Kultur Cornelia Haller aus Immenstaad hat ihren zweiten historischen Roman geschrieben: „Das Herz der Alraune“

„Das Herz der Alraune“ heißt der zweite historische Roman der Immenstaaderin Cornelia Haller. Ein spannendes Buch aus der Zeit der Hexenverfolgung, das nicht nur Freunde historischer Bücher begeistern wird.

Vor drei Jahren, als ihr erstes Buch erschien, hatte Cornelia Haller einen mächtigen Fürsprecher. Ihr Mann, der als Informatiker Martin Walser immer wieder in Computerfragen berät, legte dem Schriftsteller damals die ersten 50 Seiten ihres Romans „Seelenfeuer“ vor. Sie selbst hätte sich das nie getraut, sagt sie. Begeistert empfahl Walser das Buch seinem Hamburger Verlag Hoffmann und Campe, wo es daraufhin 2012 erschien. „Wortreich, füllig und farbig“ sei es, lobte er. Die Immenstaaderin saß zu diesem Zeitpunkt schon an ihrem zweiten Buch „Das Herz der Alraune“, das dieser Tage bei dtv premium erschienen ist.

Wer „Seelenfeuer“ vor Spannung kaum aus der Hand legen konnte, dem wird es mit der Fortsetzung genauso gehen. Die junge Luzia Gasser, eine mutige Hebamme aus Seefelden, entkommt am Ende des ersten Romans nur knapp dem Scheiterhaufen, als sie im ausgehenden 15. Jahrhundert in die Fänge des päpstlichen Inquisitors Heinrich Kramer gerät und bezichtigt wird, eine Hexe zu sein. Das neue Buch beginnt 1492 an der französischen Universität von Montpellier, wo Luzia inzwischen als Mann verkleidet ihr Medizinstudium absolviert hat, jedoch fliehen muss, als ihre Tarnung auffliegt. Sie kehrt als Medica nach Überlingen zurück, wo sie ihren früheren Geliebten Johannes von der Wehr wiedertrifft, mit dem sie am Hospital arbeitet. Hier bringen sie Neider und Fanatiker in höchste Gefahr.

„Die Zeit der Hexenverbrennung hat mich schon immer fasziniert“, sagt Cornelia Haller, die zwei erwachsene Töchter hat und in Immenstaad aufgewachsen ist. Dort lebt die gelernte Heilpraktikerin bis heute in ihrem Elternhaus direkt am See. Wenn man sich mit ihr in ihrem gemütlichen Wohnzimmer bei einer Tasse Kaffee unterhält, an dem Tisch, an dem sie, den See im Blick, über dieses dunkle Zeitalter schreibt, dann könnte der Kontrast kaum größer sein: zu den schmutzigen Gassen Überlingens voller Unrat und lärmender Gesellen, Kutscher und betrunkener Schiffer und den großen Krankensälen, in denen bei Kerzenlicht operiert wird mit Geräten, die man eher Handwerkern als Ärzten in die Hand geben würde. Ihre Sprache ist voller starker Bilder, die Augen, Nase und Ohren öffnen. Man folgt dieser liebenswürdigen Heldin atemlos durch die Stadt, bangt und leidet mit ihr. Eine grausame Zeit wird lebendig, die sich niemand zurück wünscht.

Für Cornelia Haller ist das Buch auch ein Stück Aufarbeitung der Geschichte ihrer Heimat. Akribisch hat sie die Historie recherchiert, das Wesen des päpstlichen Inquisitors Heinrich Kramer, der im Dominikanerorden Karriere machte und im Bistum Konstanz unglaublich viele Frauen als Hexen verbrennen ließ. Sein Buch „Der Hexenhammer“ war Ende des 15. Jahrhunderts ein Bestseller. Die 48-Jährige studierte den archäologischen Stadtkataster der Stadt Überlingen. So kann man sich mit dem Buch durch die Stadt bewegen, allerdings entlang der alten Stadtmauer, die viel enger um das Zentrum gezogen war als heute. Am Münster vorbei, auf die Hofstatt, die Krumme Bergstraße hinauf, oder in die Mietkammer der Heldin in der „Krone“ und hinab zur Greth, in deren Gebäudeinneres die Lastschiffe vom See her hineinfuhren, um Ware abzuladen. Cornelia Haller fuhr auch ins französische Montpellier und besichtigte dort das Anatomische Theater der damaligen und auch heutigen Universität, in dem früher die Leichenöffnungen stattfanden. „Die Universität war einzig dem Bischof von Tours verpflichtet, der ein sehr weltoffener Mensch war“, sagt sie. „Er überließ der Universität mehrmals im Jahr den Leichnam eines Hingerichteten.“ Und das, obwohl Leichenöffnungen verboten waren und zumeist an Tierkadavern experimentiert wurde. Das Krankenhaus, Schauplatz vieler Szenen des Romans, gab es dagegen nicht. So mischen sich immer wieder aufs Spannendste Fiktion und Wirklichkeit.

2013, als Cornelia Haller längst an ihrem neuen Roman arbeitete, verließ der damalige Verleger Hoffmann und Campe. Die neue Leitung strich sämtliche historischen Romane aus dem Programm. So war klar, dass ihr zweites Buch in diesem Verlag keine Chance mehr haben würde. „Seelenfeuer“ war bereits als Lizenz an dtv verkauft worden. Dass diese Lizenz und eine begeisterte Lektorin ihr direkt zu einem Buchvertrag verhalfen, hätte die Immenstaaderin nicht gedacht. Verlassen hat sie sich auf wissenschaftliche Bücher und die Kompetenz einer befreundeten Ärztin. Bei speziellen Fragen der Leichenschau hatte der Pathologe Heiko Müller aus Überlingen immer ein offenes Ohr für sie. Der Rest sind Fantasie, viel Gespür für die historischen Zusammenhänge und erzählerisches Talent.

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