Baden-Württemberg Der Fall Henri und die Inklusion

Ist-Zustand: Die seit 2009 für Deutschland verbindliche UN-Menschenrechtskonvention verlangt eine konsequente Teilhabe von Menschen mit Handicap. Ziel ist nicht Integration Behinderter in die Gesellschaft, sondern Inklusion, also die Überwindung ausgrenzender Verhältnisse.

Ist-Zustand: Die seit 2009 für Deutschland verbindliche UN-Menschenrechtskonvention verlangt eine konsequente Teilhabe von Menschen mit Handicap. Ziel ist nicht Integration Behinderter in die Gesellschaft, sondern Inklusion, also die Überwindung ausgrenzender Verhältnisse. Die CDU-geführte Landesregierung mit Kultusminister Helmut Rau erlitt 2009 eine Niederlage vor Gericht, weil die Waldorfschule Emmendingen inklusiv beschulen wollte. Das Land wollte aber nur Außenklassen einer Sonderschule genehmigen. Danach gab es ein leichtes Umsteuern. Zum Schuljahr 2010/2011 wurden Modellregionen der Inklusion eingerichtet. In Baden-Württemberg haben derzeit 73 000 Schüler besonderen Förderbedarf, nur 28 Prozent besuchen eine Regelschule. Bis heute werden inklusiv beschulte Kinder nicht zum Klassenteiler hinzugerechnet. So kommt es mancherorts zu Klassen mit 35 Kindern, weil durch die Inklusionskinder kein Klassenteiler ausgelöst wird.

 

 

Vergleich: Italien ist das Vorzeigeland der Inklusion. Dort wurden 1977 alle Behinderteneinrichtungen aufgelöst. Die Kinder besuchten fortan Regelschulen mit acht Jahren Grund- und Mittelstufe für alle. Dort gibt es eigenständige Integrationslehrkräfte. In Deutschland werden überall Parallelstrukturen von Förder- und Sonderschulen und Inklusionsangeboten vorgehalten.

 

 

 

Fall Henri: Die Eltern von Henri machten ihren Fall selbst publik. Der Elfjährige hat das Down-Syndrom. Die letzten Jahre ging er in eine gruppenbezogene inklusive Grundschulklasse. Im Herbst steht der Übergang auf die weiterführende Schule an. Henris Eltern wollen, dass er mit seinen Freunden auf das nahe gelegene Gymnasium Walldorf wechseln kann. Schulamt und Kultusministerium würden dies im Rahmen einer Schulversuchsordnung genehmigen, doch die Lehrerschaft lehnte ab. Die Eltern argumentieren mit einer begünstigenden Wirkung auf Henris Entwicklung: „Henris Grundschulzeit war kein leichter Weg, aber für Henri und alle anderen Kinder hat es sich ausgezahlt.

 

Sie haben viel voneinander gelernt. Henri ist nicht mehr der arme behinderte Junge, sondern er ist ein ganz normaler Klassenkamerad, der so ist wie er ist.“ Kultusminister Stoch könnte den Schulversuch auch gegen den Widerstand des Lehrerkollegiums einsetzen. Darauf zielt eine Online-Petition mit inzwischen fast 27 000 Unterzeichnern. Bleibt die Schule bei dem Votum, müsste Henri nach jetziger Rechtslage auf eine Sonderschule gehen. Das Ministerium fürchtet einen Präzedenzfall. (gar)

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