über Amazon ab, das seit langem eine erfolgreiche funktionierende Self-Publishing-Plattform hat. Diese funktioniert aber nur über Amazon. Inzwischen vertreibt Müller ihre Bücher über andere Kanäle – und hat es auch in einige Buchläden geschafft.

Alles kein Zuckerschlecken, wie sie einräumt. „Man muss präsent und interessant sein.“ Über die sozialen Netzwerke wie Facebook versucht sie, mit ihren Blogs eine Fangemeinde aufzubauen. Das macht sie auch ganz raffiniert: So hat sie gerne über das Leben mit ihrem Hund geschrieben, um Leute für sich zu gewinnen. „Die Leidensfähigkeit eines Self-Publisher ist enorm hoch“, weiß sie aus eigener Erfahrung.

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