Wer träumt nicht davon: früher in Rente. So auch Peter Freigang in St. Georgen. Der 62-Jährige wohnt gemeinsam mit seiner vier Jahre jüngeren Frau in einem Mehrfamilienhaus am Ortsrand der idyllischen Stadt. Aus der hellen, geschmackvoll eingerichteten Mietwohnung im dritten Stock blickt Peter Freigang über Dächer auf die Höhen des Schwarzwaldes. Beruflich ist er auf der Zielgeraden, am Ende der sogenannten passiven Phase der Altersteilzeit. Freigang profitiert von der neueren Rentengesetzgebung, die einen vorzeitigen Ruhestand nach 45 Berufsjahren ermöglicht.

Ein weiterer Glücksfall für den gelernten Maschinenschlosser: Sein Arbeitgeber bot älteren Mitarbeitern eine sechsjährige Altersteilzeit an. Das heißt: Jeweils drei Jahre ist er in der aktiven und passiven Zeit, danach wechselt er in die Frührente. Drei Jahre hat er schon mit einem auf 80 Prozent reduzierten Gehalt gearbeitet, in den sich anschließenden drei Jahren wird er ebenfalls mit einem 80-Prozent-Gehalt freigestellt. Mitte 2018 ist Freigang dann Rentner. Und darauf freut er sich schon seit vielen Jahren.

Sie haben beide für ihre Rente hart gearbeitet: <b>Egon Pfeifer</b> aus Inzigkofen (rechts) hielt seinem Arbeitgeber über Jahrzehnte die Treue. Der begeisterte Oldtimer-Freund lässt sich die Freude an seinem Hobby nicht nehmen, auch wenn die Rente wegen seines vorzeitigen Ruhestands schmaler ausfällt als erhofft. Links: Entspannt sitzt <b>Peter Freigang</b> in der Mietwohnung in St. Georgen auf dem Sofa und blickt der Rente entgegen. Der St. Georgener hatte mit seiner Altersteilzeit Glück gehabt.
Sie haben beide für ihre Rente hart gearbeitet: Egon Pfeifer aus Inzigkofen (rechts) hielt seinem Arbeitgeber über Jahrzehnte die Treue. Der begeisterte Oldtimer-Freund lässt sich die Freude an seinem Hobby nicht nehmen, auch wenn die Rente wegen seines vorzeitigen Ruhestands schmaler ausfällt als erhofft. Links: Entspannt sitzt Peter Freigang in der Mietwohnung in St. Georgen auf dem Sofa und blickt der Rente entgegen. Der St. Georgener hatte mit seiner Altersteilzeit Glück gehabt. | Bild: Sabine Tesche

Er kann heute von sich sagen, dass er alles richtig gemacht hat und somit in gewisser Weise finanziell sanft in den Ruhestand gleiten wird. Hatte er in seiner aktiven Zeit noch gut 2000 Euro nach Hause gebracht, so seien es jetzt in der Altersteilzeit noch gut 1800 Euro. Urlaubs- und Weihnachtsgeld zahle sein Arbeitgeber, ein Auto-Zulieferer mit heute gut 200 Mitarbeitern, schon seit Jahren nicht mehr, sagt Freigang. Wenn er 2018 früher in Rente geht, kommt der Schwarzwälder auf gut 1600 Euro im Monat, abzüglich der Sozialabgaben wären dies rund 1400 Euro, nicht eingerechnet ist dabei auch der Verdienst seiner Ehefrau, die ebenfalls noch in der Firma arbeitet.

Fällig werde außerdem noch eine kleine Lebensversicherung, die in ein neues Auto fließen soll. Zu den monatlichen Aufwendungen des Paares gehört die Mietwohnung (87 Quadratmeter) mit 617 Euro.

Peter Freigang ist zufrieden. Er könne auch mal kleinere Brötchen backen, sagt er freundlich lachend. Die Schichtarbeit an der Maschine machte ihm den Entschluss leicht. Das viele Stehen habe ihm schließlich Schmerzen bereitet, und mit über 50 sei niemand mehr so fit wie ein Junger. Aber das gehört zu den Binsenweisheiten des Arbeitslebens. Von Kollegen hörte er damals von der Altersteilzeit, da war Peter Freigang 56. Das Gewerkschaftsmitglied fragte bei der IG Metall nach, dann bei der Personalabteilung. Doch das Kontingent, das sich die Firma für die Vorruheständler gesetzt hatte, sei bereits ausgeschöpft. So konnte er erst mit 58 Jahren in die aktive Phase starten. Eigentlich gehe er zufrieden in jeden neuen Tag, sagt Peter Freigang, der seine neu gewonnene Freiheit gern im Fußball- und Radfahrverein verbringt. Wenn er sich aufs Fahrrad setzt, ist er besonders glücklich. Sein großer Wunsch ist eine Gruppen-Tour an den Gardasee. Dafür trainiert er auch schon fleißig. Das könnte tatsächlich Wirklichkeit werden.

 

Das sollten Sie bei der Frührente beachten:

  • Früher Renteneintritt erwünscht
    Obwohl sie immer älter werden, gehen die Deutschen im Schnitt früher in Rente. Das Eintrittsalter sank von 64,1 Jahren im Jahr 2014 auf 64,0 Jahre 2015, wie Daten der Deutschen Rentenversicherung besagen. Derweil lag laut das durchschnittliche Sterbealter für Männer in Deutschland im Jahr 2015 bei 75,6 Jahren und für Frauen bei 82,2 Jahren.
  • Die Rente genießen – immer länger 
    Da die Lebenserwartung immer weiter steigt, können Rentner statistisch betrachtet ihren Ruhestand immer länger genießen. So lag laut dem Statistischen Bundesamt das durchschnittliche Sterbealter für Männer in Deutschland im Jahr 2015 bei 75,6 Jahren und für Frauen bei 82,2 Jahren.
  • Auch im Alter noch genug haben
    Wer im Ruhestand zwischen 60 und 80 Prozent seines letzten Einkommens hat, dürfte gut geplant haben. Die Ausgaben im Alter gehen zunächst einmal zurück. So sind die Kinder aus dem Haus, Wohnung oder Haus sind abbezahlt, ein zweites Auto wird nicht mehr gebraucht.Doch ein Standardrentner, der nach 45 Beitragsjahren ohne Abschläge in den Ruhestand geht, erhält derzeit nur noch 47,9 Prozent. Bis 2020 werden 46 Prozent garantiert, bis 2030 noch 43 Prozent.
  • Keine Illusionen bei der Rentenhöhe
    Wer in Rente geht, muss mit Abstrichen gegenüber seinem Durchschnittsverdienst rechnen. So erhält ein Standardrentner, der nach 45 Beitragsjahren ohne Abschläge in den Ruhestand geht, derzeit nur noch 47,9 Prozent. Bis 2020 werden 46 Prozent garantiert, bis 2030 noch 43 Prozent.
  • Der Ratgeber zur Serie
    Bild: Südkurier
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Erheblicher Einschnitt

Ortswechsel: Inzigkofen, 13 Kilometer von Meßkirch (Kreis Sigmaringen) entfernt. Hier lebt Egon Pfeifer. Das Leben hat den 67-Jährigen bescheiden gemacht. „Mein Vater sagte immer: Leut’ sorgt für Euer Alter“, erinnert sich der Rentner. Das habe ihn früher natürlich nicht interessiert. Doch dem Vater, einem Landwirt, gibt Pfeifer inzwischen Recht. „Was ich mir damals erhofft hatte an Geld im Alter, ist nicht eingetroffen“, sagt er und lehnt sich zurück in der Vereinsstube des Oldtimermuseums im Meßkircher Schloss, das der Vorsitzende der Oldtimerfreunde seit 17 Jahren leitet. Ursache für den Rentenschwund im Geldbeutel ist seine Frührente.

Wie Pfeifer, so sind nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung 2011 knapp die Hälfte aller dafür infrage kommenden früher in Rente gegangen. Sie nahmen teilweise erhebliche Einbußen in Kauf. Der Meßkircher muss heute mit der Hälfte dessen auskommen, was er zu seiner aktiven Zeit bekam. So hatte er in seiner Berufszeit einen auskömmlichen Job, mit dem er Haupternährer seiner Familie sein konnte. Als Vertriebschef eines oberschwäbischen Verlages konnte Pfeifer mit seiner Frau drei Kinder großziehen, die alle einen Hochschulabschluss machten. Darauf ist er stolz. Seit er 14 ist, hat der Inzigkofener gerackert, allein 45 Jahre bis zur Rente. „Mir fehlt kein Tag, ich hab immer geschafft,“ sagt der gelernte Fahrzeugmacher, der bei der Firma Eisele in Laiz begann und bei der Bundeswehr den Lastwagenführerschein machte.

 

6 Tipps zum vorzeitigen Ruhestand:

  • 1. Von welchem Alter an darf ich früher in Rente gehen?
    Grundsätzlich gilt die Regelaltersgrenze, die seit 2012 stufenweise ansteigt. Zurzeit liegt sie zwischen 65 Jahren und fünf Monaten und 67 Jahren. Strebt jemand eine vorzeitige Rente ohne Abschläge an, muss er 45 Versicherungsjahre vorweisen.
  • 2. Kann ich trotzdem früher in Rente gehen?
    Kommt drauf an. Generell gilt bei der vorzeitigen Rente: Wer eine Mindestversicherungszeit von 35 Jahren erfüllt, kann im Alter von 63 Jahren in den Ruhestand gehen. Dann muss man mit Abschlägen rechnen. Deren Höhe ist abhängig vom Geburtsjahrgang. „Den Geburtsjahrgang 1952 kostet die Rente mit 63 einen Abschlag von 9 Prozent, der Geburtsjahrgang 1963 hat einen Abschlag von 13,8 Prozent“, erklärt Theo Pischke von der Stiftung Warentest in Berlin.
  • 3. Welche Einbußen habe ich, wenn ich früher aufhöre zu arbeiten?
    Grundsätzlich gilt: Die Rente verringert sich für jeden Monat, den der Arbeitnehmer vor Erreichen der Regelaltersgrenze aufhört, um 0,3 Prozent. Das bedeutet: Wer mit 60 Jahren aufhört, muss zum Rentenbeginn mindestens 18 Prozent weniger Rente hinnehmen und deshalb ausreichend privat vorsorgen. Dabei gilt die Faustformel: 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens sollten auch im Ruhestand verfügbar sein.
  • 4. Wo bekomme ich Tipps für den vorzeitigen Ruhestand?
    Ab 55 Jahren erhält jeder alle drei Jahre eine Rentenauskunft der gesetzlichen Rentenversicherung. Aus dieser Rentenauskunft geht hervor, ob der Versicherte die Voraussetzung für eine Frührente erfüllt und wie hoch die voraussichtliche Rente wird. Außerdem erhält man Informationen, wie hoch der Beitrag ist, der zum Ausgleich von Abschlägen freiwillig eingezahlt werden kann.
  • 5. Haben Arbeitslose Anspruch auf vorzeitigen Ruhestand?
    Eine Altersrente für Arbeitslose oder für Beschäftigte nach einer Altersteilzeit gibt es nur für Personen, die vor dem Jahr 1952 geborenen wurden. Außerdem müssen sie eine Mindestversicherungszeit von 15 Jahren erfüllen. Und sie müssen entweder mindestens 24 Kalendermonate in Altersteilzeit gearbeitet haben. Oder sie sind arbeitslos – bei Rentenbeginn und waren es insgesamt 52 Wochen, nachdem sie älter als 58 Jahre und sechs Monate geworden sind. Zudem müssen beide Gruppen in den letzten zehn Jahren vor dem Rentenbeginn mindestens acht Jahre lang Pflichtbeiträge eingezahlt haben. Die Grenze für eine Altersrente ohne Abschläge liegt hier bei 65 Jahren.
  • 6. Wie beantrage ich Frührente aus gesundheitlichen Gründen?
    Wer gesundheitlich früher in Rente will, druckt sich einen Antrag für die Frührente aus dem Internet (Deutsche Rentenversicherung) oder holt diesen im Rathaus ab. Auf fast jedem Rathaus gibt es eine Ortsbehörde oder Rentenstelle. Diese kann bei Problemen beim Ausfüllen des Antrages um Rat gebeten werden. Auch Beratungen gehören zu deren Aufgaben. Die Rentenversicherung selbst bestimmt nach Prüfung des Antrages meist einen Termin zur Begutachtung. Danach wird dem Antrag entsprochen oder er wird abgelehnt. Die Prüfung des Antrages kann je nach Fall mehrere Monate andauern. (sk/dpa)

Er war Fahrer in einem Kieswerk und bewarb sich bei dem Verlag, dem er 30 Jahre lang die Treue hielt. Zunächst als Kurier-, später als Cheffahrer. Schließlich organisierte er die Zustellung der Presseprodukte. „Zum Schluss war der Druck vom Haus enorm,“ erinnert sich Pfeifer, den besonders die Nachtbereitschaft schlauchte. Mit 56 kam das Angebot, in Altersteilzeit zu wechseln. Viel zu früh für die Rente, die ihm damals im vollen Umfang erst ab 65 zugestanden hätte. Wenn er sein Berufsleben voll durchgezogen hätte, dann blieben ihm monatlich immer noch deutlich mehr als die Hälfte seines letzten Gehalts. Doch die Rechnung war nun eine andere. Die Rentenanstalt in Sigmaringen ging mit ihm das Angebot der zweijährigen Altersteilzeit durch. Demnach sollte Pfeifer mit 61 in Rente gehen können. Das bedeutete: Mit 59 Jahren arbeitete er für 80 Prozent seines letzten Gehalts, in der sogenannten Ruhephase mit 60 bekam er ein weiteres Jahr lang ebenfalls 80 Prozent. Mit 61 war dann die Rente mit kräftigen Abschlägen fällig. „Mir fehlten unterm Strich also 18 Prozent – das ganze Leben lang“, sagt Pfeifer. „Das ist natürlich ein gewaltiger Einschnitt.“ Leicht habe er es sich damals nicht gemacht, am Ende aber gesagt: „Ich muss hier raus.“ Was ihm die Entscheidung erleichterte, war der Umstand, dass er und seine Frau eigene vier Wände haben. Um die Haushaltskasse aufzubessern, jobbte der rüstige Rentner noch ein wenig.

 
 

Große Sprünge sind seither nicht drin, weiß Pfeifer. Eine Zahnreparatur kann schon ein tiefes Loch in den Etat reißen. Mal eben 1000 Euro Eigenanteil belasten die Haushaltskasse. „Ich bin genügsam aufgewachsen, pflegeleicht, vollkommen anspruchslos“, tröstet er sich und lacht. Zweimal im Jahr gönnt sich Egon Pfeifer eine kleine Auszeit und genießt seine Freiheiten bei Oldtimertreffen, seiner großen Leidenschaft. Wenn die Kasse mal klamm werden sollte, würde er sich notfalls auch von einem seiner Liebhaberstücke trennen, die er in den letzten Jahren gesammelt und zusammengeschraubt hat. Dieser Wertanlage vertraut Pfeifer am meisten, auch wenn er wegen schwankender Preise sagt: „Oldtimerei ist wie ein Schiff im Wasser.“

Ob er alles richtig gemacht hat? – Pfeifer überlegt. Ihn fuchst, dass heute nach 45 Arbeitsjahren die Rente mit 63 möglich ist – abschlagsfrei. Das gab es damals noch nicht, dieses Glück hat er um wenige Jahre verpasst. Er rät jedem, möglichst selbstständig vorzusorgen. „Wo ist mein Geld?“ fragt er und breitet lächelnd die Arme aus.
 

Früh · ren · te

Wer aus gesundheitlichen Gründen vermindert oder gar nicht mehr arbeiten kann, wird von der Rentenversicherung unterstützt. Voraussetzung ist, dass mindestens fünf Jahre Beiträge in die gesetzliche Versicherung eingezahlt wurden und die Erwerbsfähigkeit tatsächlich nicht mehr durch medizinische Reha-Angebote wiederhergestellt werden kann. Möglich ist auch die Inanspruchnahme der Altersteilzeit. Dabei wird über eine Reduzierung der Arbeitszeit oder eine vorzeitige Beendigung der aktiven Tätigkeit der Übergang in den Ruhestand vorbereitet.

Ren · ten · wert

Der Rentenwert ist der Betrag, der einer ungeminderten monatlichen Rente aus Beiträgen eines Durchschnittverdieners für ein Jahr entspricht. Dadurch wird die Rente an die Veränderung der Löhne und Gehälter angepasst. Der aktuelle Rentenwert liegt im Osten bei 28,66 Euro und im Westen bei 30,45 Euro. So viel ist also zurzeit ein in der Rentenversicherung erreichter Entgeltpunkt wert.

 


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