Wehr Ärger von allen Seiten: Kampf um Windpark-Projekt Hasel in Wehr

Am Hochrhein entsteht der Windpark Hasel. Doch die Gemeinden sorgen für kräftigen Gegenwind. Mit Video vom Schwertransport.

Ein Windrad fährt durch die Stadt. Der spektakuläre Schwertransport des Energiekonzerns EnBW führte in der Nacht zum Freitag mitten durch das Stadtzentrum von Wehr (Kreis Waldshut). Geladen war ein Windrad, genauer gesagt drei 60 Meter lange Rotorblätter, die sich schon in wenigen Wochen auf dem Glaserkopf bei Hasel drehen sollen. Drei Windräder, jedes mit einer Nabenhöhe von 149 Metern und einem Durchmesser von 126 Metern, installiert EnBW in der schwierigen Topografie des Südschwarzwaldes auf der Grenze der Landkreise Waldshut und Lörrach.

Befürworter der Windkraft sehen darin einen wichtigen Beitrag zur Energiewende in Deutschland, damit Strom aus der Region fließt. Gegner kritisieren eine Verschandelung der Landschaft. Sie leben auf beiden Seiten der Kreisgrenze: in Schopfheim-Gersbach, wo es bereits einen Windpark gibt und man sich nun von Windrädern umzingelt fühlt. Und in Wehr, das von Schwertransporten betroffen ist, obwohl der Weg durch die Innenstadt einen weiten Umweg bedeutet.

Video vom Schwertransport

Die Entstehung des Windparks Hasel ist nicht frei von kurioser Begleitmusik. Ganze vier Mal beriet der Wehrer Gemeinderat innerhalb von zwei Jahren über die Pläne, bis endlich ein Kompromiss gefunden wurde: Die langen Schwertransporte sollten auf zwei verschiedenen Routen durch Wehr geführt werden, die rund 1000 Baustofftransporte hingegen auf der anderen Seite des Glaserkopfs – über die Gemarkung der Stadt Schopfheim. Dort zeigte man sich aber ebenso wenig begeistert von den Plänen: Schopfheim untersagte der EnBW die Nutzung von 170 Metern Gemeindestraße – kurz bevor die ersten Transporte rollen sollten.

Pikant: Nur wenige Kilometer nördlich des Glaserkopfs vom EnBW-Windpark hat ein Konkurrent, die „Stromrebellen“ der Elektritätswerke Schönau, erst im Juli einen eigenen Windpark errichtet – und dies mit Unterstützung der Stadt Schopfheim. „Dass uns eine Kommune solche Hindernisse in den Weg legt, habe ich noch nicht erlebt“, sieht EnBW-Pressesprecher Ulrich Stark in Schopfheim den Hauptschuldigen für die Verzögerungen. Auch Regressforderungen gegen die Stadt schließt das Unternehmen nicht aus.

EnBW steht bei dem Haseler Windpark-Projekt unter einem enormen Zeitdruck. Bis Ende September – also in gerade einmal zwei Wochen – sollen die drei Windräder schon am Netz sein und Strom produzieren. Bis dahin garantiert das EEG-Gesetz die einkalkulierte Einspeisevergütung. Für jedes Windrad, das erst nach dieser Frist ans Netz geht, sinken die Erträge deutlich. „Da geht es um einen mittleren sechsstelligen Betrag“, erklärt EnBW-Sprecher Ulrich Stark. Wenn er um eine Prognose gebeten wird, bemüht er gern sportliche Metaphern: „Es ist wie beim Fußball. Wenn man zwei Minuten vor Schluss 0:2 hinten liegt, kann man immer noch den Ausgleich schaffen. Wir kämpfen bis zur letzten Minute“, so Stark zweckoptimistisch. Wohlwissend, dass im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) weder Verlängerung noch Nachspielzeit vorgesehen sind.

Das Projekt stand von Beginn an unter keinem guten Stern: Waren anfangs fünf Windkraftanlagen geplant, werden nun nur drei Windräder realisiert. Eines legte EnBW selbst auf Eis, ein zweites stoppte das Verwaltungsgericht Freiburg. Das Gericht gab einem Anwohner recht, der geklagt hatte, weil es eine „bedrängende Wirkung“ auf die Bewohner seines 400 Meter entfernten Anwesens habe.

Ärger droht den Windparkbetreibern aber auch vonseiten der Naturschützer: Ein regionaler Verein sieht erhebliche Mängel in den Gutachten, die im November 2016 zur Baugenehmigung durch das Landratsamt Lörrach geführt haben. Ein vom Verein in Auftrag gegebenes Gutachten sehe ein deutlich höheres Rotmilan-Vorkommen als die Untersuchung der EnBW-Experten, so die Gegner. Selbst das Landratsamt hält die neuen Ergebnisse für plausibel und schließt derzeit eine nachträgliche „betriebseinschränkende Verfügung“ nicht aus. Entschieden werde darüber aber erst im Oktober. Bis dahin rollen noch sechs weitere nächtliche Schwertransporte durch die Wehrer Innenstadt.

Windpark Hasel

Das Projekt der EnBW wurde von ursprünglich fünf auf drei Windräder zurückgefahren. Die Anlagen sind vom Typ Vestas V 126 mit einer Leistung von jeweils 3,3 MW pro Windkraftanlage. Das entspricht einer Gesamtleistung von 9,9 MW. Pro Anlage und Jahr sollen 7000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Nach Angaben von Erhard Schulz vom Regionalverband BWE werden durch heimische Windenergieanlagen 3 Eurocent pro Kilowattstunde eingespart, die sonst auf den geplanten Stromtrassen aus dem Norden auf der Strecke blieben. Der benachbarte Windpark Rohrenmkopf in Schopfheim besteht aus 5 Anlagen. Er gilt derzeit mit 1150 Metern über Meer als Deutschlands höchster Windpark.

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