„Die stille Solidarität mit den Angehörigen der Opfer darf nicht verloren gehen.“ Pfarrer Meinrad Huber aus Herdwangen beim Gedenkgottesdienst am gestrigen Nachmittag in Taisersdorf.
„Die stille Solidarität mit den Angehörigen der Opfer darf nicht verloren gehen.“ Pfarrer Meinrad Huber aus Herdwangen beim Gedenkgottesdienst am gestrigen Nachmittag in Taisersdorf. | Bild: Walter

Mit verschiedenen Veranstaltungen gedachten die Angehörigen der Opfer, die Bewohner der Region und das Land am gestrigen zehnten Jahrestag des Flugzeugabsturzes vom 1. Juli 2002. Am frühen Morgen war eine Maschine aus Baschkirien in Friedrichshafen eingetroffen, die 155 Gäste an den Bodensee brachte, darunter zahlreiche betroffene Familienmitglieder und eine Regierungsdelegation aus Ufa. Ein erster Gedenkgottesdienst erinnerte am Nachmittag beim Owinger Teilort Taisersdorf, wo die DHL-Frachtmaschine abgestürzt war, an das Unglück. Mehr als 200 Bürger waren gekommen, darunter auch die Owinger Feuerwehr, Vertreter des THW und des DRK, Bürgermeister Henrik Wengert und die Ortsvorsteher. Wie jedes Jahr auf dem Motorrad aus Belgien angereist war eine Gruppe ehemaliger Kollegen der beiden hier verunglückten DHL-Piloten. Welche Tradition dies Jahr für Jahr hier schon hat, zeigte die Tatsache, dass Pfarrer Huber mit dem Beginn des Gottesdienstes auf die angekündigte Gruppe gewartet und persönlich begrüßt hatte. „Für uns ist der 1. Juli jedes Jahr ein wichtiger Anlass, hierher zu kommen“, erklärte einer von ihnen. Musikalische einfühlsam umrahmt wurde das Gedenken von den Musikern Amrei und Uwe Mingo mit Geige und Gitarre. „Liebe ist Freiheit, Liebe ist Hoffnung. “ Der kleine knieende Engel vor dem Gedenkstein für die beiden Opfer habe ihn nachdenklich gemacht, sagte Pfarrer Huber: „Wir müssen noch sensibler werden für das, was Leben heißt.“ Mit dem Bericht vom auferweckten zwölfjährigen Mädchen aus dem Markus-Evangelium zog Meinrad Huber eine Parallele zu den vielen jungen Opfern des Unglücks. „Es steht für die Kinder und Jugendlichen, die nicht erwachsen werden durften“, sagte der Pfarrer: „Für die, die in die Ferien fliegen durften, und tot nach Hause kamen.“

Selten seien großes Glück und verhängnisvolles Unglück so eng mit einander verwoben wie an diesem 1. Juli 2002, sagte Taisersdorfs Ortsvorsteherin Angelika Thiel in ihrer Ansprache. Sie charakterisierte die außergewöhnlichen Persönlichkeiten der ums Leben gekommenen DHL-Piloten. In dem Gedenkstein und den Fotografien, die von Karl Stehle initiiert wurde, seien Paul Phillips und Brant Campioni präsent, wo daneben eine der riesigen Perlen von Andrea Zaumseil liegt. „Wir alle haben in jener Nacht eine Gnade erlebt, die 71 Menschen nicht zugefallen ist“, sagte Thiel mit Blick darauf, dass die Trümmerteile am Boden niemanden verletzten. „Die Frage nach dem Warum bleibt unbeantwortet. Angesichts dieses Wunders könne man nur sagen: Danke!“ Am Ende legten die Besucher Blumen am Gedenkstein nieder, darunter auch Sulfat Chammatov, Sprecher der Angehörigen aus Baschkirien, der ebenfalls nach Taisersdorf gekommen und rote Rosen mitgebracht hatte.

Reinhard Martin aus Hohenbodman mit Kollegen der verunglckten Piloten aus Belgien.
Reinhard Martin aus Hohenbodman mit Kollegen der verunglckten Piloten aus Belgien. | Bild: Walter
„Glück und Unglück waren an diesem Tag ganz eng verwoben." Taisersdorfs Ortsvorsteherin Angelika Thiel.
„Glück und Unglück waren an diesem Tag ganz eng verwoben." Taisersdorfs Ortsvorsteherin Angelika Thiel. | Bild: Walter