Ravensburg Duale Hochschulen: Warum Studienabbrechern künftig hohe Kosten drohen können

Wenn duale Studenten künftig ihr Studium abbrechen oder nach Ende des Studiums nicht im Betrieb bleiben, drohen ihnen hohe Kosten. Denn die Betriebe dürfen bald freiwillige Leistungen wie Fahrtkostenzuschüsse zurückverlangen - zum Unmut der Studentenvertretung.

Studieren und gleichzeitig Geld verdienen: Das ist an einer Dualen Hochschule möglich, die es zum Beispiel in Ravensburg, Friedrichshafen, Lörrach und Villingen-Schwenningen gibt. 33000 Studierende schreiben sich jährlich an einem der neun Standorte der Dualen Hochschule Baden-Württemberg ein und machen parallel zum Studium eine Ausbildung in einem Beruf der Industrie- und Handelskammer.

Etwa 9000 Unternehmen und soziale Einrichtungen werben auf diesem Weg um kluge Köpfe. Als Praxisbetrieb bieten sie dieses Duale Studium an, dafür zahlen sie ihren Studierenden für die Lehre im Betrieb ein Ausbildungsgehalt.

Darüber hinaus gewähren viele Betriebe den Studierenden Zuschüsse – von Büchergeld über einen Miet- oder Fahrkostenzuschuss bis zur Übernahme des Verwaltungskostenbeitrags, den Hochschulen verlangen. Und genau diese freiwilligen Leistungen darf ein Unternehmen ab 2018 zurückfordern, wenn der Student das Studium abbricht oder nach Abschluss der Ausbildung keinen Arbeitsvertrag mit seinem Ausbildungsbetrieb abschließen will.

Rückzahlungsklausel durch Änderung


Nach Angaben der DHBW haben rund 80 Prozent der Studenten direkt im Anschluss einen Arbeitsvertrag; 66 Prozent bleiben bei ihrem Ausbilder. Möglich macht das eine Änderung des Studien- und Ausbildungsvertrags, den der Aufsichtsrat der Dualen Hochschule Baden-Württemberg verabschiedet hat. Dieser Vertrag ist für alle DHBW-Studenten einheitlich, wobei die Höhe von Urlaubsanspruch und Vergütung mit dem Betrieb vereinbart werden. Bisher gab es in diesem Vertrag keine Rückzahlungsklausel.

Zum Studienbeginn 2018 dürfen „zusätzlich gewährte Leistungen, die im Rahmen einer Nebenabrede individuell vereinbart werden“, vom Studenten zurückgefordert werden, wenn es beide Seiten so vereinbaren. Da können im Einzelfall stattliche Beträge im vierstelligen Bereich zusammen kommen. Gegen diese neue Rückzahlungsklausel wendet sich die DHBW-Studentenvertretung in einem offenen Brief.
Mit der neuen Regelung ändert sich für die Unternehmen mit dualen Studenten einiges.
Mit der neuen Regelung ändert sich für die Unternehmen mit dualen Studenten einiges. | Bild: Fabiane Wieland

Die Rede ist von einer nicht tragbaren Änderung des Studienvertrags, „die einen substanziellen Rückschritt der Attraktivität eines Dualen Studiums“ darstellt. Denn durch die Legalisierung von Nebenabreden könnten Studierende zukünftig regulär dazu verpflichtet werden, Zusatzleistungen ihrem Arbeitgeber zu erstatten.
Hauptargument der Dualen Partner sei, heißt es in dem Brief, mit dieser Klausel Studierende, in die man ja drei Jahre investiert habe, nach dem Studium an das Unternehmen zu binden.

Asta fordert bessere Betreuung


Für den AStA-Vorsitzenden Felix Vatter lassen sich aber weder Identifikation mit dem Unternehmen noch Engagement einkaufen. „Ein mit einer solchen Rückzahlungsklausel erzwungenes Arbeitsverhältnis stellt für keinen Beteiligten einen Mehrwert dar.“ Nach Darstellung des AStA wäre es viel sinnvoller, die Studierenden in der Praxisphase so gut zu betreuen, dass sie nach Abschluss der Ausbildung gern und freiwillig im Unternehmen bleiben.

Auf Nachfrage erklärt die Pressestelle der DHBW in Stuttgart, dass der Studienvertrag „auf Wunsch der Dualen Partner der DHBW inhaltlich weiterentwickelt“ wurde. Ziel war offenbar, diese Rückzahlungsklausel zu legalisieren. Nach wie vor dürfen Betriebe das Ausbildungsgehalt, das sie Studierenden zahlen, in der Regel nicht zurückfordern. Rückzahlungsklauseln für darüber hinaus gehende Leistungen hingegen kamen – obwohl sie nicht zugelassen waren – trotzdem zur Anwendung.

Die dualen Studenten werden nicht nur an der Hochschule sondern gleichzeitig auch im Betrieb ausgebildet.
Die dualen Studenten werden nicht nur an der Hochschule sondern gleichzeitig auch im Betrieb ausgebildet. | Bild: DHBW Ravensburg

Laut Umfrage von Asta und IG Metall gaben 64 Studierende an, eine solche Klausel als Nebenabrede unterschrieben zu haben. 806 Studierende hatten eine solche nicht in ihrem Vertrag. Der offene Brief der Studentenvertretung habe zunächst einmal die weitere Diskussion an der Hochschule in Gang gesetzt. „Zudem bekommen wir Rückmeldungen von Studierenden zu bereits bestehenden Rückzahlungsklauseln“, so Felix Vatter. Er hofft, dass der Beschluss des Aufsichtsrates, den Studienvertrag zu ändern, noch einmal auf den Tisch kommt. „Dies darf nun auf keinen Fall legitimiert werden.“

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