Baden-Württemberg Die Standortfrage bleibt vorerst offen

Nagra bezieht Stellung zu Schweizer Atommülllager. Drei bis fünf Regionen kommen infrage. Gutachten zur Umweltverträglichkeit am Ende.

Für ein Schweizer Atommüllendlager bleiben auch nach zwei Jahren regionaler Beteiligung an der Standortsuche in den Regionalkonferenzen noch nahezu alle Optionen offen. Nachdem in fünf der insgesamt sechs möglichen Regionen über Standorte für die Zugänge zu einem unterirdischen Endlager entschieden ist und die sechste, das Zürcher Weinland um Benken (Zürich Nordost) am kommenden Samstag seine Entscheidung bekanntgeben will, will die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) Ende des Jahres drei bis fünf dieser Standorte der Schweizer Bundesregierung zur Auswahl vorlegen.

„Drei bis fünf Standorte werden wir bis Ende des Jahres vorschlagen. Das zeichnet sich ab“, erklärte Thomas Ernst, Vorsitzender der Nagra-Geschäftsführung gestern beim ersten Medien-Jahresgespräch der Nagra im aargauischen Baden. Diese Vorschläge werden anschließend behördlich überprüft und es folgt eine öffentliche Anhörung an deren Ende, voraussichtlich 2016 oder 2017, die Schweizer Regierung entscheidet, welche dieser Standorte im weiteren Auswahlverfahren bleiben und eingehend untersucht werden sollen. Die Zeit bis 2016 oder 2017 wolle die Nagra dazu nutzen, die vorgeschlagenen Standorte schon im Voraus vertieft zu untersuchen, auch auf die Gefahr hin, ein später nicht in die engere Auswahl genommenes Gebiet beleuchtet zu haben.

Der ursprüngliche Zeitplan, 2020 die Rahmengenehmigung für ein Endlager zu erhalten und 2030 den Betrieb eines Endlagers für schwach- und mittelaktive sowie ab 2040 den Betrieb eines Endlagers für hochradioaktive Abfälle aufnehmen zu können, hält Ernst für nicht einhaltbar. Das Prozedere sei schon hinter diesem Zeitplan und werde wohl noch weiter zurückfallen. Einen auch nur ungefähren Termin wollte Ernst in Baden nicht nennen. „Dazu könnte ich frühestens in einigen Monaten etwas sagen“, so der Nagra-Chef.

Damit bleibt auch der Zeitpunkt offen, wann die Nagra eine Umweltverträglichkeitsprüfung für den Endlagerbau vorlegt, die auch das Gebiet der deutschen Nachbarregion mit einschließt. Eine solche grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung und die Beteiligung des Nachbarstaates sind nach dem international geltenden Espoo-Übereinkommen zwingend vorgeschrieben, bei Vorhaben, die erhebliche grenzüberschreitende Auswirkungen haben können.

Im Falle der Schweizer Atomendlagersuche betrifft das die möglichen Standorte am Hochrhein am Südranden bei Jestetten, dem Zürcher Weinland um Benken in der Nachbarschaft von Jestetten und Lottstetten, die potenziellen Eingangsstandorte in Weiach und Stadel gegenüber Hohentengen sowie den möglichen Standort für Oberflächenanlage und Zugang in Villigen südlich von Waldshut-Tiengen.

Diese grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung würde erst kommen, wenn in der nächsten Etappe der Standortsuche, nach Ende der ab 2017 anlaufenden vertieften Untersuchung von der Schweizer Regierung die endgültige Entscheidung getroffen ist, wo das Endlager (für alle Abfallarten) oder die Endlager (je eines für hoch- und eines für schwach- und mittelaktive Abfälle) gebaut werden soll, so am Donnerstag Andreas Gautschi, der sich bei der Nagra mit der Einengung der geologischen Standortgebiete befasst.

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