In Brant Campionis Heimat Kanada feiert man den 1. Juli als Nationalfeiertag: Es wird gegrillt, gezeltet, sich amüsiert. In der Gemeinde Taisersdorf gedenkt man an diesem Tag traditionell Campionis und seines Kollegen Paul Phillips, den beiden Piloten der DHL-Frachtmaschine, die in jener schicksalhaften Nacht im Jahr 2002 in 11 000 Metern Höhe mit einer russischen Passagiermaschine kollidierte. Während die DHL-Maschine in einem Waldstück bei Taisersdorf niederging, fand man die Wrackteile der Bashkirian-Airlines-Maschine im Überlinger Ortsteil Brachenreuthe. Insgesamt forderte das Unglück 71 Tote.

Der Wunsch, dass die Seelen der Toten und ihrer lebenden Angehörigen Frieden gefunden haben, stand im Vordergrund des Segens, den Pfarrer Meinrad Huber am Mittwoch an der Absturzstelle sprach. Seit der Einweihung der Gedenkstätte, an der eine Kugel als Symbol für eine zerrissene Perlenkette an das Schicksal der Opfer erinnert, hält er jedes Jahr am Jahrestag der Katastrophe die Gedenkfeier.

„Es ist jedes Jahr eine ganz besondere Atmosphäre“, berichtet Ortsvorsteherin Angelika Thiel. „Das Unglück ist immer noch lebendig in der Erinnerung der Gemeinde. Jedes Jahr um diese Zeit tauschen die Bürger Geschichten von damals aus“, sagt Thiel. Denn viele der rund 70 Besucher, die sich am Mittwoch zur Andacht an der Absturzstelle einfanden, sahen den Absturz mit eigenen Augen. Auch die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr, die in der Nacht zum 2. Juli 2002 im Einsatz waren, zollten den Verstorbenen Tribut.

So auch Michael Steurer. Der Abteilungskommandant und seine Frau Heike sind auf ganz besondere Art mit dem Absturz verbunden: Aus der Trauer und Fassungslosigkeit entstand eine tiefe Freundschaft mit der Witwe von Brant Campionis. „Vor ein paar Jahren haben wir sie am Jahrestag des Unglücks in Kanada besucht“, erzählt Heike Steurer. Es sei eine freudige Feier gewesen, berichtet das Ehepaar. „Frau Campioni hat uns den Nachbarn und Freunden ihres Mannes vorgestellt. Anschließend haben wir alle gemeinsam gegrillt.“