Eppingen Nach Kessel-Unglück in Eppingen: Hexengruppe bedauert verunglückten Scherz

Die Hexengruppe bedauert den verunglückten Scherz in Eppingen. Das Ordnungsamt hatte den Wasserkessel zuvor nicht kontrolliert. Nun wertet die Polizei Bilder und Videos von dem Nachtumzug aus.

Das Echo ist gewaltig. Nach dem Unglück beim Eppinger Nachtumzug am vergangenen Samstag, bei dem eine junge Frau über einem Kessel mit heißem Wasser schwerste Verbrennungen erlitten hatte, äußert ein Sprecher der Kraichtaler Narren großes Bedauern. Die Gruppe hatte den Wurstkessel hinter sich hergezogen. „Wir alle sind von dem, was passiert ist, sehr, sehr betroffen. Das Thema ist bei uns zu jeder Tageszeit in jeder Minute präsent“, schreibt der Sprecher und Organisator der Narren aus Kraichtal-Bahnbrücken an die "Heilbronner Stimme". Die Gruppierung "Bohbrigga Hexebroda" führten den Kessel mit sich. Nach dem Vorfall werten die Ermittler Fotos und Videos aus. Man erhofft sich ein genaueres Bild vom Hergang.

Der psychische Druck, der auf die Narren ausgeübt werde, sei enorm, so deren Sprecher. „Doch all dies ist zweitrangig. Viel schlimmer ist, dass eine junge Frau mit schweren Verletzungen zu Schaden gekommen ist, was wir sehr, sehr bedauern. Wir hoffen und wünschen, dass sie bald wieder genesen ist und keine bleibenden körperlichen und psychischen Schäden davonträgt.“

Die Vorkommnisse waren gestern Thema im Eppinger Gemeinderat. Oberbürgermeister Klaus Holaschke ließ die Zukunft des Nachtumzugs offen, schloss eine Fortführung aber zumindest nicht aus. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass die Frau bis zu den Knien in den Wasserkessel der Bohbrigga Hexebroda geriet. Die 18-Jährige befindet sich in einer Hautklinik und soll erst in einigen Tagen vernommen werden. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung. Ein oder zwei Hexen sollen die 18-jährige Zuschauerin über den Kessel gehalten haben.

Ob diese Hexen zu der Narrengruppe Bohbrigga Hexebroda gehören, ist unklar. Im Laufe des Umzugs vermischen sich die einzelnen Gruppen, sagt Polizeisprecher Achim Küller. Im Raum steht der Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung. Offenbar schrie die Frau und wurde am Straßenrand abgesetzt.

Gruppe nicht im Landesverband

Die Kraichtaler Narrengruppe gehört nach Informationen der "Heilbronner Stimme" keinem Landesverband an. Der Präsident des Landesverbands Württembergischer Karnevalsvereine, Bernd Lipa, kennt die Gruppe „vom Hörensagen“. Ihm zufolge handelt es sich bei den Narren um eine Freigruppe, auch wilde Gruppe genannt. „Diese Gruppen wollen nicht in einen Landesverband eintreten“, sagt er. „Sie wollen nicht gegängelt werden. In einem Verband gibt es natürlich Regeln.“ Bei einem Umzug des Württembergischen Landesverbands sei es zwar erlaubt, einen Kessel dabei zu haben. Aber: „Der darf kein heißes Wasser enthalten und er muss oben mit einem Gitter verschlossen sein.“ So sollen Gefahren ausgeschlossen werden.

Der Wurstkessel gehört laut Ute Schwarz nicht unbedingt zum Brauchtum. Schwarz ist Präsidentin des Carnevalclubs Massenbachhausen und gehört dem Brauchtumsrat des Landesverbands an. „Feuer und heißes Wasser haben aus meiner Sicht bei so einem Umzug nichts zu suchen“, sagt sie. Bei Umzügen und anderen Fastnachtsveranstaltungen tragen die jeweiligen Vereine und Zünfte die Verantwortung. „Jeder Verein ist autonom“, sagt Bernd Lipa. Dessen Masken- oder Zunftmeister sollen auf die Einhaltung von Bestimmungen achten und angetrunkene Teilnehmer von der Veranstaltung ausschließen.

Sie seien außerdem zusammen mit der Polizei oder dem Ordnungsamt für die Kontrolle von Umzugswagen mit verantwortlich. Einer Kontrolle ist der Wurstkessel in Eppingen nicht unterzogen worden, teilt Rathaussprecherin Cathrin Leuze mit. Das Ordnungsamt prüfe nur Traktoren und motorisierte Fahrzeuge.

In den sozialen Netzwerken löst der Vorfall zum Teil heftige Reaktionen aus. Auch der Sprecher der Kraichtaler Narren erhält nach eigenen Angaben „Hass-Anrufe und Hass-Mails“.

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