Konstanz Christa Näher: Große Malerei einer Grande Dame

Der Kunstverein Konstanz würdigt die 70-jährige Künstlerin Christa Näher aus Wolfegg im Allgäu mit einer umfassenden Retrospektive

Liebe Leser, ganz sicher sollte Kunst nicht nur aus einigen wenigen Perspektiven betrachtet werden – genauso wenig wie Technik und alles Übrige auch. Statt dessen sollte man ganzheitlich denken und hinschauen. Alles hängt mit allem zusammen – auf der Welt und im Leben.

Warum dieses Vorwort? Was hat das mit der Malerei von Christa Näher aus Wolfegg im Allgäu zu tun? Und damit auch mit dem Kunstverein Konstanz, der ihr zu ihrem 70. Geburtstag eine üppig bespielte Retrospektive widmet? Und das dermaßen intensiv, dass man als Betrachter vor Demut gleichzeitig niederknien und vor Begeisterung aus lauter Freude hüpfen möchte? Das ganzheitliche Sehen kann man in Nähers Kunst beispielhaft erfahren: Kunst im Sinne von Geben sowie Sehen im Sinne von Wahr-Nehmen ist ein sich wechselseitig befruchtender Prozess.

Es tut so gut, Christa Nähers gleichermaßen große wie auch großformatigen Bilder einfach nur anzuschauen und auf sich wirken zu lassen – am besten für sich, in Ruhe. So trifft man etwa gleich im Eingang des Bildungsturms auf eine geballte Ladung Schwarz und Kraft: unweigerlich kreisen Nähers berühmte Pferde auf dunklem Grund den Besucher ein und halten ihn gebannt in ihrer Mitte mit ihrer ursprünglichen, unverstellten Kraft, Anmut und Grazie.

Oder „Die schwarze Gondel“: Das (nicht bloß für hiesige Verhältnisse) gigantische Format von 280 auf 500 Zentimeter ist reich besetzt mit Chiffren, Metaphern, Symbolen und Verweisen auf Mythologie und Realität, auf innere und äußere Bilder. Nur wenige Werke irritieren wie „Schwarze Witwe“ oder wirken so bedrohlich und furchteinflößend wie „Krieg“, hier apokalyptisch versinnbildlicht durch ein schwarzes Pferd, das frontal galoppiert, seine Zähne fletscht und Schaum geifert. Vor allem scheinen Nähers Bildschöpfungen ihr Entstehen und ihre Energie aus starken Gefühlen und persönlichen Eingebungen, ja auch aus Schwingungen im Bildraum selbst, einmal in Gang gesetzt, zu beziehen.

Im ländlichen Umraum in Lindau aufgewachsen, zog es Christa Näher früh weg in große städtische Zentren: nach Berlin, Köln und Frankfurt; statt für eine internationale Kunstkarriere entschied sie sich für eine Professur an der dortigen Städelschule. Nach 27 Berufsjahren kehrt sie berentet in den Bodenseeraum nach Wolfegg zurück: keineswegs gescheitert, sondern vielmehr größer geworden. Christa Nähers Gemälde sind und bleiben große Malerei einer Grande Dame der zeitgenössischen bildenden Kunst in Deutschland.

Bis 26. November in den Räumen von Kunstverein und Turm im Kulturzentrum Konstanz, Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa und So 10 – 17 Uhr. www.kunstverein-konstanz.de

.Ein umfassendes Porträt von Christa Näher und ihrer Arbeit finden Sie auf www.sk.de/exklusiv

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