Eppingen Nach dem Vorfall in Eppingen: Experte spricht von unheimlicher Brutalität

Bernd Schuckert, Vizepräsident und Kanzelar der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, erklärt, was in unserer Region getan wird, um einen Vorfall wie in Eppingen zu verhindern.

Herr Schuckert, gibt es einen Verhaltenskodex, an den sich die Teilnehmer eines Umzugs halten müssen? Oder darf jeder einfach machen, was er will?

Wir haben genaue Richtlinien, die den Zünften bekannt sind. Darin ist zum Beispiel der Gebrauch von Streumaterialien wie Heu und Konfetti festgeschrieben. Aber Papier ist geduldig. Wichtiger ist, dass wir jedes Jahr am Samstag nach Aschermittwoch Bilanz ziehen. Sollte an der Fasnacht ein Problem aufgetreten sein, wird das direkt thematisiert. In diesem Jahr werden sicher auch die Vorkommnisse von Eppingen mit den Zunftmeistern besprochen.

Gibt es denn auch bei uns Zünfte, die mit heißen Wasserkesseln durch die Straßen ziehen?

Nein, dass mit heißem Wasser hantiert wird, ist mir nicht bekannt. Das ist unheimlich brutal. Da stockt einem als Narr ja der Atem. In früheren Zeiten gab es vielleicht auch bei uns Gruppen, die mit Feuer hantiert haben. Aber das ist lange her.

Was sind die Probleme, die Sie ansonsten bei Ihren Treffen ansprechen?

In den vergangenen Jahren gab es keine Probleme. Das hat damit zu tun, dass wir die Zünfte sensibilisieren, um solche Vorkommnisse schon im Keim zu ersticken. Zum Beispiel haben wir schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass die Umzugsteilnehmer speziell auf Brillenträger aufpassen müssen. Wir nehmen auch das Thema Sexismus ernst. Hexen sind ja in der Regel junge Männer und die nehmen meistens keine alten Männer in ihre Hexenwägen sondern junge Mädchen. Das kann nur funktionieren, wenn man sich entsprechend benimmt: Die Hand eines Narren hat in der Kleidung oder an den Brüsten nichts zu suchen! Aber ich muss sagen, dass wir in letzter Zeit wirklich keine negative Rückmeldung bekommen haben.

Wie kann man Hexen und Narren sanktionieren, falls sie doch auffällig werden?

Zum Glück ist bei uns noch keine Gruppe so drastisch aufgefallen, dass man die Zunft sanktionieren musste. Ein erster Schritt wäre aber, dass man eine Einzelperson oder Gruppe vom Umzug ausschließt.

Wie sollten sich Zuschauer verhalten, wenn sie auf einem Umzug doch eine unangenehme Szene beobachten?

Der erste Ansprechpartner ist die Zunft. Wenn ich mir nicht sicher bin, welche das ist, kann man auf unserer Homepage nachschauen. Dort sind die Zünfte und Zunftmeister aufgelistet.

Fragen: Daniel Schottmüller

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