Von
Nils Köhler, Ulrike Stamm und Sascha Meißner


Vor 15 Jahren starben 71 Menschen beim Flugzeugunglück von Überlingen, darunter 49 Kinder. Eines davon war Artur Chammatow. Sein Vater Sulfat erzählt uns, wie er die Tage der Katastrophe erlebt hat.
 


Wie er damals von dem Unglück erfahren hat? Sulfat Chammatow schweigt zunächst, muss sich sammeln. "Das werde ich nie vergessen. Ich bin am Morgen des 2. Juli aufgestanden, habe mich zur Arbeit fertig gemacht.

Um 7 Uhr zeigte das Fernsehen die ersten Aufnahmen vom Unglücksort, die sich stündlich wiederholten. Ich sah das Wrackteil eines Flugzeugs, auf das eine Biene gemalt war. Das war das Emblem der Bashkirian Airlines."

Trümmerteile liegen auf der Straße.
Bild: Dirk Diestel


Sulfat Chammatow ist Sprecher der Angehörigen des Überlinger Flugzeugunglücks.

Sulfat Chammatow, Sprecher der Angehörigen der Opfer, redet am Sonntag (01.07.2012) in Überlingen (Bodenseekreis) bei einem Empfang für die Angehörigen der Opfer des Flugzeugabsturzes vor zehn Jahren. 71 Menschen fanden bei der Flugzeugkollision im Jahr 2002 nahe Überlingen am Bodensee den Tod, darunter mehrere Dutzend Schulkinder. An diesem Tage jährt sich die Flugzeugkollision bei Überlingen zum zehnten Mal. Foto: Tobias Kleinschmidt dpa/lsw  +++(c) dpa - Bildfunk+++ |
Bild: Tobias Kleinschmidt (dpa)


In jener Nacht war auch sein Sohn Artur an Bord. Eines von 49 Kindern, die auf dem Weg in die Ferien nach Spanien waren. "Wir haben damals unseren einzigen Sohn verloren," sagt Chammatow. 

Am 1. Juli 2002, um 23:35:32 Uhr, geschieht das, womit selbst Experten nie gerechnet hatten. In zwölf Kilometern Höhe über Owingen stoßen eine baschkirische Passagiermaschine aus Moskau und ein DHL-Frachtflieger aus Bergamo, Italien, zusammen. 
 

71 Menschen sterben, darunter 49 Kinder. Das ganze Ausmaß der Katastrophe wird erst in den Stunden und Tagen danach deutlich. Über 1000 Beamte durchkämmen in den Tagen nach dem Absturz die Umgebung und suchen in den Feldern um Owingen nach Opfern und Wrackteilen. 

Über 1000 Polizisten und Helfer suchten am Donnerstag (04.07.2002) die Umgebung der Unglücksstelle ab. Bei einer Flugzeug-Katastrophe über Überlingen am Bodensee sind vor drei Tagen 71 Menschen ums Leben gekommen. 67 Opfer sind bis jetzt gefunden worden. Die Angehörigen der russischen Opfer sind am Donnerstag mit einer Sondermaschine nach Friedrichshafen geflogen worden um in Überlingen symbolisch Abschied zu nehmen. dpa/lsw |
Bild: Rolf Haid (dpa)


Drei Tage nach dem Absturz kommt Sulfat Chammatow gemeinsam mit den Angehörigen anderer Opfer nach Überlingen. "Alle wollten dahin, möglichst schnell, um es mit eigenen Augen zu sehen. Es war noch ein Funke Hoffnung, dass sie vielleicht noch am Leben waren", erzählt Chammatow.

Die Bilder von den trauernden Angehörigen, die zu dem Wrack liefen, gingen damals um die Welt. 
 


Mit den Überlingern fühlen sich Chammatow und die anderen Hinterbliebenen bis heute eng verbunden. "Die Deutschen haben unser Leid wie ihr eigenes empfunden."

Inzwischen haben Sulfat Chammatow und seine Frau zwei Söhne, die nach dem Flugzeugunglück geboren wurden. Das hat den beiden viel Kraft gegeben.