Stuttgart Jeden Tag drei bis vier Attacken: Im Südwesten greifen immer mehr Hunde Menschen an

Mehr als tausend Attacken allein im Jahr 2016. Immer öfter werden Menschen in Baden-Württemberg Opfer von Hundeangriffen. Die Landestierschutzbeauftragte fordert ein härteres Vorgehen gegen Besitzer.

In Baden-Württemberg werden immer mehr Personen nach Angriffen durch Hunde verletzt. 2016 wurden beim Innenministerium 1292 Attacken gemeldet – darunter auch 30 Straftaten, an denen Kampfhunde beteiligt waren. In nahezu allen Fällen wurde eine Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Dies geht aus einer Landtagsanfrage der SPD an das Landesinnenministerium hervor. Zu den Kampfhunden zählen laut der Südwest-Polizeiverordnung die Rassen American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pit Bull Terrier. Damit stieg die Gesamtzahl der Hundeangriffe, die angezeigt wurden, in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich an. 2015 wurden 1239 Straftaten in der Polizeilichen Kriminalstatistik gemeldet, 2011 gab es 1204 Hundeattacken, 2007 waren es noch 1003.

Reinhold Gall, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, sieht Grün-Schwarz in der Pflicht. "Die Regierung hat überhaupt keinen Überblick darüber, wie die Situation bei Hunden und Hundebesitzern vor Ort aussieht", sagt Gall, der die Anfrage gestellt hat. Dass es im Land jeden Tag zwischen drei und vier Hundeattacken gebe, sei inakzeptabel.

Gall kritisiert auch die in der Anfrage dargelegte Erklärung von Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU), es würden keine konkreten Zahlen darüber vorliegen, bei wie vielen Hunden der sogenannte Wesenstest durchgeführt worden sei. Bei diesem werden die Tiere in den Kommunen darauf untersucht, ob sie zu einem gesteigerten aggressiven Verhalten neigen. "Ich erwarte, dass solche Wesenstests konsequent durchgeführt werden", so Gall. Angesichts der zuletzt angestiegenen Zahl an Hundeattacken müssten jetzt die bestehenden Möglichkeiten zur Überprüfung konsequent angewandt werden. Das Gleiche gelte auch bei der Bestrafung der Besitzer. "Zudem gehe ich davon aus, dass bei den Hundeattacken die Dunkelziffer deutlich höher ist, weil viele Vorfälle gar nicht angezeigt werden."

Die Landestierschutzbeauftragte Julia Stubenbord drängt ebenfalls auf ein härteres Vorgehen – aber gegen Hundebesitzer. "Ich fordere, dass künftig jeder, der sich einen Hund anschaffen will, zunächst einen Sachkundenachweis vorlegen muss", erklärt sie. Einen Nachweis darüber, dass jemand in der Lage sei, einen Hund ordnungsgemäß zu halten, gebe es bislang leider nicht. "Viele bestellen sich Hunde einfach im Internet, obwohl sie als Halter überhaupt nicht geeignet sind." Deutschlandweit gehe man von acht Millionen Hunden aus. "Meistens verursachen normale Familienhunde wie Dackel und Schäferhunde Verletzungen bei Menschen", sagt Stubenbord. Dies zeige auch der Fall in Stetten am kalten Markt vor wenigen Wochen. Dort wurde eine 72-jährige Frau von einem Hund der Rasse Kangal so stark verletzt, dass sie an den Folgen der Bisswunden verstarb.

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