Berlin Auf den Hund gekommen

Mit dem Film "Isle of Dogs" und jeder Menge Prominenz eröffnete gestern die Berlinale. Zehn Tage lang ist Berlin jetzt Zentrum der Filmwelt

Gemeinhin dreht sich bei der Berlinale ja alles um die Bären, doch zum Auftakt der 68. Auflage kamen die Internationalen Filmfestspiele der Hauptstadt gestern erst einmal auf den Hund. Auf ziemlich viele Hunde sogar, denn die Vierbeiner stellen die Protagonisten dar in Wes Andersons neuem Film „Isle of Dogs – Ataris Reise“, der zur Eröffnung seine Weltpremiere feierte.

Zum zweiten Mal nach „Der fantastische Mr. Fox“ hat sich der verspielteste Exzentriker des amerikanischen Independent-Kinos der Herausforderung eines Animationsfilms gestellt. Dafür hat es Anderson nach Japan verschlagen: in der nicht allzu fernen Zukunft ist dort eine regelrechte Hunde-Phobie ausgebrochen. Die besten Freunde des Menschen, fast alle von Hundegrippe und Schnauzenfieber befallen, werden per Dekret sämtlich auf eine Müllinsel vor der Küste der Großstadt Megasaki City verbannt, wo sie ein trostloses Dasein fristend ihrem Ende entgegenblicken. Nur Atari, der 12-jährige Ziehsohn des verantwortlichen Bürgermeisters, will sich mit dem Verlust seines geliebten Haustiers und Beschützers Spots nicht abfinden und macht sich auf eigene Faust auf, ihn wiederzufinden. Wobei er bald Unterstützung von allerlei ebenso räudigen wie wackeren und vor allem unglaublich treuen Helfern bekommt.

Der ganz große Wurf wie vor vier Jahren, als Anderson mit „Grand Budapest Hotel“ schon einmal die Berlinale eröffnete, ist dem Regisseur dieses Mal nicht gelungen. Keine Frage: sein bunter Haufen schräger Vögel, äh Hunde verbreitet gute Laune, und die Filmmusik von Alexandre Desplat ist einmal mehr eine Klasse für sich. Außerdem ist die Kombination aus dem liebenswürdigen Charme der Stop-Motion-Animation und dem grafischen Design der japanischen Kultur natürlich ein gefundenes Fressen für den stets aufs Visuelle bedachten Anderson.

Trotzdem verliert die Geschichte leider relativ schnell an Schwung. Fast alle Menschen sprechen Japanisch, das weder übersetzt noch untertitelt wird, während die Hunde prominente englische Stimmen haben. Für die Berlinale-Eröffnung bedeutete das gestern immerhin jede Menge Stars auf dem roten Teppich, hatte Anderson doch unter anderem Greta Gerwig, Tilda Swinton, Bryan Cranston und Bill Murray im Schlepptau.

Um den Goldenen Bären, der am 24. Februar verliehen wird, konkurriert „Isle of Dogs“ ausschließlich mit Realfilmen, weswegen Dieter Kosslick sich in den kommenden zehn Tagen nicht über Gästemangel im Berlinale-Palast beschweren wird. Bereits heute Abend wird mit Robert Pattinson ein Besuch erwartet, der noch immer für Kreischen und Fan-Auflauf gut ist. Der mit den „Twilight“-Filmen einst zum Teenie-Star gewordene Brite stellt gemeinsam mit Mia Wasikowska den Western „Damsel“ der Brüder David und Nathan Zellner vor, in dem er die Hauptrolle spielt.

Demnächst folgen ihm so unterschiedliche Kollegen wie Gael García Bernal, der im mexikanischen Beitrag „Museo“ mit von der Partie ist, Hannah Schygulla, die in „La prière“ des Franzosen Cédric Kahn mitspielt, oder Golden Globe-Gewinnerin Claire Foy, die für die außer Konkurrenz gezeigte Weltpremiere von Steven Soderberghs „Unsane“ sogar ihre Dreharbeiten zu neuen Stieg Larsson-Verfilmung unterbrechen wird.

Natürlich wird auch Politik als Thema auf der Leinwand wieder groß geschrieben auf dieser Berlinale. Jury-Präsident Tom Tykwer gab zum Festivalauftakt trotzdem zu Protokoll, er und seine Mitstreiter würden nach künstlerischen, nicht politischen Gesichtspunkten ihre Entscheidungen treffen. Zur Seite stehen ihm der japanische Komponist Ryuichi Sakamoto, die belgische Schauspielerin Cécile de France, die US-Produzentin Adele Romanski, der spanische Filmarchivar Chema Prado und die amerikanische Filmkritikerin Stephanie Zacharek. „Wir nehmen das Festival ernst“, betonte der deutsche Regisseur. Und schob mit Blick auf die zahlreichen Filmvorführungen und Partys der kommenden Tage hinterher: „Aber wir möchten für uns auch ein Fest daraus machen.“

Berlinale in Zahlen

Die Berlinale ist neben Venedig und Cannes eines der wichtigsten Filmfestivals der Welt. Einige Eckdaten:

  • 24 Filme im Wettbewerb, darunter vier deutsche
  • 7991 Filme eingereicht, 385 aus 78 Ländern im Programm
  • 37 Prozent der Filme von Frauen
  • 19 Kino-Spielstätten mit 949 Vorführungen, dazu 7 Kiez-Kinos
  • Berlinale-Palast mit 1627 Plätzen
  • Jahresbudget 25 Millionen Euro, davon 7,7 Millionen Bundesförderung
  • 2017 fast 335 000 verkaufte Eintrittskarten, knapp 500 000 Kinobesuche (dpa)

.Einen Rückblick auf die wichtigsten Momente der Berlinale finden Sie hier: www.sk.de/exklusiv

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