Diese zwei Tage markieren zwei schreckliche Tragödien im Schwarzwald und sind bis heute Zeugnis der harten Bedingungen, unter denen die Menschen dort einst lebten. Am 24. Februar 1844 kamen bei einem Lawinenunglück im Wagnerstal bei Furtwangen 16 Menschen ums Leben, am 27. Februar 1860 starben auf den Steinegghöfen oberhalb von Wehr ebenfalls bei einem Lawinenabgang drei Personen. Im Juli wurde die Erinnerung daran lebendig, die Freilichtbühne Klausenhof in Herrischried spielte das Stück „Der Untergang der Steinegghöfe“ von Albert Faller. Yvonne Fischer-Lueg, Leiterin der Freilichtbühne, erklärt: „Das eine Lawinenunglück wurde mit künstlerischer Freiheit an den Ort des anderen verlegt.“ Heraus kam eine unterhaltsame Inszenierung vor der malerischen Kulisse des Klausenhofs.

14 Fuss Schnee und viel Regen

In der Höfechronik der Gemeinde Neukirch wird die Zerstörung des Königenhofs so beschrieben: Der Königenhof im hinteren Wagnerstal, eineinhalb Stunden von Neukirch entfernt, stand an der Winterseite vor einer steilen Bergwand. Das Bauernhaus mit Scheuer und Stallung war sehr groß, ganz von Holz erbaut und ziemlich alt… Im Hofgebäude wohnten die Familie Martin Tritschler mit elf der zwölf Kinder und Schwiegermutter und im hinteren Teil des Gebäudes der Gehausmann Hilar Winterhalter mit seiner Frau und vier Kinder sowie dessen Schwägerin mit einem Kind, zusammen also 22 Personen. Im Februar 1844 lag an der steilen, kahlgehauenen Halde der Schnee, wie sachkundige Leute versicherten, sechs bis 14 Fuß hoch, je nachdem, wie ihn der Wind zusammengeweht hatte. Am Samstag, den 24. Februar 1844, trat ein Wettersturz ein, es regnete den ganzen Tag in die hohen Schneemassen. Abends um 6 Uhr riss eine Schneeschalte hinter dem Haus (Westseite) den Immenstand fort. Die Weibsleite äußerten Besorgnis wegen des Hauses, aber die Männer sagten, dass der Schnee dem großen Gebäude nichts antun könne… Wie die überlebenden Töchter später aussagten, wurden sie nachts gegen 11 Uhr durch ein fürchterliches Krachen aufgeweckt. Von der Bergseite her hatte eine breite Schneelawine das ganze Gebäude aus dem Fundament geschoben, 16 Schritte talwärts mitgerissen und die Westseite des Daches über das Haus hinaus geworfen, sodass das ganze Gebäude zusammengedrückt wurde… Die Toten des Königenhofs wurden mit 16 Schlitten auf den Friedhof überführt und in einem gemeinsamen Grab zur letzten Ruhe bestattet. Von den 24 Personen im Hause überlebten nur sieben das Unglück.

Auf dem Hof waren 28 Stück Rindvieh und zwei Pferde vorhanden. Das Vieh lebte zwar zumeist noch beim Hervorziehen, musste aber dann an Ort und Stelle von fünf Metzgern geschlachtet werden. Dies mag den Eindruck des Grauenhaften noch verstärkt haben. Das Unglück hätte sich nicht ereignet, wenn die steile Bergwand oberhalb des Hauses noch mit Holz bewachsen gewesen wäre. In Triberg, Villingen und Neustadt wurden Kirchenkollekte organisiert. In Donaueschingen veranstaltete die Hofkapelle zugunsten der Waisen ein Wohltätigkeitskonzert. Der Großherzog und der Fürst von Fürstenberg spendeten ebenfalls.

Seit 1909 steht eine Gedenktafel an dem Ort. Gerd Heckel wohnt in der Nähe von Stuttgart. Die Wochenenden verbringt er im Kaspershäusle, einem 500 Meter entfernten Schwarzwaldhaus, das einst Caspar Fehrenbach gehörte, der vom Königenhof abstammte. Fehrenbach war von Beruf Glaser. Wie viele Menschen damals aus der Gegend, verdiente er seinen Lebensunterhalt in der 1685 durch den Abt Paulus von St. Peter gegründeten Glashütte. Gerd Hekel setzt sich für die Überlieferung der Ereignisse und deren Angedenken ein. „Es ist wichtig, die Geschichte des Königenhofs und des Kaspershäusles am Leben zu erhalten“, sagt er. „Das gehört zu dieser wunderschönen, aber auch rauen Region. Das ist ein Bestandteil, den es zu pflegen gilt.“

Untergegangene Welten Teil 11: Steinegg

Rund 45 Kilometer Luftlinie südlich vom Königenhof lagen die drei Steinegghöfe, oberhalb von Wehr. An jenem 27. Februar 1860 wütete auch hier eine Lawine und riss drei Menschen in den Tod: ein 13 Monate altes Baby, ein 13-jähriges Mädchen und eine 47-jährige Frau. Sehr starker Schneeregen sowie ein orkanartiger Sturm sorgten für den Schneeabgang, die Lawine nahm am steilen Hang von Rüttehof schnell an Geschwindigkeit zu. Das Ausmaß der Zerstörung war laut Bericht des damaligen Brigadekommandanten enorm. „Die vom Unglücksfall Betroffenen haben sämtliches Vermögen verloren, alles Hausgerät ist zertrümmert.“ Der Großherzog und die Kirche halfen den Hinterbliebenen finanziell, im Jahr 1863 wurden die Steinegghöfe von der Gemeinde aufgekauft.

