Neckarwestheim Atommüll-Transport am Zwischenlager in Neckarwestheim angekommen

Nach rund 13 Stunden Fahrt ist der umstrittene Atommüll-Transport auf dem Neckar am Mittwochabend am Zwischenlager in Neckarwestheim angekommen.

Begleitet von Protesten ist erstmals in Deutschland hoch radioaktiver Atommüll auf einem Fluss transportiert worden. Aktivisten verzögerten die umstrittene Fahrt des Spezialschiffs vom stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis), als sie sich trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen von einer Neckar-Brücke abseilten. Weitere größere Zwischenfälle blieben auf der rund 13 Stunden langen Fahrt aber aus. Am Abend erreichte das Schiff mit drei Castor-Behältern mit ausgedienten Brennelementen das Zwischenlager in Neckarwestheim.

Trotz scharfer Kritik von Umweltschützern hält der Energieversorger EnBW die Beförderung für eine sichere Lösung. Das Unternehmen argumentiert, dass der Transport des Atommülls nach Neckarwestheim den Bau eines Zwischenlagers in Obrigheim überflüssig mache. Das Unternehmen plant mittelfristig vier weitere Transporte mit je drei Castoren. Damit sollen insgesamt 342 ausgediente Brennelemente in das etwa 50 Kilometer entfernte Zwischenlager gebracht werden.

Rechtliche Schritte angekündigt


Die Gemeinde Neckarwestheim kündigte am Abend rechtliche Schritte gegen weitere Transporte an. „Wir werden nächste Woche Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegen“, sagte Bürgermeister Jochen Winkler (parteilos) der Deutschen Presse-Agentur. Auch den ersten Transport hatte die Kommune verhindern wollen, war aber vor Gericht gescheitert.

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) verteidigte den Transport. „Es spricht alles dafür, radioaktive Abfälle von drei auf zwei Standorte zu konzentrieren“, sagte er an der Schleuse Kochendorf in Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn).

Untersteller bezeichnete sich selbst als Kernkraftgegner. „Irgendwo ist es eine Schizophrenie der Geschichte, dass ich heute den Müll mit wegräumen kann, den andere uns hinterlassen haben“, meinte er. Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation „ausgestrahlt“ kritisierte den Transport als „Verantwortungslosigkeit sondergleichen“.

Atomkraftgegner kämpfen für ihre Sache


In Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) stoppten Atomkraftgegner den Castor-Transport auf dem Neckar vorübergehend. Vier Aktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood seilten sich von einer Brücke ab. Spezialkräfte der Polizei, die in Bergrettungslehrgängen geschult sind, beendeten den Protest nach einer Stunde. Die Polizei bewachte das Schiff mit Booten, einem Hubschrauber und Einsatzkräften am Ufer.

Eine Verzögerung sei nicht wegzudiskutieren, räumte ein Polizeisprecher ein. Er sprach von einer Straftat. „Die Demonstranten erwartet eine Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Verkehr sowie wegen Nötigung“, sagte er. Die Organisatoren des Transports würden möglicherweise zudem eine Erstattung der Kosten fordern.

Auch in Heilbronn protestierten Atomkraftgegner gegen den Transport. Redner warfen bei der Kundgebung insbesondere Umweltminister Untersteller Versagen vor. „Er spricht immer von größtmöglicher Sicherheit - aber in Wahrheit ist es nur die geringste Sicherheit, die das Gesetz vorgibt“, sagte einer der Redner. Viele der mehrere Dutzend Teilnehmer trugen Transparente mit Sprüchen wie „Castor verschifft: Bevölkerung verladen“ oder „Atomkraft? Nein danke“.

Das Umweltministerium in Stuttgart teilte mit, Strahlenmessungen an der Strecke des Transports deuteten auf einen „einwandfreien“ Ablauf hin. „Gleiches gilt für das Schiff selbst“, hieß es per Twitter.

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