Zu Beginn des Krieges herrschte Uneinigkeit in der Singener Politik. Das Großblockbündnis, vorher zumindest öffentlich einheitlich, war geteilter Meinung über den Krieg. Während die SPD noch zu einer Protestversammlung am 29. Juli 1914 „Gegen die Anzettelung eines Weltkrieges“ aufrief, stand das Zentrum eher auf der Seite der Kriegsbegeisterten. Man warf der SPD Verrat vor. Während sich die Sozialdemokraten im Wirtshaus „Kolosseum“ trafen, versammelte sich vor dem Lokal eine Gruppe Andersgesinnter, als diese deutschnationale Lieder anstimmten, kam es zu einem Tumult und die Versammlung wurde aufgelöst.

Neben dieser kurzen Episode der Unstimmigkeit aber besann man sich wieder auf das Wesentliche. Man einigte sich wieder darauf, dass während des Krieges, der gerade begonnen hatte, die Streitigkeiten innerhalb der Politik begraben werden, um das Reich nicht zu schwächen. Dieser „Burgfrieden“, wie er genannt wurde, ist metaphorisch an eine belagerte Burg angelehnt, die aufgrund des Feindes und der Gefahr vor den eigenen Toren innerhalb der Burg ihre Streitigkeiten beiseite legt, um gemeinsam gegen den Feind aufzustehen und ihn zurückzuschlagen.

Dieses temporäre Stillhalten über die innerpolitischen Diskrepanzen über das ganze politische Spektrum zog sich durch Gesamt-Deutschland. Das war in Singen nicht anders. Und so widmete man sich wieder auf geordnetem Wege der Tagespolitik und den Problemen, mit denen Singen zu kämpfen hatte. Diese wurden in ruhiger, normaler Atmosphäre abgehalten und über akute Probleme, Schuldenaufnahme aufgrund von Kriegsunterstützungen und weitere Expansionspläne nach dem, wie man vermutete, sicher kurz andauernden Krieg diskutiert.

Durch die geordneten Verhältnisse in Singen und der Politik von Bürgermeister Paul Thorbecke verlief auch mit Beendigung des Krieges und der Revolution alles friedlich in der Burg unter der Burg ab.