Villingen-Schwenningen Gezerre um Hochschul-Standort in Villingen-Schwenningen

Wie geht es mit der Hochschule der Polizei in Villingen-Schwenningen weiter? Angesichts seiner geplanten massiven Einstellungs-Offensive für den Polizeidienst muss das Land seine Ausbildungskapazitäten schnell und massiv ausweiten.

Wo sollen die zusätzlichen Kapazitäten geschaffen werden? Hier hat das Hauen und Stechen bereits eingesetzt. Für Aufsehen sorgte diese Woche Oberbürgermeister Rupert Kubon (SPD), der dem Stuttgarter Innenministerium in einer geharnischen Stellungnahme vorwarf, „gegen jedwede fachliche und finanzpolitische Vernunft“ im 250 Kilometer entfernten Wertheim eine Außenstelle der Polizeihochschule eröffnen zu wollen.

Das Dementi folgte anderntags auf dem Fuß. Das Innenministerium teilte mit, eine Entscheidung sei noch keinesfalls gefallen, derzeit würden alle Fakten geprüft. Allerdings ist die Skepsis in Villingen-Schwenningen nicht nur beim Oberbürgermeister groß, was von derartigen Aussagen zu halten ist. Bereits beim Rennen um den Sitz des regionalen Polizeipräsidiums sowie um die künftige neue Haftanstalt des Landes ging das Oberzentrum leer aus. Das Misstrauen gegen die Stuttgarter Ministerien sitzt inzwischen tief, sowohl beim sozialdemokratischen Oberbürgermeister als auch beim christdemokratischen Landrat Sven Hinterseh. Nicht von ungefähr geißelte Kubon die befürchtete Kapazitätsauslagerung nach Wertheim als „krasse Missachtung des Oberzentrums“ und als „massive Brüskierung aller politischen Verantwortungsträger in der Region.“

Ausgelöst wurde die Nervosität im Villinger Rathaus offenkundig durch die seit Montag vorliegende Liegenschaftsbewertung der Polizeihochschule durch die Hochbauverwaltung des Landes. Die Bauexperten äußern darin die Meinung, dass der Campus Schwenningen von derzeit 1000 Studienplätze auf künftig 1300 ausgeweitet werden könnte, aber nicht auf die bis 2020/21 benötigten Studien- und Wohnplätze für 1700 Studierende. In der Polizeihochschule und bei der Stadt wird nun befürchtet, dass die 400 zusätzlichen Studienplätze nach Wertheim verlagert werden. Denn dort gibt es eine 2015 geschlossene Polizeiakademie, die reaktiviert werden könnte.

Seitens des Innenministeriums wird darauf verwiesen, dass die Hochschule am Standort Villingen-Schwenningen definitiv ausgebaut werde. Sollten die benötigten Kapazitäten nicht vollständig vor Ort geschaffen werden können, müsse über eine vorübergehende „Interimslösung“ an einem anderen Standort nachgedacht werden. Dagegen setzen sich Kubon und die Abgeordneten aller Parteien im Schwarzwald-Baar-Kreis zur Wehr. Eine befristete Zwischenlösung, sollte sie nicht auf dem Campus Schwenningen möglich sein, müsse zumindest in der Stadt Villingen-Schwenningen umgesetzt werden, fordern sie. Alles andere sei finanziell und organisatorisch unsinnig. Kubon drohte sogar mit der Anrufung des Landesrechnungshofes.

Das sieht Wolfgang Reinhart, der Chef der CDU-Landtagsfraktion, völlig anders. Auf SÜDKURIER-Anfrage stellte er fest, es sei nur folgerichtig, „dass wir eine nutzungsbereite Polizeiakademie nicht brachliegen lassen.“ Die in den 90er-Jahren gebaute und 2015 geschlossene Akademie der Polizei in Wertheim, so Reinhart, sollte daher wieder polizeifachlich genutzt werden. „Das hat Innenminister Strobl der Stadt und mir als zuständigem Wahlkreis-Abgeordneten schon vor geraumer Zeit mitgeteilt. Das ist eine vernünftige Entscheidung.“ Ob in Wertheim aber eine Außenstelle oder doch eine andere Ausbildung der Polizei installiert werden soll, sagt auch Reinhart nicht. An seinen Ambitionen, Studienplätze aus Villingen-Schwenningen an Land zu ziehen, dürfte aber kaum zu zweifeln sein.

Aus der stärksten Fraktion im Landtag aber, den Grünen, kommt ein anderes Signal. Martina Braun, Grünen-Abgeordnete aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis, stellt fest: „Die Hochschulausbildung der Polizei an einem Standort im Land zu bündeln, ist ein zentrales Anliegen der grünen Landtagsfraktion.“ Wie es weitergeht, wird man wohl nach dem 24. November erfahren. Dann will das Innenministerium die Vertreter des Schwarzwald-Baar-Kreises über die Standort-Sondierungen informieren.

 

Die Hochschule

Die Hoch­schule für Po­lizei Baden-Württemberg hat ihren Sitz in Villingen-Schwenningen. Sie bildet die Po­li­zei­be­amten des Landes für den ge­ho­benen Po­li­zei­voll­zugs­dienst aus (Kommissare). Sie hat eine Ka­pa­zität von rund 1000 Stu­di­en­plätzen und be­schäf­tigt 58 haupt­amt­liche Do­zenten und 74 Ver­wal­tungs­mit­ar­beiter. Das Stu­dium dauert drei Jahre. Mit dem er­folg­rei­chen Abschluss erwerben die Studenten den akademischen Titel "Ba­chelor of Arts (B.A.) – Po­li­zei­voll­zugs­dienst/Po­lice Ser­vice". (est)

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