Baden-Württemberg Willkommen in der „Staufer-Kaserne“

Garnisonsstandort Pfullendorf umbenannt. Neue Bezeichnung ist unverfänglich.

Seit Oktober 1964 firmierte der Garnisonsstandort in der Linzgaustadt als „Generaloberst-von-Fritsch-Kaserne“. Gestern erfolgte im Rahmen eines feierlichen Gelöbnisses der Spezialausbildungskompanie 209 die offizielle Umbenennung in „Staufer-Kaserne“. Immer noch ist unklar, weshalb die 1959 eröffnete Kaserne vor einem halben Jahrhundert den Namen des einstigen Oberbefehlshabers des Heeres, Werner von Fritsch erhielt, der später von Hitler abgesetzt wurde.

Die Rolle von Fritsch während der NS-Zeit ist unter Historikern umstritten. Er setzte sich vor dafür ein, dass die Wehrmacht der einzige „Waffenträger“ der Nation sein sollte und stellte sich gegen die Pläne von Ernst Röhm, dem Chef der Sturmabteilungen (SA), der die Wehrmacht in seine Formation eingliedern wollte. Mit der Beseitigung der obersten SA-Führung im sogenannten „Röhm-Putsch“ im Juni 1934 erfüllte Adolf Hitler den Wunsch der Wehrmachtsführung. Allerdings fiel Fritsch beim Diktator in Ungnade, wurde der Homosexualität bezichtigt und 1938 von seinem Posten entfernt.

Anfrage im Bundestag

Neben seiner unklaren Position gegenüber dem NS-Regime geriet Fritsch auch wegen einer antisemitischen Passage eines Briefes auf eine Namensliste, die die Bundestagsfraktionen der Grünen und Die Linke am 24. Oktober 2012 im Bundestag einreichten. Gemeinsam stellten sie darin den Antrag, die Namen von Bundeswehrkasernen zu überprüfen. Sie wiesen dabei auf die Richtlinien zur Traditionspflege der Bundeswehr hin, in der festgelegt ist, dass „Kasernen und andere Einrichtungen nach Persönlichkeiten benannt werden, die sich durch ihr gesamtes Wirken oder eine herausragende Tat um Freiheit und Recht verdient gemacht haben. “ Durch diese parlamentarische Initiative wurde das Thema auch für die Pfullendorfer Kaserne aktuell. So tauchte am Volkstrauertag 2012 vor dem Ehrenmal im Stadtgarten plötzlich ein Kamerateam des ARD-Magazins „Kontraste“ auf und befragte die angetretenen Soldaten zum Namensgeber ihrer Kaserne. Der damalige Kommandeur Oberst Peter Seidenspinner wurde vom Verteidigungsministerium aufgefordert mit seinen Soldaten einen neuen Namen zu suchen, in Absprache mit der Stadt.Im März 2013 stimmte der Gemeinderat dem Vorschlag „Staufer-Kaserne“ zu, der nach der Zustimmung des Verteidigungsministeriums ab sofort offizieller Kasernenname ist. Der Standort im Linzgau beherbergt das „Ausbildungszentrum Spezielle Operationen“ sowie die „Internationale Fernspähschule“, in der aktuell neun Nato-Nationen ihre Soldaten für den weltweiten Einsatz ausbilden lassen. Kommandeur Oberst Thomas Schmidt bezeichnete Pfullendorf als „Drehscheibe für die Ausbildung von Spezial- und spezialisierten Kräften“, die weltweit im Einsatz seien. Am Pfullendorfer Standort wurden in den vergangenen Jahren rund 80 Millionen in die Sanierung und Modernisierung der Infrastruktur investiert, darunter eine Geothermie-Anlage. Derzeit bietet die Garnison nach Angaben von Landrat Dirk Gaerte, der mit Oberst Schmidt die offizielle Enthüllung des neuen Kasernennamens vornahm, rund 1000 militärische und zivile Posten.

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