Es war der erste Regierungsgipfel des Jahrhunderts: Mehr als 10 000 Menschen kamen am 18. Januar 1919 zur Pariser Friedenskonferenz: Staats- und Regierungschefs, Minister und Diplomaten, Prinzen, Geografen, Wirtschaftsexperten, Völkerrechtler, Geheimdienstler, Journalisten, Schreibkräfte. Es ging um die Zukunft Deutschlands und das Schicksal Europas. Man wollte die Weichen für eine Welt ohne Krieg stellen, der zwischen 1914 und 1918 fast 20 Millionen Menschenleben gefordert hatte.

Die Hand eines toten Soldaten ragt bei Verdun aus dem Schlamm. Die Gebeine zehntausender Gefallener wurden nie gefunden. Noch heute werden in Belgien und Ostfrankreich Knochen geborgen.
Die Hand eines toten Soldaten ragt bei Verdun aus dem Schlamm. Die Gebeine zehntausender Gefallener wurden nie gefunden. Noch heute werden in Belgien und Ostfrankreich Knochen geborgen. | Bild: AFP

Warum wählte man den 18. Januar als Datum des Konferenzbeginns? Weil es ein symbolisches Datum war und weil die französische Regierung die Deutschen damit demütigen wollte. 48 Jahre zuvor, am 18. Januar 1871, war im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles das Deutsche Kaiserreich feierlich gegründet worden. Dieser preußisch-deutsche Herrschaftsakt war von den Franzosen immer als Provokation empfunden worden.

18. Januar 1871: Im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles wird das Deutsche Kaiserreich gegründet. Links in der Mitte Kaiser Wilhelm I., vor dem Podest in weißer Uniform Reichskanzler Otto von Bismarck.
18. Januar 1871: Im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles wird das Deutsche Kaiserreich gegründet. Links in der Mitte Kaiser Wilhelm I., vor dem Podest in weißer Uniform Reichskanzler Otto von Bismarck. | Bild: Wikipedia

So wie die Deutschen die Reichsgründung mitten im Herz des Feindes als interne Angelegenheit betrachtet und Frankreich 5 Milliarden Goldmark an Reparationen abgepresst hatten, so wurden sie nun, im Frühjahr 1919, selbst behandelt. Deutschland hatte zunächst keinen Zutritt in Paris. Franzosen, Briten, Amerikaner und Italiener bestimmten geheim, was besprochen und geregelt werden sollte.

Der "Rat der Vier", auch "Die großen Vier", bei der Friedenskonferenz in Paris. Von links: David Lloyd Georges, Großbritanniens Kriegspremier, Italiens Ministerpräsident Vittorio Orlando, Frankreichs Regierungschef Georges Clemenceau und US-Präsident Woodrow Wilson. Er trat für das Selbstbestimmungsrecht der Völker ein. In Paris nahme es aber nur Gestalt an, wenn es den Interessen vor allem Englands und Frankreichs diente.
Der "Rat der Vier", auch "Die großen Vier", bei der Friedenskonferenz in Paris. Von links: David Lloyd George, Großbritanniens Kriegspremier, Italiens Ministerpräsident Vittorio Orlando, Frankreichs Regierungschef George Clemenceau und US-Präsident Woodrow Wilson. Er trat ein für das Selbstbestimmungsrecht der Völker. In Paris nahm aber nur Gestalt an, was den Interessen vor allem Englands und Frankreichs diente. | Bild: wikipedia

Das Brett war dick genug: Eine neue Friedensordnung, Selbstbestimmungsrecht der Völker, Minderheitenschutz, Freiheit der Meere, ein Völkerbund. Themen, die auch heute vielköpfige Kommissionen über Monate beschäftigen würden.

Der Politstar aus Amerika

Die Agenda hatte US-Präsident Woodrow Wilson schon 1917 in seinen berühmten 14 Punkten gelistet. Er war damit zu einem Politstar und Heilsbringer geworden – auch und gerade in Deutschland. Denn als sich die deutsche Kriegsniederlage abzeichnete, hatten die Generäle und Politiker ihre Bitte um einen Waffenstillstand an Wilson adressiert. Ihre Hoffnung: Der Amerikaner und Idealist lässt das Reich glimpflich davonkommen.

