Freiburg Mord an Maria: Hussein K. sagt am kommenden Montag zum Tatvorwurf aus

Der wegen der Vergewaltigung und Ermordung einer Studentin in Freiburg angeklagte Hussein K. wird sich am kommenden Montag zum Tatvorwurf äußern.

Der Zeitplan für die Verhandlung vor dem Landgericht Freiburg sei entsprechend geändert worden, teilte das Gericht am Mittwoch mit. K. hatte bereits zum Auftakt des Prozesses gegen ihn am Dienstag überraschend über seinen Anwalt ankündigen lassen, dass er sprechen werde und zunächst zur Person ausgesagt. Während seiner zehnmonatigen Untersuchungshaft hatte er geschwiegen. Ob er die ihm vorgeworfene Tat gesteht oder sich am Montagvormittag anderweitig einlässt, ist völlig offen.

Die Aussage zum Tatvorwurf war eigentlich schon für Dienstagnachmittag geplant gewesen, dann aber vertagt worden. Auch eine erste Zeugenaussage wurde verschoben. Mit der eigentlichen Beweisaufnahme will das Gericht nun am Montagnachmittag kommender Woche beginnen.

So lief der erste Prozess-Tag


Der erste Verhandlungstag im Prozess zur Ahndung des Mordes an der 19-jährigen Medizinstudentin Maria L. am Dienstag hat nach Meinung von Prozessbeobachtern erkennen lassen, dass der mutmaßliche Täter Hussein K. sich seiner Lage durchaus bewusst ist. Dass es für ihn Sinn macht, Umstände in den Vordergrund zu rücken, die dazu angetan sein könnten, bei der zu erwartenden Verurteilung die Höchststrafe zu vermeiden.

Jedenfalls hat Hussein K. gleich zu Beginn des Verfahrens die Prozessplanung der Kammervorsitzenden Kathrin Schenk ganz schön durcheinandergebracht. Mit einem Zickzack-Kurs in der Anfangsphase, als er zunächst erklärte, „ich habe nichts zu erzählen und zu sagen“, um dann kurz darauf mitzuteilen: „Ich werde aussagen“. Prompt wurde die für den Eröffnungstag angesetzte Vernehmung des im Mordfall Maria L. ermittlungsführenden Kriminalbeamten auf einen späteren Prozesstag verschoben.

Zu müde für Fragenblock zur Tat


Die nach der gezeigten Aussagebereitschaft von der Vorsitzenden für den Nachmittag an Prozesstag eins geplante Vernehmung des Angeklagten zur Tat kam dann auch nicht zustande – dafür sei er zu müde, ließ der Angeklagte verlauten. Und fand sehr zum Unwillen des Staatsanwalts und des Nebenklägers damit Verständnis bei der Vorsitzenden Richterin.
Der Angeklagte Hussein K. wird in Freiburg im Landgericht nach einer Prozessunterbrechung mit Fußfesseln in den Gerichtssaal gebracht.
Der Angeklagte Hussein K. wird in Freiburg im Landgericht nach einer Prozessunterbrechung mit Fußfesseln in den Gerichtssaal gebracht. | Bild: Patrick Seeger (dpa)

Zur Person übrigens wurde die Aussage erheblich eingeschränkt. Einzelheiten über sexuelle Übergriffe in einer Koranschule in Afghanistan, die ihm möglicherweise widerfuhren, über seine „Sexualbiographie“ und über religiöse Einstellungen, fanden Dienstagnachmittag vor Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dazu gehörte vermutlich auch die Ausleuchtung der „psychischen Probleme“, von denen Hussein K. gesprochen hatte, die er aber im öffentlichen Verfahren nicht näher erläutern wollte. Die psychischen Probleme, die ihn nach seinen Aussagen zu teils enormem Drogenkonsum bewegt hätten, Wein, Bier und vor allem Wodka, Haschisch, gar Heroin. In Freiburg angeblich bezahlt von 400 Euro, die ihm seine Pflegefamilie monatlich zustand.

