Endingen Mordfall Endingen: Spur 4334 brachte den Treffer

Im Endinger Mordfall wurde ein Verdächtiger gefasst – die Stadt am Kaiserstuhl atmet erleichtert auf. Beifall gibt es für die präzise Arbeit der Ermittler.

„Spur 4334“ brachte in den zwei Jahre und zehn Monate auseinanderliegenden und wahrscheinlich vom gleichen Täter verübten Mordfällen Carolin G. in Endingen und Lucille K. im österreichischen Kufstein den Durchbruch. Die Polizei nahm am Freitag einen 40 Jahre alten rumänischen Fernfahrer fest, der unter dringendem Tatverdacht steht. Seit Samstag sitzt er in Untersuchungshaft. Für ihn als Doppelmörder sprechen starke Indizien.

Der Festgenommene soll im Raum Endingen wohnen. Am Tag der Ermordung von Carolin G. hielt er sich in den Weinbergen auf. Er war dorthin mit seinem Privat-PKW gefahren. Auf diesen Wagen hatte es zwei Zeugenhinweise gegeben, die auf eine Automarke, aber zwei unterschiedliche Modelle hindeuteten. Diese Angaben waren nicht so genau, dass öffentlich nach einem Auto der beschriebenen Art gefahndet wurde. Die Polizei überprüfte aber laut SoKo-Sprecher Walter Roth die Halter von 400 Fahrzeugen gleicher Farbe, Marke und Bauart – ohne Ergebnis. Als sie auf den Rumänen stieß, stellte sie fest, dass er ebenfalls ein solches Auto fuhr.

Auf größtes Interesse stieß die Pressekonferenz der Ermittler in Endingen. Der personelle Aufwand für die vorläufige Lösung des Kriminalfalls war ernorm (von links): Andreas Stenger, Leiter des Kriminaltechnischen Institutes des Landeskriminalamtes, Peter Egetemaier, Leiter der Kriminaldirektion Freiburg, Bernhard Rotzinger, Polizeipräsident, Leitender Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer, Richard Kerber, Leiter der Sonderkommission, und Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamtes der Landespolizeidirektion Tirol in Österreich. <em>Bild: dpa</em>
Auf größtes Interesse stieß die Pressekonferenz der Ermittler in Endingen. Der personelle Aufwand für die vorläufige Lösung des Kriminalfalls war ernorm (von links): Andreas Stenger, Leiter des Kriminaltechnischen Institutes des Landeskriminalamtes, Peter Egetemaier, Leiter der Kriminaldirektion Freiburg, Bernhard Rotzinger, Polizeipräsident, Leitender Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer, Richard Kerber, Leiter der Sonderkommission, und Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamtes der Landespolizeidirektion Tirol in Österreich. Bild: dpa | Bild: Patrick Seeger

Aus Handydaten konnte herausgelesen werden, dass der Mann am 6. November 2016 mit seinem Privathandy in den Endinger Weinbergen eingeloggt gewesen war – ein weiteres Indiz. Das Handy von Carolin G., das nach der Vergewaltigung und der Ermordung der 27-Jährigen verschwunden war, wurde bei dem Verdächtigten bislang nicht gefunden. Die Tatwaffe fehlt ebenso. Carolin G. war auf ähnliche Art wie Lucille K. brutal erschlagen worden. Die Tat hatte größte Verängstigung am Kaiserstuhl ausgelöst.

Sowohl in Kufstein als auch im Verlauf der Endinger Ermittlungen gab es zwei sich ähnelnde Phantombilder. Die Bilder spielten bei der Festnahme aber nicht die entscheidende Rolle, denn, so Kriminaloberrat Richard Kerber, Chef der SoKo „Erle“: „Man hätte den Mann auf den Phantombildern nicht erkennen können, aber es bestehen auch keine wesentlichen Unterschiede im Vergleich der Bilder mit dem Originalaussehen des Mannes“.

