Freiburg Mordprozess in Freiburg: Die vielen Gesichter des Hussein K.

Im Mordprozess gegen den Flüchtling Hussein K. vor dem Landgericht Freiburg ergeben die Zeugenaussagen ein unterschiedliches Bild.

Im Prozess um den Tod einer jungen Studentin in Freiburg ging es gestern zunächst um das Alter des Angeklagten. Mehrere Mitarbeiter der Jugendämter der Stadt Freiburg und des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald hatten nach eigenen Angaben keinen Zweifel, dass der wegen Mordes an der 19-jährigen Studentin Maria L. angeklagte und geständige junge Afghane Hussein K. minderjährig war, als er in ihre Obhut kam. Deshalb habe es auch kein Verfahren zur Altersbestimmung gegeben, bevor er den Mord verübte. Das sagten zwei Mitarbeiter der Jugendämter beim gestrigen Prozesstag im Freiburger Landgericht aus.

Dort muss sich Hussein K. vor der mit drei Frauen und zwei Männern besetzten großen Jugendkammer für seine Tat verantworten. Der Jugendamts-Mitarbeiter, der Hussein K. im Herbst 2015 bei einem sogenannten Clearing-Gespräch begutachtete, bezeichnete den jungen Afghanen als damals sehr auskunftsfreudig und authentisch.

Keine Zweifel an Altersangaben

Zweifel am von Hussein K. genannten Geburtsdatum 12.11.1999 habe das Jugendamt bei der „qualifizierten Inaugenscheinnahme“ nicht gehabt: „Jugendliche Gesichtszüge“ wurden konstatiert, und „kein Adamsapfel und keine Brusthaare“. Das genügte, um das Alter zu glauben.

Zweifel gab es auch nicht ein halbes Jahr später. Die tauchten erst nach seiner Festnahme im Dezember 2016 auf. Hussein K. war seit April in einer ihm angeblich „sehr zugewandten“ Pflegefamilie untergebracht – und in einem „Hilfeplangespräch“ erörterten Jugendhelfer und die Pflegefamilie die Situation des Flüchtlings. Da kam nichts von seinem angeblich exzessiven Drogenkonsum zur Sprache.

Die Vernehmung einer Sozialädagogin des Jugendamts Breisgau-Hochschwarzwald ergab, dass Hussein K. in der Schule zunächst gute Leistungen zeigte, aber eine Fehlzeit von 20 Prozent registriert worden war. Angeblich habe er in einem KFZ-Betrieb nur „niedere Dienste“ erledigen sollen und dazu habe er, so die Sozialpädagogin, keine Lust gehabt. Sie qualifizierte ihn als unselbstständig und der Hilfeplan habe zum Ziel gehabt, ihn zu größerer Selbständigkeit zu führen.

Alles in allem haben die Jugendämter bis auf zwei längere Gespräche Hussein K. keine große Aufmerksamkeit zuteil werden lassen, ergaben die Aussagen vor Gericht. Es wurde auch nicht überprüft, wie er sich seit der Unterbringung in der Pflegefamilie entwickelt hat.

Intensiver Drogenkonsum

Bei der Vernehmung von zwei afghanischen jungen Männern aus dem Umfeld des Angeklagten wurde erneut der hohe Konsum von Wodka und Marihuana thematisiert, Hussein K. sei aber auch in „besoffenem Zustand“ nie besonders aggressiv aufgetreten. Er habe seine Saufkumpane eher zurückzuhalten versucht, wenn die drohten, über die Stränge zu schlagen. Der Zeuge berichtete auch, dass Hussein K. bis nach Hamburg fuhr, um Drogen wie Exstasy zu kaufen, „weil die dort günstiger waren als in Freiburg“.

Weitere Details von der Zeit Hussein K.s in Griechenland wurden von den afghanischen jungen Männern genannt.

Dort soll er Bordells besucht haben („die waren viel billiger als in Deutschland“). Und er soll selbst erzählt haben, in Griechenland mit anderen in betrunkenem Zustand einem Jungen zunächst Geld entwendet und das Opfer dann sexuell missbraucht zu haben.

Pflegemutter von Hussein K. sagt aus

Hussein K. hatte auf Korfu auch eine Studentin von einer Klippe gestürzt und schwer verletzt. Er soll nach eigenen Berichten einem Zeugen gegenüber schon als 14-Jähriger ein zwölfjähriges Mädchen im Iran vergewaltigt haben. Hussein K. wiederum will selbst Opfer von sexuellen Übergriffen durch Mullahs in einer afghanischen Koranschule sein.

Am späten Nachmittag sagte dann die afghanische Pflegemutter von Hussein K. aus. Sie hatte dem Flüchtling zusammen mit ihrem Mann in ihrem Anwesen in Freiburg-Ebnet unweit des Tatorts seit Ende April eine 70-Quadratmeter große Einliegerwohnung zur Verfügung gestellt. Dort lebte Hussein K. nach ihren Aussagen zusammen mit einem anderen afghanischen Flüchtling sehr autark. Pro Monat erhielt er 400 Euro zur eigenen Verfügung für Kleidung, Essen und Mobilität, so die 56-Jährige. Sie schilderte ihn als relativ selbstständig und habe nur informiert sein wollen, wo er sich nachts aufhielt (oft bei Freunden, wo er auch übernachtete).

Alkohol- und Drogenkonsum will die Pflegemutter nicht bemerkt haben. Nach dem Mord an Maria L. am 16. Oktober habe sie mit dem Angeklagten im Auto darüber gesprochen, doch der habe sich nicht interessiert gezeigt: „Da kam keine Panik rüber“, sagte die Pflegemutter und schloss für sich aus, dass Hussein K. etwas mit der Tat zu tun habe. Zwei Tage nach dem Mord ging sie mit ihm zu einem Flüchtlings-Kulturfest, bei dem der Angeklagte, der gern singe, vor den Gästen „allein ein ganzes Lied“ vorgetragen habe.

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