Die aktuell aufgeflammte Auseinandersetzung um die Freibäder der Stadt ähnelt einer Zeitreise. Vor genau 20 Jahren wurde das Thema auf die fast gleiche Weise wie heute diskutiert. Mit dem Unterschied, dass es 1997 noch keinen Ratsbeschluss gab, nur das Freibad Tiengen zu sanieren. Und auch noch keine Millionenspende.

Blenden wir zurück. Am 16. Juni 1997 fand in Tiengen eine Bürgerdiskussion über die Zukunft der Bäder statt. Dabei drehte es sich um sinkende Besucherzahlen („mehr Bürger von Waldshut-Tiengen besuchen die Bäder in Albbruck und Lauchringen als die in ihrer eigenen Stadt“, so OB Albers) und die Aufforderung des Gesundheitsamtes, für die beiden technisch veralteten Freibäder ein Sanierungskonzept vorzulegen. Die von einem Bäderexperten im Auftrag der Stadt vorgelegte Idee zur Steigerung der Besucherzahlen (statt 50-Meter-Becken Erlebnisanlagen mit 25-Meter-Bahnen, Wildbach, Wassererlebnisgarten und Ähnliches) fand keine Zustimmung der 90 versammelten Bürger. Deren Meinung lautete: Sanieren ja, verändern nein. Doch als Albers klar machte, dass weder für eine nichts verändernde Reparatur beider Bäder, noch für zwei Neubauten verkleinerter Erlebnisbäder Geld in der Kasse sei, gab’s betretene Mienen. Die Stimmung wurde nicht besser, als Albers nachschob: „E i n Freibad sollte der Stadt wenigstens erhalten bleiben.

“ Sollte also die damals auf 12,8 Millionen DM geschätzte Instandsetzung beider Freibäder und der ebenfalls angeschlagenen Hallenbad-Technik tatsächlich nicht zu finanzieren sein? „Wenn diese Rechnung stimmt“, kommentierte der Alb-Bote im Juni 1997, „geht’s nur noch um die spannende Frage: Wird Waldshut geschlossen oder Tiengen? Eine Menge Zündstoff!“

Dem ging die Stadt 20 (!) Jahre lang aus dem Weg und saß das Problem bis zum Pro-Tiengen-Beschluss aus. Jetzt aber wirft die Millionenspende neue Fragen auf: Ließe sich die notwendigste Reparatur des Waldshuter Bads allein mit Spenden bezahlen und könnte sich die Stadt das Betriebsdefizit beider Freibäder auch künftig leisten? Die Waldshuter Freibadfreunde hätten gerne eine seriöse Antwort.