Freiburg/Orlando Wie ein Kinderschänder aus Südbaden Ermittlern in den USA in die Falle tappte

Ein international gesuchter gebürtiger Südbadener wurde in Florida gefasst. Der Kinderschänder konnte dank verdeckter Ermittlungen gestellt werden, ähnlich wie auch im Fall des Staufener Missbrauchsverbrechens.

Verdeckte Ermittlungen spielen im internationalen Kampf gegen grausame Sexualstraftäter, die es auf den Missbrauch von Kindern abgesehen haben, eine zentrale Rolle. Das belegen zwei Beispiele, die jeweils Bezüge zur Region am Oberrhein haben. Ein extremer Fall betrifft einen inzwischen 56-Jährigen in einem südbadischen Dorf geborenen Pharmamanager, der in der Schweiz lebte und in den USA ein 13-jähriges Mädchen aus sexuellen Motiven quälen wollte. Er wurde gefasst und im Dezember zu lebenslanger Haft verurteilt. Der andere Fall steht im Zusammenhang mit den jüngst bekannt gewordenen Staufener Missbrauchsverbrechen, bei denen ein von seiner Mutter an Pädophile verkaufter neunjähriger Junge über zwei Jahre Opfer war. Hier geht es um einen 43-jährigen vorbestraften Sexualstraftäter.

Der Mann wuchs als Sohn in einem Dorf im nördlichen Breisgau auf. Er studierte naturwissenschaftliche Fächer, machte seinen Doktor und wurde schließlich Prokurist in der Schweiz. Dort lebte er auch. Er soll ein Einzelgänger-Dasein geführt haben. Im April 2016 nahm er im besonders geschützten Darknet Kontakt zu einem angeblichen Vater in Florida auf, der seine 13-jährige Tochter für sexuellen Missbrauch offerierte. Was er nicht wusste: der vermeintliche Vater war Special Agent und verdeckter Ermittler des Sheriffs im Brevard County in Florida, das Mädchen als Lockvogel erfunden.

Für den Juni 2017 meldete der Mann seine Ankunft auf dem Flughafen von Orlanda/Florida an. Zuvor hatte er im Kontakt mit dem verdeckten Ermittler, das besagen amerikanische Justizunterlagen, Unfassbares preis- und zugegeben. Er habe schon ein elfjähriges Mädchen mit Zustimmung dessen Vaters gequält. Das angebotene 13-jährige Mädchen wollte er wie einen Hund behandeln.

In Orlando holte ihn der Special Agent ab, fuhr mit ihm in den Zuständigkeitsbereich des Brevard County, nahm das im Auto geführte Gespräch mit dem Südbadener mit weiteren belastenden Äußerungen auf und erreichte schließlich eine vorbereitete Polizeikontrolle. Der Mann wurde festgenommen, bei ihm fanden die Ermittler Utensilien wie Klebeband, Klemmen, eine Flaschenbürste und eine Digitalkamera mit kinderpornografischen Bildern. Kinder zu schlagen sei „lustig“, „fantastisch“ und besser als Sex, sagte der Festgenommene laut den Unterlagen. Jetzt ist er lebenslang im Bundesgefängnis weggeschlossen, eine Geldstrafe von 250 000 Dollar wurde ihm auch noch auferlegt.

Richter Paul C. Byron nannte das geplante Verbrechen „abscheulich“ und „grauenhaft“. Der erfolgreiche verdeckte Ermittler James Spero erklärte zu seinem Vorgehen: „Wir finden solche Raubtiere, wir sperren sie ein und wir führen sie der höchstmöglichen Strafe zu.“ Um, so Justizsprecher Daniel Williams im Bundesstaat Florida, „mögliche Täter abzuschrecken“.

Sheriff Wayne Ivey, Brevard County, Florida.
Sheriff Wayne Ivey, Brevard County, Florida. | Bild: County Florida

Verdeckte Ermittlung, um Täter zu fassen, gab es auch im Staufener Missbrauchsfall. Im Oktober 2017 befindet sich der Neunjährige von seiner Mutter zum sexuellen Missbrauch verkaufte Junge längst in staatlicher Obhut. Die Angebote der Mutter und ihres Lebensgefährten, den Neunjährigen gegen Geld missbrauchen zu können, standen aber weiterhin im Netz.

Ermittler verfolgten, was sich tut. Sie ließen einen im Internet aktiven Freier in dem Glauben, er könne den Jungen in Karlsruhe frei nach seinen Bedürfnissen benutzen. Bei dem Festgenommenen handelt es sich um einen einschlägig vorbestraften Mann, dem ein Gutachter laut „spiegel online“ schon „schwerste sadistisch-fetischistische Pädophilie“ zugeschrieben hat.

Grausamste Sexualfantasien soll er im Netz geäußert und vorgebracht haben. Den eigenen Sohn soll er für Missbrauch vorgesehen haben im Tausch gegen das Kind eines anderen. Er wurde gefasst, zu elf Jahren Haft verurteilt, mit anschließender Sicherungsverwahrung. Doch der Bundesgerichtshof urteilte in einem Revisionsverfahren, die Verabredung zum Mord sei ihm nicht nachzuweisen – nach sechs Jahren kam er wieder frei und wurde in ein Programm für Sexualstraftäter aufgenommen, eingestuft als „latent rückfallgefährdet“.

Zweimal Kinderschänder in die Falle gelockt, einmal in den USA mit drastischen Rechtsfolgen, einmal im Badischen. Grundlage der Festnahme in Karlsruhe war laut dem Ersten Staatsanwalt Mirko Hein der Paragraf 30 des Strafgesetzbuches, Absatz 2 (Verabredung zu einem Verbrechen). Anstiften zu einer Straftat dürfen die Ermittler niemanden, räumt Hein gegenüber dieser Zeitung ein. So wird vor der Anklageerhebung gegen Daniel V. von der Staatsanwaltschaft erst geprüft werden, ob die Ermittler rechtmäßig handelten, als sie den Anschein erweckten, der längst in Sicherheit befindliche neunjährige Junge aus Staufen sei als Missbrauchsopfer verfügbar.

Solche Rechtsabschätzungen spielen in den USA keinerlei Rolle, wie es das Schicksal des 56-jährigen Pharmamanagers aus dem nördlichen Breisgau zeigt. Sheriff Wayne Ivey: „ Nach 38 Jahren Polizeiarbeit denkst du, du hast schon alles erlebt. Und jetzt so etwas. Ich bin echt angewidert“.

 

Ihre Meinung ist uns wichtig
% SALE bei SÜDKURIER Inspirationen %
Neu aus diesem Ressort
Karlsruhe
Stuttgart
Region
Stuttgart
Stuttgart
Stuttgart
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren