Es passiert, wenn man es am wenigsten erwartet: Plötzlich hat jemand starke Bauchschmerzen, Brechdurchfall oder er bricht zusammen. Was dann?

Neben der Notrufnummer 112 für akute Notfälle gibt es auch eine weniger bekannte Nummer für nicht lebensbedrohliche Erkrankungen - die 116-117 des ärztlichen Bereitschaftsdiensts.

Damit weniger Patienten in oft überfüllte Notaufnahmen gehen, obwohl sie auch von einem Hausarzt behandelt werden könnten, hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor kurzem einen Gesetzesentwurf vorgelegt. Er will die Nummern 112 und 116-117 zusammenschalten - und damit würden Mitarbeiter einer Notfallleitstelle einschätzen, ob ein Patient in die Notaufnahme muss oder nicht. Noch ist dies aber nicht so. Ein Ratgeber:

Wann muss ich die 112 oder die 116-117 anrufen und wann direkt ins Krankenhaus oder zum Hausarzt fahren?

Ist jemand in Lebensgefahr, dann sollte man die Notrufnummer 112 wählen, rät Bundesarzt Peter Sefrin vom Deutschen Roten Kreuz, der früher die präklinische Notfallmedizin der Universität Würzburg geleitet hat. Nach dem Anruf wird gegebenenfalls ein Rettungswagen mit Notarzt zum Patienten geschickt, der diesen in die Klinik fährt. Man kann auch selbst die Notaufnahme aufsuchen.

Bei weniger schlimmen Beschwerden wie akuten Bauchschmerzen, Fieber oder anhaltendem Brechdurchfall sollte man sich während der Bürozeiten an einen Hausarzt wenden. An Abenden, Wochenenden oder Feiertagen kann man eine Bereitschaftspraxis oder die Telefonnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116-117 anrufen.

Und wie geht es dann weiter, wenn ich die 116-117 wähle?

Der Anrufer erhält beispielsweise Adressen für die nächste geöffnete Bereitschaftspraxis oder Hausärzte, die vorbeikommen. Ist das Leiden weniger akut, gibt es manchmal den Rat, am nächsten Tag zum Hausarzt zu gehen - oder einfach nur etwas im Bett zu bleiben und sich auszukurieren. Oft würden Leute einfache Mittel, die unsere Großeltern noch kannten, nicht mehr kennen, sagt Sprecher Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesversicherung, die den ärztlichen Bereitschaftsdienst organisiert.

Aber wie merke ich denn genau, ob ein Patient in Lebensgefahr ist?

Hat jemand schwere Verletzungen, Atemnot oder heftige Brust- oder Herzschmerzen, kann er in Lebensgefahr schweben, wie das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Internetseite schreibt.

Auch wenn es nicht so schlimm ist - lohnt es sich nicht auf jeden Fall in die Notfallambulanz zu fahren, um die beste Pflege zu erhalten?

Nein. Geht man wegen einer Bagatelle zum Notfallambulanz, muss man gewöhnlich lange warten. Das können in einer überfüllten Abteilung gut mal sechs Stunden sein, wie Sefrin sagt.

Manchmal würden die Patienten bei Bagatellen auch nach Hause geschickt - mit dem Hinweis sich einfach bei nächster Gelegenheit beim Hausarzt zu melden. Das passiere beispielsweise, wenn man schon eine Woche lang Schmerzen am Knie hat und dann am Wochenende eine Notfallambulanz aufsucht - weil man keine Lust hat, auf einen Termin beim Hausarzt zu warten.

Einige hätten auch das Gefühl, dass es im Notfall eine Art Rundum-Check gebe, was ebenfalls nicht der Fall sei, sagt Stahl. Handelt es sich nicht um einen Notfall, erfährt man bei der 116-117 schneller, was man tun kann, damit es dem Patienten besser geht.

Neben der 112 und der 116-117 gibt es noch Spezialnummern - wie kinderärztlichen oder augenärztlichen Bereitschaftsdienst. Wann sollte man sich an die wenden?

Diese Dienste gibt es in einigen Regionen. Darüber informiert man sich über die 116 117 oder über die Internetseite 116117.de . Leidet man etwa in der Nacht an starken Zahnschmerzen, kann man sich an den zahnärztlichen Bereitschaftsdienst wenden. Verschlucken Kinder versehentlich Omas Tabletten, kann man sich rund um die Uhr an Giftnotrufe wenden. Zudem gibt es teils auch gynäkologische oder psychiatrische Hilfe am Abend und am Wochenende.

Was kostet mich ein Anruf bei diesen Nummern?

Nichts - egal ob ich per Handy oder Festnetz anrufe. Die Kosten übernimmt immer die Krankenkasse.