Die meisten Soldaten, die im August 1914 in die Eisenbahnwaggons stiegen, um aus der Heimat an die Front abzurücken, hatten nur eine vage Vorstellung davon, was sie dort erwartete. Hoffnungsvoll sprachen sie von einem „Feldzug“, einer schnellen Operation also, wie sie das deutsche Kaiserreich 1870/71 gegen Frankreich geführt und binnen weniger Wochen gewonnen hatte.

Das war eine Täuschung, genährt von Politik und Generälen. Diese ahnten zwar, dass ein Sieg hohen Blutzoll kosten würde, ließen das Heer aber in dem Glauben, nach dem Marsch durch Belgien schnell Paris erobern und dann Russland im Osten schlagen zu können. Beides misslang. Vor den Toren von Paris wurden die Deutschen an der Marne gestoppt. Generalstabschef Hellmuth von Moltke befahl den Rückzug und gab den Befehl zum Eingraben in die Erde. Dieser Stellungskrieg, dominiert von Maschinengewehr und Artillerie, gilt in den Schulbüchern als grausamste Seite dieses Krieges. Jedoch: Die offenen Feldschlachten des Sommers hatten viel mehr Menschenleben gekostet. Deutsche und englische Historiker sind sich heute einig: Der Grabenkrieg mit seinem relativen Schutz vor Angriffen senkte die Todesrate auf beiden Seiten und verbesserte auch die Versorgung der Verwundeten. Allerdings um einen hohen Preis: Denn der Krieg im Westen wurde dadurch verlängert und dauerte schließlich vier Jahre.

Das Erstarren der Front verbesserte indes nicht nur die Verpflegungslage der Truppe. Jetzt wurde es für die Angehörigen daheim auch möglich, den Soldaten Päckchen mit sogenannten „Liebesgaben“ zu senden. Die heimische Geschäftswelt spezialisierte sich schnell auf den neuen Bedarf und warb etwa in der „Konstanzer Zeitung“ für „warme, wasserdichte Westen und Unterziehhosen“. Ein Solinger Hersteller pries sein „Soldaten-Taschenmesser“ mit „Büchsenöffner aus Stahl“ an. Ganz neue Ideen hatten indes die Gebrüder Kropp mit ihren versandfertigen Feldpostbriefen – „enthaltend Cognac in verschiedenen Qualitäten“.