Schöner kann man wohl nicht Danke sagen als mit einem so prächtigen Musical wie die „Blaue Kamee“, das vor allem ein großes visuelles Vergnügen war und im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen riesengroße Begeisterung auslöste. Dieses Sonderprojekt zum Gedenken an den Flugzeugabsturz bei Überlingen im Jahr 2002 ist wahrscheinlich das größte Projekt zwischen den Ländern Baden-Württemberg und Baschkortostan. Die Schirmherrschaft übernahmen Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der Präsident von Baschkortostan, Rustem Chamitov.

Auf die Bühne gebracht wurde es zum Zeichen des Dankes an das Land Baden-Württemberg und seine Einwohner für elf Jahre freundschaftliche Begegnungen – eine wahrhaft große Geste. „Das Leid hat keine Nationalität… Vielleicht hat diese furchtbare Prüfung unsere Länder zusammengebunden“, heißt es in einem Dankesschreiben der Angehörigen der Verunglückten an alle Anteilnehmenden.

In der Tat haben Baschkortostan und Baden-Württemberg seitdem immer engere Kontakte geknüpft. 2003 wurde in Ufa ein Protokoll über die Zusammenarbeit beider Länder unterzeichnet, woraus sich vielfältige Projekte entwickelten. Kretschmann war am Sonntagabend nicht in der Vorstellung, stattdessen war der stellvertretende Landrat des Bodenseekreises, Joachim Kruschwitz, gekommen. Begrüßt wurde auch eine russische Delegation, der damalige Einsatzleiter der DLRG sowie eine Elternvertretung aus Russland und weitere Gäste, die sich für die Projekte zwischen den Ländern engagieren.

Auch im Publikum befanden sich viele russische Besucher, nicht zuletzt weil das Musical in ihrer Landessprache aufgeführt wurde.

Für das deutsche Publikum ist im Programmheft eine sehr ausführliche Beschreibung der Handlung abgedruckt. Die äußerst ausdrucksstark agierenden Darsteller machen es möglich, dass auch der deutsche Besucher der Handlung einigermaßen folgen kann. Und die hatte es in sich, prall gefüllt mit Verschwörung, Intrigen, Eifersucht und großen Gefühlen, angesiedelt zur Zeit der Zarin Katharina der Großen in St. Petersburg und Venedig.

Neben den dramatischen Ereignissen kommt auch der Humor nicht zu kurz. Den liefert vor allem der hinreißend tuntig agierende Darsteller eines Schwulen. Clowns in goldenen Masken erinnern ein wenig an Commedia dell'Arte. Tanz und Gesang stehen im Vordergrund. Und hier sind erstklassige Schauspieler und Sänger am Werk. Die märchenhaften, üppigen und farbenprächtigen Kostüme und die prunkvolle Kulisse sind der damaligen Zeit nachempfunden.

Die Musik, geschrieben von Teilnehmern des Eurovision Song Contest, entstammt jedoch meist der heutigen Zeit und bildet einen interessanten Kontrast dazu. Doch bietet sie insgesamt eine reiche stilistische Vielfalt. Lustig anzusehen sind die Figuren in historischen Kostümen, wenn sie auf moderne Tanzmusik eine kesse Sohle aufs Parkett legen. Die romantischen Melodien laden zum Träumen ein, auf mitreißende Rhythmen ist eine sehr anspruchsvolle Choreografie zugeschnitten. Faszinierend, wie leichtfüßig und fulminant die Tänzerinnen und Tänzer diese umsetzen. Und die bewegen sich nicht nur hervorragend, sondern singen gleichzeitig großartig.

„Blaue Kamee“ ist ein turbulentes, temporeiches Stück, in dem manchmal Vieles gleichzeitig passiert, ob bei einem Tanz am Hof, einem ausgelassenen Treiben in einer Taverne oder einer opulent ausstaffierten Hochzeitsfeier. Das aufwändige Musical mit rund 40 Aufführenden endet mit einem rauschenden Fest.

Nach deutschem Geschmack ist die Handlung teilweise etwas überfrachtet, doch spielt und singt das Ensemble im kongenialen Zusammenwirken mit der Lichtregie so furios, dass die Ovationen im Stehen und begeisterten Rufe und Pfiffe mehr als verdient sind. Denn jetzt ist es an Baden-Württemberg zu danken.