Baden-Württemberg Ministerium: Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen soll nicht zerstückelt werden

Das Land will mehr Polizisten ausbilden. Doch das erfordert auch neue Kapazitäten bei den Ausbildungszentren. Das Innenministerium widersprach jetzt einer Meldung des SWR, wonach Meßstetten und Wertheim neue Ausbildungsstätten bekommen. Die Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen solle nicht zerstückelt werden.

Die Hängepartie um mögliche neue Standorte für die erforderlichen Aus- und Fortbildungskapazitäten für die Polizei in Baden-Württemberg geht in eine neue Runde. Während der SWR am Dienstag vermeldete, die Entscheidung sei zugunsten von Meßstetten als Ausbildungsstandort für bis zu 800 Polizeianwärter sowie für Wertheim als neue Außenstelle der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen mit Platz für bis zu 400 angehende Kommissare im gehobenen Dienst ab 2019 gefallen, widersprach das Innenministerium am Nachmittag diesen Meldungen. „Das ist nicht zutreffend“, so der Sprecher.

Tatsächlich solle der zentrale Studienstandort der Landespolizei an der Hochschule der Polizei in Villingen-Schwenningen gestärkt werden, so das Ministerium. „Das Ziel ist, dass Villingen-Schwenningen nicht zerstückelt, sondern gestärkt wird“, so der Sprecher des Innenministeriums. Derzeit sei man in intensiven Gesprächen mit Stadt und Landkreis, ob die wachsende Studentenzahl am Standort der Kernhochschule selbst bewältigt werden könne. 

...bald eine Außenstelle in diesem Gebäude in Wertheim nahe Heidelberg? Bilder: dpa
...bald eine Außenstelle in diesem Gebäude in Wertheim nahe Heidelberg? Bilder: dpa

„Villingen-Schwenningen verliert nichts“, bestätigte auch der Fraktionsvorsitzende der Landtags-CDU, Wolfgang Reinhart, auf Anfrage unserer Zeitung. Es gehe vielmehr darum, die in Wertheim vorhandenen Räumlichkeiten, die bis 2015 bereits als Außenstelle der Hochschule der Polizei genutzt wurden und in die eine zweistellige Millionensumme investiert worden war, wieder der ursprünglichen Nutzung zuzuführen. In welcher Form dies geschehe, ergänzte der Sprecher des Innenministeriums, sei derzeit aber noch offen. „Das kann ein Studien-, ein Fortbildungs- oder ein Ausbildungsstandort sein.“ 

Heftig umstritten: Bekommt die Polizeifachhochschule in Villingen-Schwenningen ...
Heftig umstritten: Bekommt die Polizeifachhochschule in Villingen-Schwenningen ...

Prompt reagierte auch der Oberbürgermeister der Stadt Villingen-Schwenningen, Rupert Kubon. "Wir können und werden alle Voraussetzungen treffen, damit hier 1700 Studierende lernen und untergebracht werden können," erklärte der OB nach einem Treffen, an dem auch Vertreter des Finanzministeriums teilgenommen hatten. Kubon kündigte weitere Untersuchungen zur Unterbringung der Studierenden an.

Meßstetten gut positioniert

Was den weiteren Standort einer Polizeischule im Land angeht, so zeigte sich am Dienstag der Bürgermeister von Meßstetten, Frank Schroft, überzeugt davon, dass seine Gemeinde ideal dafür sei. Nachdem die Bundeswehr im ersten Halbjahr 2014 die Alb-Kaserne aufgegeben hatte und hier während der Flüchtlingskrise eine Landeserstaufnahmestelle (LEA) eingerichtet worden war, ist die Heuberg-LEA nun geschlossen. Die Gebäude stehen leer. Schroft erinnerte die Landesregierung an ein Versprechen, die Stadt bei der Nachnutzung des Konversionsgeländes zu unterstützen. Deshalb hoffe er, dass das Land zu seinen Zusagen stehen und entsprechende Taten folgen lassen werde. Kommunalpolitisch wird derzeit in der Heubergstadt unabhängig vom möglichen Standort einer Polizeischule an der Planung für ein interkommunales Gewerbegebiet auf dem ehemaligen Bundeswehrareal gearbeitet.

Im Kreis Sigmaringen befinden sich drei weitere Favoriten für die künftige Polizeischule: Sigmaringen, Mengen/Hohentengen und Bad Saulgau. Verantwortliche wünschen sich eine Ansiedlung: „Das stärkt die gesamte Region“, sagt etwa CDU-Bundestagsabgeordneter Thomas Bareiß. Die drei Gemeinden unterstützen weiterhin eine mögliche Ansiedlung, rechnen aber laut ihren Bürgermeistern nicht damit. Auch in Mengen/Hohentengen geht es um eine Kaserne: Auf dem Gelände der Oberschwaben-Kaserne möchte ein privater Investor einen Erlebnis- und Gewerbepark für erneuerbare Energien (genannt Ehoch4) umsetzen, hier stehen bereits modernisierte Gebäude für eine mögliche Polizeischule. Mengens Bürgermeister Stefan Bubeck schildert die Verhandlungen als fortgeschritten, bis sie wegen unterschiedlicher finanzieller Vorstellungen beendet worden seien. Das Innenministerium machte dazu auf Anfrage während des Prozesses keine näheren Angaben, Gespräche fänden aber weiterhin statt.

Voraussetzungen für die Polizei-Ausbildung

Bewerber für den Polizeidienst müssen folgende Grundvoraussetzungen erbringen: Die Körpergröße sollte mindestens 1,60 Meter, Body-Mass-Index (BMI) zwischen 18 und 27,5 sein; deutsche Staatsbürgerschaft und Sportabzeichen in Silber sowie der Nachweis der Schwimmfähigkeit sind Voraussetzung. Das Alter liegt zwischen 16,5 und 30 Jahren. Die Ausbildung für den mittleren Polizeivollzugsdienst dauert 30 Monate. Ausbildung an den Standorten Biberach, Bruchsal und Lahr. Die Ausbildung für den gehobenen Polizeidienst dauert 45 Monate unter anderem an der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen. Die Zusatzausbildung für die Laufbahn des Wirtschaft- oder Cyberkriminalisten dauert ein Jahr. Die Ausbildung erfolgt in Böblingen. (sk)

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