Hildegard von Bingen (1098-1179) lebte zwar im Mittelalter, doch die Äbtissin hat viele Schriften hinterlassen, in denen es um Medizin und gesundes Essen geht. Sie war von einem Getreide begeistert, das man gemeinhin auch als „Schwabenkorn“ bezeichnet. Gemeint ist der Dinkel. Er wuchs schon vor Jahrhunderten auf den kargen Böden der Schwäbischen Alb. Wegen des schlechten Ertrags war er lange in Vergessenheit geraten, erlebt aber seit einigen Jahren eine Renaissance.

Renate Joos, 60, lebt in Herdwangen-Schönach.
Renate Joos, 60, lebt in Herdwangen-Schönach. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Renate Joos im kleinen Weiler Reute, der zur Gemeinde Herdwangen-Schönach im Landkreis Sigmaringen gehört, ist ein großer Fan von Dinkel. Und auch von „Habermus“, das aus diesem Getreide hergestellt wird – und nicht, wie manche vermuten, aus Hafer. Seit 2014 betreibt sie zusammen mit ihrem Mann den in der Region sehr bekannten „Schlemmerstall“, wo man Herzhaftes und Süßes aus eigenem Anbau und eigenem Stall genießen kann. Eben auch Habermus. Als „sensationell“ hat ein Gast das Mus bezeichnet, das früher bei den Bauern jeden Morgen auf den Tisch kam. Es ist nahrhaft, schmeckt gut und ist auch sehr gesund. Hildegard von Bingen empfahl, damit den Tag zu beginnen.

Renate Joos stammt aus Konstanz und auch nicht von einem Bauernhof. Das Habermus lernte sie über einen Arzt kennen. Der hatte nämlich bei ihrem Bruder festgestellt, dass er etwas Aufbaunahrung brauchen könnte, und empfahl Habermus. „Und das hat super funktioniert“, erinnert sich Renate Joos. Ihr Bruder sei „ein richtiger Kerl“ geworden. Übrigens hat auch der alemannische Mundart-Dichter Johann Peter Hebel das Habermus empfohlen: „Chömmet, Chinder, esset Habermus, wachset und trüeihet“ (gedeihet), lautete seine Aufforderung.

 

Zutaten: für zwei Personen:
2 Tassen Wasser oder Milch,
1 knappe Tasse Dinkelschrot oder Dinkelflocken,
1 Apfel,
etwas frischer Galgant (oder Ingwer),
Zimt und Zitronenabrieb,
nach Geschmack:
2 TL Honig oder Rohrzucker.

Zubereitung: Wasser oder Milch erhitzen, das Dinkelschrot oder die Flocken hinzugeben und aufkochen. Den Apfel grob reiben und hinzugeben. Jetzt etwas Galgant oder Ingwer fein reiben und zufügen. Das Ganze mit Zimt abschmecken, kurz aufkochen und den Topf von der Kochplatte nehmen. Jetzt fünf bis zehn Minuten quellen lassen. Wer mag, kann mit Honig oder Zucker nachsüßen. Wer es lieber herzhaft mag, der nimmt statt des Apfels gehackte Zwiebel und gibt zum Schluss etwas Griebenschmalz über das Mus. (kaf)