Singener Postkarten zum Beispiel vom Hohentwiel gibt es noch heute, aber keiner käme auf die Idee, Postkarten über den Krieg, mit Kriegsbildern und heroischen Parolen zu verschicken. Zum Beispiel „Wir hauen uns durch!“ Keiner käme auf die Idee, heute noch ein Gemälde, das stürmende deutsche Soldaten, auch Feldgraue genannt, Leichen und brennende Häuser zeigt, als Postkarte zu verschicken. Keiner käme auf die Idee, eine Photographie von einem zerstörten Stadtviertel seinen lieben Verwandten zu schicken. Heute verschickt man Karten mit friedlichen Waldidyllen, historischen Gemälden, Bauten und kecken Sprüchen.

Doch 1914 war eine andere Zeit, es herrschte eine andere Mentalität. Aber vor allem herrschte Krieg. In der militarisierten Gesellschaft der wilhelminischen Ära waren Menschen in Uniform nicht außergewöhnlicher als Menschen im Business-Anzug, sogar mindestens genauso angesehen wie heute. Natürlich gab es auch friedliche Landschaftsbilder und andere Postkarten, etwa Postkarten von Alt-Strassburg, die nicht zugestellt werden durften, weil Stadtbilder und Geländeansichten aufgrund von Spionage unzulässig waren. Postkarten, auf denen Soldaten bei der Entlausung zu sehen sind, mit Sprüchen wie „Ist klar der Kopf und lauserein, liebs Vaterland magst ruhig sein“. Diese Kriegspostkarten hatten neben ihrem primären Zweck der Kommunikation auch den der Propaganda. So sieht man Familienporträts der Kaiserfamilie, den Kaiser beim Besuch im Lazarett. Markige Parolen und heroische Gedichte zieren die Postkarten, die Feinde werden verspottet und die eigene Nation überhöht.

Diese Zeiten sind vorbei, die Soldaten, Schlachtenbilder und Durchhalteparolen von unseren Postkarten verschwunden. Und damit kehrt die Postkarte auch wieder zu ihrer ursprünglichen Bestimmung zurück, die Verwandten zu grüßen. Andere Zeiten, andere Postkarten.