Freiburg erlebte wegen ihrer Nähe zu Frankreich während des Ersten Weltkriegs die ersten und meisten Luftangriffe reichsweit: 25 Angriffe, bei denen 289 Bomben auf die Stadt fielen, die 30 Menschen töteten und 94 verletzten. Die größten Schäden verursachten zwei Angriffe durch 23 britische und zwölf französische Flugzeuge am 14. April 1917. Dabei starben 13 Menschen, 27 wurden verletzt. Die Schäden betrugen mehr als eine Million Reichsmark. Am 16. April 1917 veröffentlichte der Alb-Bote diesen als amtlich gekennzeichneten Artikel: "Am Sonnabend, den 14. April, mittags 12 Uhr, griff ein feindliches Flugzeuggeschwader von zwölf Flugzeugen die ,offene Stadt' Freiburg im Breisgau an. Der Angriff wurde um 5 Uhr nachmittags von zwei weiteren Geschwadern mit zusammen 23 Flugzeugen wiederholt.

Dem ruchlosen Überfall fielen mehrere Menschen zum Opfer. Sieben Frauen, drei Männer und ein Soldat wurden getötet, 17 Frauen, acht Männer und zwei Kinder verletzt (zwei weitere Todesopfer wurden erst später bekannt, Red.). Die feindlichen Flieger wählten sich als Angriffsziel neben dem neuen Stadttheater vor allem die Institute und Kliniken der Universität. Die Anatomie wurde beträchtlich beschädigt. Durch unsere wirksamen Gegenmaßnahmen kam der Angriff nicht voll zur Durchführung. Im Laufe der mit unseren zur Abwehr aufgestiegenen Fliegern sich entspinnenden Luftkämpfe wurden zwei feindliche Flugzeuge bei Schlettstadt und Markirch (beide Orte im damals deutschen Elsass, Red.) abgeschossen, ein drittes im Luftkampf vereint durch Beschuss von der Erde aus zum Absturz gebracht."

Bei den drei abgeschossenen Maschinen handelte es sich laut dem Bericht um Flugzeuge des britischen Geschwaders. "Der Führer des Angriffs, ein englischer Oberstleutnant", heißt es im Alb-Bote, "ist dabei in unsere Hand gefallen. Nach seinen Angaben und dem Inhalte eines abgeworfenen Flugblattes war der Angriff eine Vergeltungsmaßregel für die Torpedierung der ,Gloucester Castle'." Dieser Dampfer diente als Hospitalschiff und war am 31. März 1917 mit 399 Verwundeten an Bord bei der Isle of Wight vom Torpedo eines deutschen U-Boots getroffen worden. Das Schiff sackte halb ab. Bei der Evakuierung gab es drei Tote.

Im Artikel vom 18. April 1917 wurde der Grund für die Bombardierung als Vergeltung bestritten. Es hieß: "Diese Torpedierung ist im deutschen Sperrgebiet erfolgt, weil England wiederholt völkerrechtswidrig Hospitalschiffe zur Beförderung von Truppen verwendet hat. Das braucht sich Deutschland nicht gefallen zu lassen und hat erklärt, dass es künftighin Hospitalschiffe im Sperrgebiet versenken werde." Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld und reklamierten Verstöße gegen das Völkerrecht. Die deutsche Seite bezeichnete Freiburg als "offene Stadt", womit eine unverteidigte Stadt gemeint war, die nicht bombardiert werden durfte. Bei ersten Bombenangriffen war Freiburg tatsächlich wehrlos, danach wurde aber eine Luftabwehr eingerichtet.

Rückblende: 1917

"Anlässlich des Fliegerüberfalls auf die Stadt Freiburg haben der Großherzog und die Großherzogin, sowie die Großherzogin Luise von Baden der Stadt ihre tiefgefühlte Teilnahme ausgesprochen", berichtete der Alb-Bote am 17. April 1917. An diesem Tag wurden die Opfer des Angriffs auf dem Ehrenfriedhof beigesetzt. "Der tief erschütternden Feier wohnten Vertreter der staatlichen, städtischen, kirchlichen und militärischen Behörden bei. Das Großherzogpaar und die Großherzogin Luise haben Kränze niederlegen lassen."