Kultur Das Museum zu Allerheiligen zeigt das bisher unbekannte Spätwerk von Max Gubler

Der bekannte Maler Max Gubler hat als Spätwerk einige verstörende Bilder hinterlassen, die geprägt sind von seiner geistigen und körperlichen Krankheit. Sie entstanden während seiner Zeit in der psychiatrischen Klinik. Nun zeigt das Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen dieses Spätwerk untern dem Titel Der andere Gubler.

Als Max Gubler 1917 die scheinbar idyllisch gelegene psychiatrische Anstalt Burghölzli in Zürich malte und sie expressionistisch mit einer reizvollen Winterlandschaft umgab, konnte er nicht ahnen, dass er selbst einmal dorthin verlegt und später dort auch sterben würde. Der bekannte Schweizer Maler (1898 bis 1973) stand auf dem Zenit seines Erfolgs, als er 1957 psychisch und physisch zusammenbrach. Er kam in psychiatrische Anstalten, versuchte aber dennoch, unter erschwerten Bedingungen, bis 1961 weiter zu malen. So entstand ein bisher nicht veröffentlichtes Spätwerk von 375 Gemälden und Zeichnungen. Jetzt, mehr als 50 Jahre später, zeigt das Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen eine Auswahl dieser verstörenden Bilder. „Der andere Gubler“ heißt die Ausstellung mit dem bisher unbekannten Spätwerk.

Es gibt nicht viele Gemeinsamkeiten zwischen Gublers frühen Bildern aus der Zeit bis 1957 und den späteren, die – geprägt von Ängsten und Brüchen – zwischen Anstalt und Atelier entstanden und mit denen er sich aus seiner künstlerischen Krise zu befreien hoffte. Das sieht man gleich in der geglückten Gegenüberstellung im ersten Ausstellungsraum: Hier die schöne Winterlandschaft oder sehr eindrucksvoll „Das tote Mädchen“ im Kreis seiner Familie (1921) – alles detailliert und harmonisch ausgearbeitet – dort das „Große Paar“ (der Maler und seine Frau Maria aus dem Jahr 1959), in helle Farben aufgelöst, auf wenig starke Linien reduziert. Hier ist nichts mehr in Ruhe, sondern das Paar ist in Bewegung, einander zugewandt und voller Emotionen und doch fremdartig vergeistigt.

Eine andere Serie zeigt eine Reihe von sieben Selbstbildnissen, die zwischen 1920 und 1960 entstanden: Hier das unbekümmerte Gesicht, dort Spuren der Zerrissenheit und Ängste, seltsam hell und stachelig durch rastlose Striche. Immer wieder diese Gesichter, seien es Portraits seiner Freunde und Ärzte oder – fast fratzenhaft – Gesichter von sich und seiner Frau: Ausgemergelt, mit aufgerissenen Augen, verzerrt oder wie hinter Gittern oder hinter einem Spinnennetz verborgen. Was für Visionen und Bedrohungen muss Max Gubler hier abgearbeitet haben? „Gott hilf uns!“ hat er auf mehrere Bilder gekritzelt. Auch bei seinen anderen Themen findet er eine neue Bildsprache: Andeutungen von Landschaften, von Haus, Baum, Mond, Reitern oder Wolken werden abstrahiert oder ganz aufgelöst, bunter, heller und wie zerrissen. „Was für uns unverständlich ist,“ hatte sein Professor und Freund Gotthard Jedlicka 1961 in sein Tagebuch notiert, „kann für ein späteres Geschlecht lesbar sein.“ Diese Chance haben wir heute. Es lohnt sich, die erstaunlich moderne Ausstellung anzuschauen.

Die Ausstellung ist bis 8. Februar 2015 dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Katalog kostet 58 Franken.

Informationen im Internet:

www.allerheiligen.ch

Ihre Meinung ist uns wichtig
Mehr zum Thema
Alle Kulturtexte vom Hochrhein.: Sehen Sie hier alle Kulturtexte vom Hochrhein.
Herbstliche Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Kultur
Kultur
Kultur
Kunst
Kultur
Kultur
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren