Der Dreißigjährige Krieg dauerte von 1618 bis 1648 (siehe Infoelement). Im April 1632 erreichten die verbündeten Schweden und Württemberger unter Generalmajor Patrick Ruthven vom Norden kommend das Ufer des Bodensees und griffen die kaiserlichen Befestigungen vom Land her an. Im Zuge dieser Invasion nahmen die Schweden auch Illmensee ein, jene idyllische Gemeinde im Landkreis Sigmaringen, rund 20 Kilometer vom Bodensee entfernt.

Die Einheimischen, so sagt es die Legende, waren bestens darauf vorbereitet und brachten Hab und Gut in Sicherheit vor den eindringenden Truppen. Bürgermeister Jürgen Hoffmann erzählt: "Die Illmenseer waren damals schon schlaue Leute und beschlossen, die Kirchenschätze zu verstecken", sagt er. "Der größte Schatz war die Glocke und die holten sie vom Turm und versenkten sie in einer Nacht- und Nebelaktion im Illmensee." So weit, so gut. Was dann jedoch berichtet wird, erinnert an einen Schildbürgerstreich: Mit einem Holzboot paddelten sie nachts in die Mitte des Sees und warfen das schwere Teil über Bord. "Um sie wiederzufinden, markierten sie mit einer Kerbe die Stelle des Bootes, an der sie die Glocke ins Wasser warfen", erzählt Hoffmann grinsend. Da es stockdunkel war, hatte keiner der beteiligten Bürger einen blassen Schimmer, wo das Boot zum ominösen Zeitpunkt im Wasser stand – da nutzt die schönste Kerbe nichts.

Bild: Sabine Tesche

Nach dem Krieg war die Gemeinde völlig verarmt. Die Glocke geriet in Vergessenheit. Nach einigen Jahren, Illmensee hatte sich erholt und die Bürger waren wieder wohlhabend, machten sie sich auf die Suche nach dem guten Stück. Eines Tages ließ sich ein fahrender Scholar für einige Zeit im Dorf nieder. In der hoch- und spätmittelalterlichen Erzählliteratur gelten Scholare als Inbegriff des leichtlebigen Verführers. Als der gelehrte Gaukler von der sagenumwobenen Glocke erfuhr, machte er seinem Namen alle Ehre: Er versprach, die Glocke mit Unterstützung von 30 Freiwilligen, denen er absolutes Schweigegebot auferlegte, aus dem See zu holen. Und siehe da: Die Männer fanden unter der Führung des Scholars die Glocke. Zur Hälfte war sie bereits aus dem Wasser gehoben, als es 12 Uhr schlug. Plötzlich sprach einer der Männer ein Dankgebet gen Himmel, die übrigens fielen ein und die Glocke sank wieder auf den Grund zurück. Der Scholar zog frustriert von dannen und ward nie mehr wiedergesehen.

Irgendwo im idyllischen Illmensee soll der Legende nach eine Glocke versunken sein. Bürgermeister Jürgen Hoffmann lehnt auf einer Skulptur des sagenumwobenen Kunstwerks.
Irgendwo im idyllischen Illmensee soll der Legende nach eine Glocke versunken sein. Bürgermeister Jürgen Hoffmann lehnt auf einer Skulptur des sagenumwobenen Kunstwerks. | Bild: Sabine Tesche

2006 wurde am Ortsende bei der Zufahrt zum See eine große Skulptur aufgestellt. Zwei Menschen ziehen die Glocke in Richtung See. Die Kunstschmiede Peter Klink aus Denkingen hat das Kunstwerk hergestellt. Darüber hinaus erhalten Illmenseer Bürger zum 80. Geburtstag eine Miniversion der Skulptur geschenkt. Ansonsten wird die Legende nicht touristisch genutzt von der Gemeinde, "aber es ist so, dass Gäste zu uns kommen und sich über die Glocke vom Illmensee erkundigen und nachfragen, ob wir wissen, wo sie liegt", berichtet Jürgen Hoffmann. Glaubt er persönlich denn daran? "Ich gehe davon aus, dass irgendetwas dran ist", sagt er.

"Die Geschichte steht der Gemeinde sehr gut zu Gesicht." Vor drei Jahren fand eine spektakuläre Suchaktion statt: Das Echolot des Instituts für Seenforschung Langenargen hatte einen größeren Gegenstand im See geortet. "Es bestand die Hoffnung, dass es sich dabei um die Glocke handeln würde", so Jürgen Hoffmann. Pustekuchen: Polizeitaucher fanden an der georteten Stelle lediglich einen Eimer und einen Baumstamm vor, "der in seiner Gesamtheit auf dem Echolot so aussah wie eine Glocke", erklärt der Bürgermeister. Mehrfach schon wurde im Illmensee nach der versunkenen Glocke gesucht. Ihre Geschichte liegt der Vereinslegende des Narrenvereins Wasserspucker zugrunde: Spuckende Fische wollen die Bauern und Fischer treffen, um sie wegen der Dummheit, die Glocke nicht wiederzufinden, zu verspotten.

Laut Jürgen Hoffmann kann man davon ausgehen, dass der Illmensee vor rund 400 Jahren noch deutlich größer war als jetzt. Auf der Gemarkung der Gemeinde liegen der Ruschweiler See und der Volzer See. Alle drei Seen sind gemeinsam gegen Ende der letzten Eiszeit, der Würmeiszeit, entstanden. Unterirdisch sind sie verbunden. "Es kann also sein, dass die Glocke an einem Ort über Bord geworfen wurde, an dem heute gar kein Wasser mehr ist", erzählt der Bürgermeister. Jede Suche war bisher vergeblich. Wer in Vollmondnächten zu Mitternacht im Illmensee schwimmt, kann dunkles Glockengeläute vernehmen. Sagt man.

Ortswechsel. Der Höchsten, nur ein paar Minuten von Illmensee entfernt, trägt seinen Namen zu Recht: Er ist der höchste Berg am Nordufer des Bodensees und der höchste in Oberschwaben: 433 m über dem Bodensee und 833 m über dem Meer, und das nur 17 Kilometer vom Bodensee entfernt. Mit seinem fantastischen Panorama ist er zu jeder Jahreszeit ein beliebtes Ausflugsziel. Der Berggasthof Höchsten wurde 1650 errichtet, die Gastwirtschaft eröffnete 1724 und liegt genau auf der Schnittstelle der Germarkungen Illmensee und Deggenhausertal.

Das Ehepaar Regina und Hans Peter Kleemann vom Berggasthof Höchsten, ein paar Kilometer vom See entfernt. Sie singen das Volkslied "Die Glocke vom Illmensee". Ihr Ansporn ist die Liebe zur Heimat, den Menschen von dort sowie die Natur. "Das Lied drückt Liebe aus", sagen sie.
Das Ehepaar Regina und Hans Peter Kleemann vom Berggasthof Höchsten, ein paar Kilometer vom See entfernt. Sie singen das Volkslied "Die Glocke vom Illmensee". Ihr Ansporn ist die Liebe zur Heimat, den Menschen von dort sowie die Natur. "Das Lied drückt Liebe aus", sagen sie. | Bild: Sabine Tesche

Vor 160 Jahren kam Familie Kleemann ins Spiel: Ignaz Kleemann kaufte den Hof mit Gaststätte und begründete diesen traditionsreichen Familienbetrieb. Seitdem ist der Berggasthof Höchsten ein beliebtes Hotel mit Gastwirtschaft – und einem Biergarten mit atemberaubender Aussicht auf Bodensee und Berge. Genau hier sitzen Regina und Hans Peter Kleemann. Die beiden sind nicht nur Gastwirte, sondern auch Volkssänger. Die Glocke vom Illmensee lautet ihr erfolgreichstes Lied. "Wir haben eine ganz tiefe Verbundenheit zu Natur, Mensch und Heimat", erzählt Hans Peter Kleemann. "Ich habe die Geschichte der Glocke in das Lied gepackt. Das Lied berührt das Herz und geht tief." Wie tief? Exklusiv auf: www.suedkurier.de/plus

Die Serie

Wir bringen Sie an zwölf mystische Plätze der Region. Begleiten Sie uns auf der geheimnisvollen Suche nach untergegangenen Welten.

Teil 1: Barbarakapelle 2. August

Teil 2: Eichener See 5. August

Teil 3: Jüdische Dörfer 9. August

Teil 4: Silbermine 12. August

Teil 5: Keltensiedlung 16. August

Teil 6: Heidenhöhlen 19. August

Teil 7: Bad Boll 23. August

Teil 8: Illmensee 26. August

Teil 9: Schluchsee 30. August

Teil 10: Burgen/Kastelle 2. September

Teil 11: Steinegg 6. September

Teil 12: Salpeterer 9. September


Illmensee, der Dreißigjährige Krieg und unser Gewinnspiel

  • Illmensee: In der Würmeiszeit vor 18000 Jahren entstehen die Seen Illmensee, Ruschweiler See und Volzer See. Vor 5000 Jahren befinden sich dort erste menschliche Siedlungen. Nach der Tieferlegung des Andelsbaches 1937 und damit Senkung des Grundwasserspiegels werden im Uferschlamm Reste von Pfahlbauten, Tonscherben, Steinbeile und Knochen, die der Horgener Kultur angehören, freigelegt. 1275 wird Illmensee erstmals erwähnt.
  • Der Dreißigjährige Krieg: Der Konflikt dauerte von 1618 bis 1648 und wurde größtenteils auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation ausgetragen. Brutalität, Dauer, Leid der Zivilbevölkerung und Hungersnöte sowie Seuchen entvölkerte Landstriche zu über 66 Prozent. Der Konflikt war ein Glaubenskrieg zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union und ein Kampf um die Vorherrschaft im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zwischen dem Habsburger Kaiser und Landesfürsten im Inneren und zwischen dem Reich und europäischen Widersachern wie Frankreich, Dänemark und Schweden im Äußeren. Obwohl religiöse Gegensätze an Gewicht verloren, war die Reformation und die Abspaltung der Protestantischen von der Katholischen Kirche einer der größten Gründe für den Krieg. Es wird von sechs Millionen Opfern ausgegangen.
  • Prager Fenstersturz: Im Mai 1618 kam es in Prag zu einem der folgenreichsten Ereignisse der Geschichte: dem Prager Fenstersturz. Böhmische Protestanten warfen aus Protest gegen die Verletzung des Majestätsbriefs Rudolfs II. durch die katholische Regierung zwei kaiserliche Räte aus einem Schlossfenster. Der folgende Aufstand des vorwiegend evangelischen Adels gegen die katholische Landesherrschaft und deren Rekatholisierungsversuche in Böhmen leitete den ersten Teil des Dreißigjährigen Kriegs, den Böhmisch-Pfälzischen Krieg, ein. Obwohl der Fenstersturz wie eine spontane Tat aussah, war er wohl von langer Hand geplant. Den böhmischen Protestanten war sicher bewusst, dass der Kaiser dies als Herausforderung ansehen und mit harten Strafmaßnahmen beantworten würde. Der Kaiser wertete den Fenstersturz als Kriegserklärung.

Unser Gewinnspiel: Wer die Legende der mysteriösen Glocke vom Illmensee verstehen möchte, der muss das gleichnamige Lied kennen: Wir verlosen zehn CDs „Stern überm Bodensee“ des beliebten Gesangsduos Regina und Hans Peter Kleemann, Gastgeber im Berggasthof Höchsten. Lieder wie „Sehnsucht nach dem Höchsten“, „Deggenhausertal, Tal der Liebe“ oder eben „Die Glocke vom Illmensee“ verführen in die Schönheit unserer Heimat. Bitte rufen Sie unten stehende Nummer an, nennen Sie Namen und Adresse. Teilnahmeberechtigt sind alle SÜDKURIER-Abonnenten, die ihr Abo bereits abgeschlossen haben. Gewinnspielanmeldungen bis 1. September. Benachrichtigung telefonisch. 01379/ 370 500 61 (50 Cent je Anruf).