US-Präsident Woodrow Wilson (1856-1924): Der Demokrat plädierte beim Umgang mit Deutschland für Augenmaß, konnte sich aber nicht durchsetzen. Er war bereits gesundheitlich angeschlagen und hatte die Pariser Konferenz für einige entscheidende Wochen verlassen.
US-Präsident Woodrow Wilson (1856-1924): Der Demokrat plädierte beim Umgang mit Deutschland für Augenmaß, konnte sich aber nicht durchsetzen. Er war bereits gesundheitlich angeschlagen und hatte die Pariser Konferenz für einige entscheidende Wochen verlassen. | Bild: Wikipedia

Diese naive Zuversicht setzte sich im Winter 1918/19 bei den Deutschen fest. Man klammerte sich an diffuse Hoffnungen, dachte an Fairness, obwohl die Deutschen ein knappes Jahr vorher gegenüber dem revolutionären Russland unerbittlich gewesen waren: Der Friede von Brest Litowsk mit der neuen Sowjetregierung war nichts anderes als ein erpresstes Diktat. Der Theologe und Philosoph Ernst Troeltsch traf also den Punkt, als er vom „Traumland der Waffenstillstandsperiode“ sprach.

Vom "Traumland der Waffenstillstandsperiode" sprach der Philosoph und Theologe Ernst Troeltsch (1865-1923).
Vom "Traumland der Waffenstillstandsperiode" sprach der Philosoph und Theologe Ernst Troeltsch (1865-1923). | Bild: Wikipedia

Die Realität war ohne Gnade. Wilsons großen Wurf durchkreuzten Hass, Misstrauen und Revanchegelüste. Den Vorsitz in Paris übernahm nicht ein ehrlicher Makler, sondern Frankreichs Ministerpräsident Georges Clemenceau, der Frankreichs riesige Blutopfer in den Vordergrund rückte. „L’Allemagne paiera“ – Deutschland wird bezahlen, hieß sein Credo.

Frankreich bleibt hart

Generalissimus Ferdinand Foch, oberster Kommandeur der Alliierten bei Kriegsende, hatte klargemacht, dass man die Deutschen – obwohl die Monarchie und Kaiser entsagt hatten – nicht auf Augenhöhe sah. Fochs Daumenschrauben: Der Waffenstillstand vom 11. November 1918 wurde immer nur um vier Wochen verlängert, und Deutschland musste dafür liefern – etwa hunderte Lokomotiven, Eisenbahnwaggons oder Traktoren für Frankreichs Landwirtschaft.

Marschall Ferdinand Foch (1851-1929) wollte die Deutschen hart rannehmen. Nach dem Waffenstillstand plädierte er dafür, die Alliierten sollten überall bis zum Rhein vorstoßen. Englische Bedenken blockierten diese Pläne.
Marschall Ferdinand Foch (1851-1929) wollte die Deutschen hart rannehmen. Nach dem Waffenstillstand plädierte er dafür, die Alliierten sollten überall bis zum Rhein vorstoßen. Englische Bedenken blockierten diese Pläne. | Bild: AFP

Daneben ging ein Teil des Krieges weiter. Die britische Flotte blockierte weiter die deutschen Häfen. Lebensmittel kamen nicht durch, im Land wurde gehungert, man sprach daher von "Hungerblockade". Zehntausende starben im Winter 1918/19 an Mangelernährung.

Frauen und Kinder stehen 1917 in Berlin Schlange an einem Lebensmittelgeschäft. Im Winter 1918/19 sah die Lage nicht besser aus. Die britische Seeblockade dauerte an.
Frauen und Kinder stehen 1917 in Berlin Schlange an einem Lebensmittelgeschäft. Im Winter 1918/19 sah die Lage nicht besser aus. Die britische Seeblockade dauerte an. | Bild: dpa

Eine zweite riesige Sterbewelle brachte die Spanische Grippe, die binnen weniger Tage vor allem Jüngere tötete. Sie grassierte schon auf den Schlachtfeldern Frankreichs, kam durch infizierte Soldaten nach Deutschland und forderte 1918/19 geschätzt 600 000 Tote. Die Pandemie – weltweit starben mindestens 50 Millionen Menschen – kannte keinen Waffenstillstand.