Ob die Drogenbeschaffung während der Zeit in Freiburg auch  auf kriminelle Weise finanziert wurde, ließ der junge Afghane nicht durchblicken. Von seinem Aufenthalt in Griechenland berichtete er dagegen freimütig über Diebstähle („da habe ich geklaut“) bis hin zum Eingeständnis, einen seiner Schlepper beraubt zu haben. Jedenfalls hat der Angeklagte erhebliches Fehlverhalten  offen und wiederholt berichtet, als wolle er seine „psychischen“ und seine Drogenprobleme schon mal bewusst für später zu beurteilende etwaige mildernde Umstände in den Vordergrund schieben. In Teilen war ein gewieft zu bezeichnendes Aussageverhalten zu beobachten.

Schlussplädoyers unter Ausschluss der Öffentlichkeit


Dass Hussein K. überhaupt Angaben macht, dazu reifte die Erkenntnis nach Aussagen seines Pflichtverteidigers Sebastian Glathe im Gefängniskrankenhaus Hohenasperg, wo der mutmaßliche Mörder von Maria L. nach wie vor auch während der Zeit des Prozesses inhaftiert ist. Glathe findet es gut, dass Hussein K. dadurch „zum Subjekt in der Verhandlung wird, das geht eben nur mit Aussagen“.

Biographische Aspekte, so der Strafverteidiger weiter, verbinden sich mit der Tat – aber wie, das soll die Öffentlichkeit offenbar nicht erfahren. So hat die Vorsitzende Richterin zum Schutz des Angeklagten auch verfügt, dass die Schlussplädoyers in diesem politisch brisanten Mordprozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden sollen. Am Montag, dann wieder öffentlich, wird der Angeklagte vermutlich Aussagen zur Tat machen – ein Geständnis erscheint nicht unwahrscheinlich.
 

Chronologie: Der Fall Hussein K.


- Januar 2013: Hussein K. kommt als Flüchtling nach Europa. Er gibt sich als Afghane aus.

- Mai 2013: Auf der griechischen Ferieninsel Korfu überfällt Hussein K. eine Studentin und wirft sie eine hohe Klippe hinab. Das Opfer überlebt schwer verletzt.

- Februar 2014: Wegen versuchten Mordes wird Hussein K. in Griechenland zu zehn Jahren Haft verurteilt.

- Oktober 2015: Hussein K. wird vorzeitig aus der Haft entlassen. Als Jugendlicher profitiert er von einem Gesetz zur Entlastung der übervollen Gefängnisse in Griechenland. Dann taucht er unter.

- 12. November 2015: Hussein K. kommt als Unbegleiteter Minderjähriger Ausländer (UMA) nach Freiburg, er bittet um Asyl. Papiere hat er nicht dabei. Von seiner kriminellen Vorgeschichte wissen die deutschen Behörden nichts.

- Mitte Februar 2016: Hussein. K stellt einen Asylantrag. Die Bearbeitung verzögert sich, hat keine Priorität. K. lebt inzwischen bei einer Pflegefamilie in Freiburg und steht unter der Obhut des Jugendamtes des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald.

- 16. Oktober 2016: In Freiburg wird die Leiche einer Studentin gefunden. Die 19-Jährige wurde Opfer eines Sexualverbrechens.

- 2. Dezember 2016: Die Polizei in Freiburg nimmt den Flüchtling Hussein K. als Tatverdächtigen fest. Er gibt sein Alter mit 17 an. Inzwischen eingeholte Altersgutachten bezweifeln dies.

- 17. Juli 2017: Der Prozessbeginn gegen Hussein K. vor dem Landgericht Freiburg wird für den 5. September anberaumt. Bislang sind 16 Verhandlungstage angesetzt. Im Dezember könnte ein Urteil fallen.

- 5. September 2017: Prozessauftakt vor dem Landgericht Freiburg.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Baden-Württemberg
Stuttgart
Heidenheim
Karlsbad
Neubulach
Heidenheim
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren