Für den Singener Turnverein bedeutete der Kriegsbeginn 1914 einen großen Einschnitt, da viele seiner Mitglieder aufgrund ihrer guten körperlichen Verfassung sofort zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Somit kämpften bereits im September 153 der Singener Turner an der Front. 38 dieser Turner, unter anderem die ehemaligen Turnwarte Egon Doll und Hilarius Mengis, kehrten nie wieder zurück. Währenddessen hielt der schweizerische Turnwart Jakob Lehmann in Singen die Stellung und der Turnverein fokussierte sich auf seine Jugend, beziehungsweise die Schülerriege. Diese arbeitete allerdings im Zuge der neuen Gesetzgebung bezüglich der militärischen Vorbereitung der Jugend mit dem badischen Jugendwehrbund zusammen, um die Schüler so gut wie möglich für den Militärdienst zu präparieren. Der ständige Raummangel in öffentlichen Gebäuden machte dem Turnverein zu schaffen, bis die Turner 1917 den Festsaal des Gasthofes zum Kreuz vom Wirt Karl Frey, dem damaligen Vorsitzenden des Vereins, zur Verfügung gestellt bekamen.

Trotz aller Widrigkeiten blieb der reguläre Turnbetrieb während des gesamten Krieges weitestgehend bestehen. So begab man sich 1915 auf die traditionelle Maiturnfahrt, über die auch die Singener Zeitung berichtete. Die Jugend nahm weiter an den Reichsjugend-Wettkämpfen teil. Für die an der Front stehenden Singener Turner veranstaltete der Turnverein eine „Wohltätigkeitsaufführung – Zu Gunsten der im Felde stehenden Turner“, deren Erlös den Soldaten zukommen sollte. Das Programm enthielt neben sportlichen Vorführungen auch drei schauspielerische Einlagen, deren Titel auf einen eindeutigen Kriegsbezug schließen lassen.

Auch durch Inserate in der Zeitung warb der Turnverein um Unterstützung der Singener Bevölkerung. Dort erläuterte der Verein, dass die deutsche Turnerschaft sich ganz besonders für das „Interesse des Vaterlandes“ eingesetzt habe und betonte die Funktion des Turnvereins als Vorbildungsstätte für zukünftige Soldaten.