Vitali Kalojew, als Fluglotsen-Mörder bekannt gewordener Hinterbliebener (links), mit Sulfat Chammatov, dem baschkirischen Sprecher der Angehörigen, und dem russischen Generalkonsul Ruslan Karsanov in Überlingen
Vitali Kalojew, als Fluglotsen-Mörder bekannt gewordener Hinterbliebener (links), mit Sulfat Chammatov, dem baschkirischen Sprecher der Angehörigen, und dem russischen Generalkonsul Ruslan Karsanov in Überlingen | Bild: Walter

Zehn Jahre nach der Flugzeugkatastrophe von Überlingen sind viele Hinterbliebene in die Stadt am Bodensee gereist, um an die 71 Todesopfer zu erinnern. An der Gedenkfeier durfte auch der als „Fluglotsenmörder“ bekanntgewordene Witali Kalojew teilnehmen. Kalojew hatte bei dem Unglück seine beiden Kinder und seine Frau verloren und zwei Jahre danach den dienstleitenden Fluglotsen erstochen. Kalojews Anwesenheit werfe einen Schatten auf die Gedenkfeier, sagte der Landesminister für internationale Angelegenheiten, Peter Friedrich: „Die Veranstaltung dient dem Gedenken und der Begegnung. Ich hoffe, dies wird nicht durch die Diskussion um Herrn Kalojew überlagert.“

Der 56-Jährige wurde am Samstag stundenlang am Münchner Flughafen festgehalten, durfte nach Prüfung seines Visums aber an den Bodensee weiterreisen. Der Mann aus der russischen Teilrepublik Nordossetien hatte für seine Tat eine Gefängnisstrafe in der Schweiz verbüßt. Anfragen nach einem Interview lehnte er in Überlingen zunächst ab. „Im Moment nicht, vielleicht später“, beantwortete Kalojew die ersten Fragen nach einem kurzen Gespräch. Später gab er dann exklusiv einem russischen Kamerateam ein Interview. „Dann muss man ihn nicht übersetzen“, sagte seine Dolmetscherin, Maja Heidenreich, aus Stuttgart. „Er will es nicht. Er ist gekommen, um den Tod seiner Frau und seiner beiden Kinder zu beklagen.“

Die Hinterbliebenen aus Russland wurden auf ihrem Flug nach Deutschland von Psychologen, einem Arzt, Religionsvertretern sowie Mitgliedern der baschkirischen Regierung begleitet. Der baschkirische Vize-Regierungschef Fidus Jamaldinow dankte den Deutschen für ihre Anteilnahme. „Sie pflegen das Andenken an unsere Kinder, kümmern sich um das Denkmal und den von den Eltern angelegten Garten.“