Fast kein bewohnbarer Ort der Welt wurde von der Spanischen Grippe verschont. Hier werden Grippetote auf der kanadischen Labrador-Halbinsel beerdigt.
Fast kein bewohnbarer Ort der Welt wurde von der Spanischen Grippe verschont. Hier werden Grippetote auf der kanadischen Labrador-Halbinsel beerdigt. | Bild: Wikipedia

Als andauernden „Waffenstillstand“ mit Deutschland für die nächsten 20 Jahre sah auch Georges Clemenceau das Verhältnis zum Nachbarn, dessen Wiederaufstieg man unterbinden wollte. Deutschland wurde entwaffnet und durfte nur ein Mini-Heer von 100 000 Mann behalten. Milliarden an Goldmark und Sachleistungen sollten Frankreich (und dem versehrten Belgien) auf die Beine helfen.

Vom Krieg regelrecht zermalmt war die Stadt Ypern im belgischen Flandern. Zu sehen ist die Ruine der mittelalterlichen Tuchhalle. Sie – und die ganze Altstadt – wurde in den 1920er-Jahren wieder aufgebaut.
Vom Krieg regelrecht zermalmt war die Stadt Ypern im belgischen Flandern. Zu sehen ist die Ruine der mittelalterlichen Tuchhalle. Sie – und die ganze Altstadt – wurde in den 1920er-Jahren wieder aufgebaut. | Bild: Wikipedia

Die Briten traten unter Premier David Lloyd George mäßigend auf, ihnen genügte, dass die deutsche Hochseeflotte in Scapa Flow auf den Orkneys interniert wurde – wo sie sich im Juni 1919 selbst versenkte. Die Briten hatten nichts unternommen, um dieser Gefahr entgegenzutreten. Die rund 1200 Mann der Rumpf-Besatzungen kehrten schon ein Jahr später aus der Gefangenschaft nach Hause zurück.

Von der eigenen Mannschaft im Juni 1919 auf Grund gesetzt: Die Schlote eines deutschen Schlachtkreuzers ragen in der Bucht von Scapa Flow aus dem Wasser. Dort hatte sich fast die gesamt deutsche Hochseeflotte selbst versenkt. Die Schiffe wurden später größtenteils gehoben und abgewrackt.
Von der eigenen Mannschaft im Juni 1919 auf Grund gesetzt: Die Schlote eines deutschen Schlachtkreuzers ragen in der Bucht von Scapa Flow aus dem Wasser. Dort hatte sich fast die gesamt deutsche Hochseeflotte selbst versenkt. Die Schiffe wurden später größtenteils gehoben und abgewrackt. | Bild: Wikipedia

Woodrow Wilson, der Europa vom Schicksal des ewigen Krisenherds erlösen sollte, reiste zwar nach Paris und kämpfte sich für seine Idee vom Völkerbund. Aber ins Klein-Klein der Grenzziehungen zwischen neu entstehenden Nationalstaaten und ins Wirrwarr von ethnischen Gemengelagen stieg der gesundheitlich angeschlagene Präsident nicht ein.

Neue Konflikte in Europa

Während in Pariser Hinterzimmern Landkarten gewälzt und (oft frisierte) Bevölkerungsstatistiken gelesen wurden, handelten die neuen Nationalisten Ost- und Mittelosteuropas auf eigene Faust: Polnische Freischärler etwa wollten – gegen den Willen der Regierung in Warschau – Oberschlesien für Polen erobern, obwohl eine Volksabstimmung eine klare Mehrheit für den Verbleib bei Deutschland erbracht hatte.

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Schnell zusammengerufene irreguläre deutsche Soldaten und Kriegsteilnehmer stellten sich im Mai 1921 unter der Bezeichnung "Selbstschutz Oberschlesien" den polnischen Freischärlern unter dem Kommando von Woijciech Korfanty entgegen und entschieden in den Kämpfen um den Annaberg den Konflikt für die deutsche Seite.

