Katharina die II. fing ganz klein an: Im Jahr 1729 wurde sie als Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst, Tochter des verarmten Fürsten Christian August von Anhalt-Zerbst, eines Generals im preußischen Dienst, geboren.

Später erwarb sie sich einen Ruf als Gönnerin der Wissenschaften, aber auch als machtbewusste Regentin und zügellose Liebhaberin. 1743 hatte die Zarin Elisabeth Petrowna beschlossen, den russischen Thronfolger Großfürst Peter Fjodorowitsch und späteren Kaiser Peter III., den ersten Zaren aus der bis 1918 regierenden Dynastie Romanow-Holstein-Gottorp, mit Sophie, seiner Cousine zweiten Grades, zu verheiraten.

Wie gelangte Katharina die II. nach Russland?

Im Januar 1744 reiste Sophie Reise von Zerbst über Berlin und Sankt Petersburg nach Moskau, wo sie im Februar 1744 eintraf. Sie soll ehrgeizig gewesen sein und so erlernte die Vierzehnjährige schnell die russische Sprache. Später konvertierte die Zarin vom evangelisch-lutherischen zum russisch-orthodoxen Glauben. Sie wurde damit quasi zur ersten Russlanddeutschen.

1761 starb Zarin Elisabeth, Katharinas Mann kam als Zar Peter III. an die Macht. Er soll sich aber noch während der Trauertage unangemessen und albern benommen haben, was angeblich sowohl Katharina als auch große Teile des russischen Volkes verärgerte. Die ersten Staatshandlungen Peters III. waren ein Sonderfrieden mit Preußen für Russland Nachteile brachte.

Wie kam Katharina die II. an die Macht?

Katharina und ihre Vertrauten planten daraufhin einen Staatsstreich. Sie sicherte sich die Unterstützung einiger Garderegimenter, dann ließ sie sich am 9. Juli 1762 zur Zarin ausrufen. Zar Peter III. wurde für abgesetzt erklärt. Peter III. flüchtete zunächst nach Kronstadt, kehrte allerdings zurück und unterschrieb in Oranienbaum seine Abdankungsurkunde.

Katharina II. entschloss sich nach dem Vorbild der Politik Preußens, unbewohnte und dünn besiedelte Gebiete besiedeln zu lassen – durch Anwerbung von Siedlern aus dem Ausland. Das erste Einladungsmanifest ließ sie 1763 veröffentlichen. Es wurde in ganz Europa verbreitet.

Was hat Katharina II. für die Russlanddeutschen geleistet?

Ausländische Siedlern sollten zahlreiche Rechte erhalten, wie die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt wie etwa freie Steuerjahre, unentgeltliche Zuteilung von Land, innere Selbstverwaltung, Befreiung von Militärdienst, Berufs- und Religionsfreiheit, Recht auf Rückwanderung.

Bis 1774, dem Jahr des Anwerbestopps, folgten 30.623 Ausländer der Aufforderung der russischen Herrscherin. Mit den versprochenen Vergünstigungen hatte Katharina vor allem zum Ziel, ihre Macht zu zementieren, indem sie ihr gegenüber loyal gesonnene Bürger anlockte.

Wie lebten die Russlanddeutschen in ihrer neuen Heimat?

Das Angebot war aber für viele Aussiedler aus Europa attraktiv, das von Religionskriegen geplagt war, dessen Bürger zermürbt waren: Katharina, die selbst konvertiert war, versprach ihnen Religionsfreiheit. Die Siedler ließen sich vor allem in St. Petersburg, Südrussland, am Schwarzen Meer und an der Wolga nieder, die meisten kamen aus Deutschland.

Als gute Handwerker oder progressive Bauern brachten es viele der Russlanddeutschen durch die guten Bedingungen zu einem ordentlichen Wohlstand, ihre Dörfer florierten und waren von ihrer Kultur geprägt, viele Russen schätzten den Geschäftssinn der deutschen Siedler.