 

Reaktionen

Polizeivertreter bedankten sich bei den Endingern für die „grenzenlose“ Unterstützung bei der Aufklärung des Falles. Polizeisprecher Walter Roth sagte: „In dieser Form haben wir das noch nicht erlebt“. Endingens Bürgermeister Hans-Joachim Schwarz stellte fest: „Uns in Endingen ist ein großer Stein vom Herzen gefallen. Aber unter diesem Stein bleibt eine Wunde sichtbar, die wir weiter mit uns herumtragen werden.“ (uh)

 

Die Polizei wusste seit Januar 2017, dass die an der Leiche von Carolin G. gefundene Teil-DNA des Täters mit der Teil-DNA übereinstimmte, die im Januar 2014 in Kufstein im Zusammenhang mit dem Mord an der französischen Studentin Lucille K. entdeckt worden war – also musste es sich um den gleichen Täter handeln. Carolin G. und Lucille K. waren mit großer Brutalität erschlagen worden – die Tatwaffe in Kufstein war eine Eisenstange, die zur Lkw-Hydraulik gehörte. Daher und weil die Morde zu Lkw-Ruhezeiten an Wochenenden und jeweils in Autobahnnähe verübt wurden, bekam die Vermutung, der Täter sei ein Fernfahrer, Priorität.

Deswegen kamen österreichische Mautdaten ins Spiel. Diese dürfen ausgewertet werden, die deutschen Daten aus dem Raum Endingen aufgrund deutscher Gesetzgebung nicht. Innenminister Strobl sagte, er sei dafür, Ermittlern künftig Mautdaten zur Auswertung zu überlassen. Das österreichische Material, nach offiziellen Angaben „50 000 Datensätze“, wurde eingedampft. Weil die Polizei, so Walter Roth, vor Wochen anhand der als Tatwaffe in Kufstein benutzten Hydraulikstange den Lkw-Typ hatte herausfinden können, wurden solche Lastwagen mit Standzeit in Kufstein vom 6. auf den 7. Januar 2014 in Kufstein erkennbar.

Konkrete Nachfragen bei Speditionen am Kaiserstuhl setzten ein, und am Mittwoch der vergangenen Woche kam die Antwort eines größeren Transportunternehmens ausgerechnet mit Sitz in Endingen und 85 Mitarbeitern. Inhalt sinngemäß: „Ja, einer unserer Lkw vom beschriebenen Typ stand zur fraglichen Zeit im Raum Kufstein. Der Fahrer war der inzwischen bei der Spedition angestellte Rumäne.“ Der Gesuchte gab eine Speichelprobe ab. Diese Original-DNA bot den erwünschten Treffer, weil sie „im direkten Vergleich mit der aufbereiteten Teil-DNA direkt zur Identifizierung des Täters ausgereicht hat“, so Andreas Stenger vom Stuttgarter Kriminaltechnischen Institut. Am Freitag um 14 Uhr wurde der Rumäne am Arbeitsplatz festgenommen.

Innenminister Strobl und Freiburgs Polizeipräsident Bernhard Rotzinger lobten die nach dem Mord an Carolin G. am Sonntag 6. November geleistete „akribische Ermittlungsarbeit“ der Sonderkommission „Erle“. An einer Pressekonferenz am Samstag in der Stadthalle durften neben Journalisten auch Endinger Bürger teilnehmen. Sie belohnten die Polizei- und Justizvertreter mit anhaltendem Beifall.

Vom Tage zuvor ist folgende Szene überliefert: In einer Wirtschaft fällt die Wirtin einem Gast um den Hals und ruft: „Sie haben das Schwein.“
 

Die Arbeit der "Soko Erle"

Nach der Vergewaltigung und Ermordung der 27-jährigen Joggerin Carolin G. bei Endingen am 6. November 2016 wurde die Sonderkommission „Erle“ eingesetzt.

  • 50 Beamte: Zeitweilig zählte sie 50 Mitglieder, die zum Teil aus anderen badischen Polizeipräsidien angefordert wurden. Vier Tage nach der Tat wurde die Leiche von Carolin G. gefunden. Weil es tagelang geregnet hatte, war die Spurenlage mäßig. Schritt für Schritt ging es mit den Ermittlungen voran, tausende Zeugenaussagen wurden abgearbeitet.
  • Mühselige Arbeit: Lange gab es keine heiße Spur, doch die Ermittler ließen sich nicht entmutigen. Nach und nach wurde die Soko verkleinert. Als offensichtlich der Durchbruch gelang, war sie auf eine zehnköpfige Ermittlungsgruppe reduziert worden. Nun wird polizeiintern diskutiert, die Gruppe wieder hochzustufen. (uh)

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