Endingen Verfahren gegen mutmaßlichen Endingen-Mörder: Prozess zuerst in Freiburg

Dem mutmaßlichen Vergewaltiger und Mörder von Carolin G., einem 40-jährigen rumänischen Fernfahrer, soll möglichst schnell der Prozess gemacht werden. Und zwar zuerst in Freiburg, obwohl er bereits 2014 in Österreich gemordet haben soll. Carolin G. hat er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft am 6. November 2016 in den Endinger Weinbergen umgebracht.

Dass der in Untersuchungshaft sitzende und in Endingen festgenommene tatverdächtige Catalin C. zuerst in Deutschland vor Gericht gestellt wird, ergibt sich aus dem Strafrecht. Darin heißt es, so der Freiburger Oberstaatsanwalt Michael Mächtel, „Haftsachen sind Eilsachen“. Eine Überstellung zum jetzigen Zeitpunkt für ein anderes Verfahren im Ausland sei „realistischerweise nicht zu erwarten“. Mächtel geht davon aus, dass zuerst in Freiburg gegen den 40-jährigen Rumänen verhandelt wird. Habe ein Urteil Rechtskraft erlangt und gebe es dann Auslieferungsersuchen anderer Staaten, würde darüber die Generalstaatsanwaltschaft in Karlsruhe befinden. Eine Bewilligung der Auslieferung sei Sache des Oberlandesgerichts, das ebenfalls in Karlsruhe sitzt.

Die Ermittlungen im Fall Catalin C. sind aber noch nicht abgeschlossen – das Verfolgen bislang nicht abgearbeiteter Hinweise beschäftigt weiter eine Sonderkommission. Zudem wird in anderen Ländern geprüft, ob der Fernfahrer dort für weitere Straftaten infrage kommen könnte. Erst nach Abschluss der Ermittlungen kann eine Anklageschrift vorgelegt werden. Über die Prozesseröffnung entscheidet dann das Landgericht Freiburg.

Laut Mächtel werden beim Prozess wegen des Mordes an Carolin G. früher begangene einschlägige Straftaten beziehungsweise Prognosen zur Gefährlichkeit des Beschuldigten in die Beweisaufnahme und die Bewertung der Tat einfließen. Das werde auch bei einem weiteren Prozess in Österreich wegen des Mordes an der 20-jährigen Studentin Lucille K. am Innufer nicht anders sein. Demnach spielen die Morde von Endingen und Kufstein im jeweils anderen Verfahren eine Rolle.

Der dringend verdächtige Berufskraftfahrer hatte schon 2005 in Rumänien eine Prostituierte mit einem Messer schwerst verletzt, dann 2014 mutmaßlich in Kufstein gemordet und 2016 in Endingen. DNA-Spuren, Mautdaten, ähnliche Tatausübung – beide Male wurden die Opfer erschlagen – Handyauswertung, sein Auto in der Nähe des Endinger Tatorts und vieles mehr legen den Verdacht nahe, dass mit Catalin C. ein gefährlicher Serienverbrecher in Haft sitzt, dem möglicherweise sogar noch weitere sexuelle motivierte Gewaltverbrechen zur Last gelegt werden. Und sollte er zum Beispiel in Deutschland und in Österreich zu lebenslanger Haft verurteilt worden sein – wo sitzt er dann wann welche Strafe ab? Das könne unter dem Aspekt einer Gesamtstrafenbildung „komplex und kompliziert“ werden, meint Michael Mächtel. Grundsätzlich würden Urteile aber „getrennt nacheinander vollstreckt“.

Schwierige Suche nach dem Täter

  • 6. November: Die 27-jährige Carolin G. aus Endingen wird als vermisst gemeldet, nachdem sie von ihrer Joggingrunde nicht zurückkehrt. Die Polizei beginnt die Suche.
  • 10. November: Fund der Leiche in einem Waldstück zwischen Endingen und Bahlingen. Die Obduktion ergibt: Sie wurde vergewaltigt und erschlagen. Ermittlungen der Sonderkommission „Erle“ beginnen.
  • 26. Januar: Die Polizei gibt bekannt, dass es Hinweise auf ein und denselben Täter gibt, der schon im Januar 2014 eine junge Studentin in Kufstein (Österreich) ermordet haben soll.
  • 5. April: Die Polizei sucht nach dem Mörder mit einem Phantombild, das auf Wahrnehmungen einer Zeugin erstellt wurde. Zahlreiche Hinweise gehen ein, führen aber nicht zum Erfolg.
  • 31. Mai: Die Spur mit der Nummer 4334 wird zum Treffer. Ein 40-jähriger Lastwagenfahrer aus Rumänien wird schließlich am 2. Juni im Badischen festgenommen. (sk)

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