Armin Kronberger pflegt die Erinnerung an dieses Unglück im Stadtmuseum Wehr. Das hat einen besonderen Grund: Als junger Praktikant wurde er nach seiner Familie gefragt. Als er von seiner Mutter, einer geborenen Kuni, erzählte, erfuhr er, dass dies der Name einer uralten Wehrer Familie sei. „Familienforschung hat mich immer interessiert“, erzählt Armin Kronberger. „Und so stieß ich auf drei Geschwister meines Großvaters Franz-Anton Kuni, die in einem Heim untergebracht waren.“ Ihr Elternhaus war einer der drei Steinegghöfe. „Ich erfuhr, dass mein Großvater von dort stammt und mit den übrigen Überlebenden ins Tal nach Wehr gekommen ist, um sich niederzulassen.“

Hildegard Gampps Urgroßvater war 25 Jahre alt, als er nach der Zerstörung des familiären Hofes nach Wehr fliehen musste. Als ihr Großvater starb, wurde ein Gemälde der Steinegghöfe gefunden. Das war der Anlass, eine Chronik des Unglücks zu verfassen. „Das ist ein Teil meiner Familie und der Stadt Wehr“, so Hildegard Gampp. „Das Gedenken an die Steinegghöfe ist uns ein Anliegen.“

Das Kaspershäusle, die Steinegghöfler und unser Gewinnspiel

  • Das Kaspershäusle: Das abgelegene Kaspershäusle liegt an einem Steilhang und ist ein beeindruckendes Zeugnis der rauen Lebensrealität im Hochschwarzwald: Die Bewohner gingen einem Handwerk nach und betrieben daneben zur Sicherung ihres Lebensunterhalts Landwirtschaft. Der Bau hat wesentliche Teile seiner historischen Substanz bewahrt und ist ein Zeugnis für die überkommenen Bau-, Wirtschafts- und Sozialstrukturen in Glashütte. Das Kaspershäusle ist ein Kulturdenkmal aus wissenschaftlichen, vor allem baugeschichtlichen Gründen; die Erhaltung liegt insbesondere wegen des dokumentarischen und exemplarischen Wertes im öffentlichen Interesse. Das Kaspershäusle steht an der Gemarkungsgrenze zwischen den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Breisgau-Hochschwarzwald. Caspar Fehrenbach vom Königenhof im Wagnerstal hat 1707 mit den Rodungsarbeiten begonnen. Im Zinsrodel ist zu lesen: „Unbeständige Zins im Knöbelwaldt, Caspar Fehrenbach ausm Wagnersthal Triberg, Untertan, ist im Knöbelwaldt das Gefäll aufzuhauen und das wüste Feld von der an den Wagnersthal grenzenden Bannscheide, oben herunter bis in den Abtsdobel auszureuthen, zu stocken und ehrbarlich zu nutzen, den 28. März 1708 in Gottes Gnaden erlaubt.“ Erst nach neun Jahren schwerster Rodungsarbeit konnte er sein Haus bauen. Laut Hausinschrift geschah dies 1716. Gerd Heckel hat das Haus 2013 gekauft und liebevoll restauriert. Neben seinem Wochenenddomizil betreibt er eine Ferienwohnung und setzt sich aktiv für die Erinnerung an den Königenhof und das Kaspershäusle ein.
  • Die Steinegghöfler: Hierbei handelt es sich um eine zur Fasnacht 2010 formierte Fußgruppe aus Rickenbach. Mit ihrer zeitgemäßen Kleidung erinnern sie an die Bewohner der Steinegghöfe, die zwischen der Burgruine Bärenfels und dem Ort Rüttehof im Hotzenwald lagen. Beim Umzug ziehen Beerenweiber, Mägde und Bauern mit ihren Kindern durch die Straßen. Während sie, begleitet von einem Handorgelspieler, alte Lieder singen, bringen sie Speckbrot, Most und „Brenz“ unter die Narrenschar. Ein Ziegengespann, Handleiterwagen, Milchkannen, Korbflaschen etc. gehören zur Erscheinung der damaligen Zeit.
  • Unser Gewinnspiel: Das Stadtmuseum Wehr birgt viele Schätze der Heimat. Unter anderem ist den Steinegghöfen eine Dauerausstellung gewidmet. Armin Kronberger führt am 1. Oktober, um 14 Uhr, zweimal acht Personen durch das Haus. Bitte unter folgender Nummer Namen und Adresse angeben, und mit etwas Losglück zählen Sie zu den Gewinnern. Teilnahmeberechtigt sind alle SÜDKURIER-Abonnenten, die ihr Abo bereits abgeschlossen haben. Anmeldungen bis 14. September möglich. Benachrichtigung telefonisch. 01379/ 370 500 63 (50 Cent je Anruf).