Der "Oberschlesische Selbstschutz" verteidigt Oberschlesien gegen polnische Freischärler unter der Führung von Woiziech Korfanty. Die Männer werden mit Leiterwagen zur Front gefahren. Am Annaberg wurder der Kampf zugunsten der deutschen Seite entschieden.
Der "Oberschlesische Selbstschutz" verteidigt Oberschlesien gegen polnische Freischärler unter der Führung von Woiziech Korfanty. Die Männer werden mit Leiterwagen zur Front gefahren. Am Annaberg wurder der Kampf zugunsten der deutschen Seite entschieden. | Bild: dpa

Damals standen – heute weitgehend vergessen – auch britische und französische Verbände in Oberschlesien. Sie hätten den Konflikt eigentlich verhindern und den polnischen Bestrebungen entgegentreten müssen. Von französischer Seite unterblieb das weitgehend, da man in Paris an einem starken Polen interessiert war. Die Briten unterstützten die Deutschen dagegen.

Video: dpa
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Aber durch die Neubildung von Nationen nach dem Krieg kam es zu weiteren Konflikten in Europa: Rumänen gegen Ungarn, Griechen gegen Türken, und im Osten zog der russische Bürgerkrieg seine Blutspur mit Millionen von Toten.

Wird Deutschland Räterepublik?

Der Bürgerkrieg in Russland und auch die nach-revolutionären Wirren in Deutschland machten den Verhandlern in Paris Angst. Würde den Bolschewiki gelingen, ihre Revolution in den Westen zu exportieren? Immerhin hatte der militärische niedergeschlagene Spartakus-Aufstand der Kommunisten in Berlin Anfang Januar 1919 vor Augen geführt, was passieren könnte, würde Deutschland politisch instabil.

Die Kämpfe in Berlin dauerten vom 5. bis 12. Januar 1919. Hier der Blick auf eine Barrikade mit Kämpfern in Uniform und Zivil. Dem später so genannten kommunistischen Spartakusaufstand war ein Streit zwischen der Mehrheits-SPD und der linken USPD darüber vorausgegangen, ob die Revolution beendet sei oder weitergeführt werden müsse.
Die Kämpfe in Berlin dauerten vom 5. bis 12. Januar 1919. Hier der Blick auf eine Barrikade mit Kämpfern in Uniform und Zivil. Dem später so genannten kommunistischen Spartakusaufstand war ein Streit zwischen der Mehrheits-SPD und der linken USPD darüber vorausgegangen, ob die Revolution beendet sei oder weitergeführt werden müsse. | Bild: wikipedia gemeinfrei

Die Vorkommnisse und die Bolschewisten-Furcht beeinflussten die Frage, wie hart die Bürden sein sollten, die man den Deutschen auferlegen wollte. Die wählten einen Tag nach der Eröffnung der Pariser Konferenz ihren ersten Nachkriegs-Reichstag. Die Wahlergebnisse für die Region Südbaden veröffentlichte die "Konstanzer Zeitung" sogar komplett auf ihrer Titelseite.

Dateiname:Konstanzer Zeitung 1919
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Datum:17.01.2019
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Die demokratischen staatstragenden Parteien – SPD, katholisches Zentrum und die liberale DDP – bildeten die "Weimarer Koalition". Die Zeichen standen auf Stabilität. Aber die Alliierten beeindruckte das nicht.

Deutsche Delegation geschockt

Die Deutschen durften in Paris nicht einmal am Katzentisch sitzen. Als man ihre Abordnung unter der Leitung von Außenminister Ulrich von Brockdorff-Rantzau Anfang Mai 1919 herbeizitierte, damit sie die Friedensbedingungen entgegennehme, waren die Deutschen geschockt. So hatte man sich den Wilson-Frieden nicht gedacht.

