Sigmaringen Flüchtlingsunterbringung: 1500 Zuhörer bei Diskussionen in Sigmaringer Stadthalle

Aktuell sind 3300 Flüchtlinge in der 16.500-Einwohner Gemeinde untergebracht. Die Bürger fordern die Landesregierung auf, nicht noch mehr Flüchtlinge in der Kreisstadt unterzubringen.

Die Sigmaringer Stadthalle platzte aus allen Nähten: 1500 Menschen verfolgten am Donnerstagabend im Innenraum und draußen im Foyer vor Bildschirmen die angespannte Diskussion, nachdem bekannt wurde, dass das Land weitere 1000 Flüchtlinge in die Graf-Stauffenberg-Kaserne in Zelthallen unterbringen möchte.

In der 16.500-Einwohner-Gemeinde sind aktuell rund 3300 Flüchtlinge untergekommen, alleine in der Erstaufnahmestelle Graf-Stauffenberg-Kaserne sind es 2300. Im Volk rührt sich großer Widerstand gegen die Pläne von Stuttgart. Bürgermeister Thomas Schärer eröffnete den Abend und forderte mit Blick auf Ministerialdirektor Wolf-Dietrich Hammann, der vom Integrationsministerium geschickt wurde. „Wir kennen ihre Taktik inzwischen“, sagte das Stadtoberhaupt. „Scheibchenweise vermitteln Sie die wahren Absichten. Informieren Sie uns über das Entwicklungspläne, geben Sie uns Antworten.“ Großen Applaus erntete er für seine Worte.

Wolf-Dietrich Hammann bat die Zuschauer um Verständnis, dass die Landesregierung bei der Verteilung der großen Anzahl von Flüchtlingen Probleme hätte. „7000 bis 12000 pro Woche kommen nach Baden-Württemberg“, sagte er. „Wir schaffen es 3000 bis 4000 in Städte und Kommunen zu verteilen, daher brauchen wir Erstaufnahmestellen wie Sigmaringen.“
Die Sigmaringer Stadthalle platzte aus allen Nähten: 1500 Menschen verfolgten am Donnerstagabend im Innenraum und im Foyer an Bildschirmen die Diskussion.
Die Sigmaringer Stadthalle platzte aus allen Nähten: 1500 Menschen verfolgten am Donnerstagabend im Innenraum und im Foyer an Bildschirmen die Diskussion. | Bild: Schuler

Auch wenn die Entscheidung noch nicht gefallen sei, sprächen Bedingungen wie Strom, Wasser, Abwasser, Logistik und Personal für Sigmaringen. Landrätin Stefanie Bürkle erwiderte: „Wir sind massiv gegen diese Zelt-Lösung parallel zur festen Nutzung der Kaserne. Wir wissen aus Meßstetten und Ellwangen: Wenn viele Menschen an einem Standort sind, sorgen unterschiedliche Standards für großes Aggressionspotenzial. Und bei minus 20 Grad gäbe es, wenn viele Menschen auf einem Haufen zusammen leben, ein hohes Risiko ansteckender Krankheiten.“

Bei der Zuschauerdiskussion prangerten einige Sigmaringer die Verrohung der Sitten in der Stadt durch die vielen Flüchtlinge an, sie sprachen von zahlreichen Ladendiebstählen, herumlungernden Jugendlichen oder Schlägereien. „Ich kann Sie nur bitten: Beteiligen Sie sich nicht an der Gerüchteküche“, erwiderte Sicherheitsberater Karlheinz Keller, der für die Erstaufnahmestellen und Sigmaringen zuständig ist. Er bezog sich auf die Statistiken, die keinen relevanten Anstieg von Vergehen seit der Ankunft der ersten Flüchtlinge ausweisen. 

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