„Denke, dass nach bangen Tagen, einmal Frieden wird der Welt“. Nach der Anfangseuphorie, als die jungen Soldaten es kaum erwarten konnten, in den Krieg zu ziehen, werden die Kriegsweihnachtsfeste in Singen zum Anlass, über das „köstliche Gut“, den Frieden, nachzudenken. Die Singener Zeitung findet 1915 zu diesem Thema deutliche Worte: „Möge es dem Friedefürsten gefallen, diesen Frieden der Welt bald wieder zu geben!“. Das daneben veröffentlichte Weihnachtsgedicht des Singener Hauptlehrers Fetscher macht das Friedensbedürfnis der Singener Bevölkerung deutlich. Dem Weihnachtsfest wird hier die Fähigkeit zugesprochen, wenigstens für eine kurze Weile alle Sorgen zu zerstreuen. Nicht nur Frieden, sondern auch wohltätige Werke waren Bestandteil der Weihnachtszeit.

Beispielsweise sandte man sogenannte Liebesgaben an die Front, welche meist vom Roten Kreuz gesammelt wurden. Diese enthielten u.a. Kleidung, die von den Singener Schülerinnen im Handarbeitsunterricht angefertigt worden waren. Einzelne Geschäfte warben besonders mit Gütern, die als Geschenke an die Front geschickt werden konnten. Aber auch für in Singen lebende bedürftige Familien wurde an unterschiedlichen Stellen gesammelt. Das von der katholischen Kirche betriebene Elisabethenheim bat um Geschenke für die Kinder. Außerdem konnte durch Wohltätigkeitskonzerte Geld für Kriegswitwen und -waisen gespendet werden. Aber für zahlreiche Singener Familien, deren Angehörige in den Schützengräben lagen, blieb wohl nur mit der Singener Zeitung zu hoffen, dass „nun übers Jahr unsere Feldgrauen wieder mit uns in der Heimat Weihnachten feiern können“.

 

Das Singener Stadtarchiv sucht immer noch Gegenstände aus der Zeit des Ersten Weltkrieges für die Ausstellung: „Wir sind Weihnachten wieder zu Hause“. Diese wird in der Museumsnacht, 20. September, im Singener Rathaus und am Volkstrauertag in der Stadthalle gezeigt.