Ulrich von Brockdorff-Rantzau (1869-1928), Außenminister, entstammte der diplomatischen Schule des Kaiserreichs und hatte unter Wilhelm II. Karriere gemacht. Das kam bei den Alliierten in Paris nicht gut an. Arrogantes Auftreten sorgten für weiteren Imageschaden. Vor Unterzeichnung des Versailler Vertrags trat er zurück, um ihn nicht unterschreiben zu müssen.
Ulrich von Brockdorff-Rantzau (1869-1928), Außenminister, entstammte der diplomatischen Schule des Kaiserreichs und hatte unter Wilhelm II. Karriere gemacht. Das kam bei den Alliierten in Paris nicht gut an. Arrogantes Auftreten sorgten für weiteren Imageschaden. Vor Unterzeichnung des Versailler Vertrags trat er zurück, um ihn nicht unterschreiben zu müssen. | Bild: wikipedia/Bundesarchiv

Immerhin gelang es von Brockdorff-Rantzau, eine Volksabstimmung über den Verblieb Oberschlesiens durchzusetzen, auf das Polen ein Auge geworfen hatte. Anonsten aber blieb keine andere Wahl, als den Vertrag am 28. Juni 1919 zu unterschreiben. Ansonsten hätte man die militärische Besetzung des Reiches riskiert. Die Unterschriften erledigten Außenminister Hermann Müller (SPD) und Verkehrsminister Johannes Bell (Zentrum).

Hermann Müller (1876-1931) stammte aus Mannheim, war SPD-Mann und wurde Nachfolger Brockdorff-Rantzaus. So unterschrieb er in Versailles. Müller war später der letzte Kanzler der Weimarer Republik, der sich auf eine parlamentarische Mehrheit stützte. Er trat im März 1930 zurück und starb ein Jahr später nach einer Gallenoperation.
Hermann Müller (1876-1931) stammte aus Mannheim, war SPD-Mann und wurde Nachfolger Brockdorff-Rantzaus. So unterschrieb er in Versailles. Müller war später der letzte Kanzler der Weimarer Republik, der sich auf eine parlamentarische Mehrheit stützte. Er trat im März 1930 zurück und starb ein Jahr später nach einer Gallenoperation. | Bild: Bundesarchiv
Johannes Bell (1868-1949), gehörte der Zentrumspartei an und unterschrieb ebenfalls in Versailles – als Verkehrsminister. Vorher war er Reichskolonialminister – aber mit dem Vertrag hatte das Reich keine Kolonien mehr.
Johannes Bell (1868-1949), gehörte der Zentrumspartei an und unterschrieb ebenfalls in Versailles – als Verkehrsminister. Vorher war er Reichskolonialminister – aber mit dem Vertrag hatte das Reich keine Kolonien mehr. | Bild: Bundesarchiv

Versailles machte Deutschland kleiner, vor allem der Verlust von Elsass-Lothringen und Posen-Westpreußens schmerzte. Das Reich verlor ein Siebtel seiner Fläche und etwa 6,5 Millionen Einwohner, wie diese animierte Grafik zeigt.

Bild: dpa / Montage: sk

Am meisten belastete die Deutschen nicht die Tatsache, dass man sie zur Kasse bat und Reparationsmilliarden zu zahlen waren und dass Deutschland schrumpfte, sondern dass man ihnen die alleinige Schuld am Krieg anlastete. Das sorgte in Deutschland von rechts bis links für Empörung.

Die Nazis profitieren

Der Vertrag und seine Folgen spielten vor allem den Rechtsextremen in die Hände. Die Bestimmungen wurden später von der NSDAP unter dem Schlagwort des „Versailler Schandvertrags“ politisch instrumentalisiert. Ziel war die Revision von Versailles, wie sie Adolf Hitler anstrebte. Dass dies in einen neuen Weltkrieg führen wurde, hat 1919 niemand erahnt.

Sie kochten mit dem Kampf gegen den Versailler Vertrag und seine Folgen ihr braunes Süppchen – die Nationalsozialisten unter ihrem "Führer" Adolf Hitler (2. von rechts vorn). Hier auf einem Bild aus dem Jahr 1925.
Sie kochten mit dem Kampf gegen den Versailler Vertrag und seine Folgen ihr braunes Süppchen – die Nationalsozialisten unter ihrem "Führer" Adolf Hitler (2. von rechts vorn). Hier auf einem Bild aus dem Jahr 1925. | Bild: dpa