Vor mehr als 250 Jahren, von 1732 bis 1754, erschien das erste große Universallexikon in deutscher Sprache. Es wurde vom Buchhändler und Verleger Johann Heinrich Zedler aus Leipzig unter dem Titel „Großes vollständiges Universallexikon aller Wissenschaften und Künste“ herausgegeben. Darin enthalten ist eine Abhandlung über Waldshut.

Das Lexikon umfasst rund 63 000 Seiten und war das umfangreichste enzyklopädische Projekt im Europa des 18. Jahrhunderts. In 64 Bänden und vier Supplementbänden sind rund 284 000 alphabetisch geordnete Einträge verzeichnet. Die Artikel sind durch rund 276 000 Verweise miteinander verknüpft. Wie der Titel besagt, hat das Lexikon den Anspruch, alles bekannte Wissen aus sämtlichen Fachgebieten zu verzeichnen. Dabei sind 33 Wissensbereiche aufgelistet, die drei große Klassen bilden: Biografie (etwa 120 000 Einträge), Geografie (73 000) und Fachwissen (91 000).

Nach dem Verleger Johann Heinrich Zedler (1706 bis 1751) wird das Lexikon häufig „Zedlersches Lexikon“ oder auch nur „Zedler“ genannt. Eine vollständige Originalausgabe befindet sich im Besitz des Niedersächsischen Staatsarchivs in Wolfenbüttel. In diesem von Wissenschaftlern als „barockes Monumentalwerk“ bezeichneten Lexikon ist eine Abhandlung über die Stadt Waldshut und ihre Geschichte enthalten. In der Beilage des Alb-Bote vom 19. August 1967 zur 499. Waldshuter Chilbi wurde aus wesentlichen Teilen dieser Abhandlung zitiert:

„Waldshut ist eine von den vier österreichischen Rhein- oder Waldstädten, annoch in dem Kleggau, Klettgau oder Klettgow, zwischen Basel und Schaffhausen an dem Ufer des Rheinstromes zu der rechten Hand, fast dem Einflusse der Aar in den Rhein gegenüber, unten an dem Vorgebürge des Schwarzwaldes (daher auch sonder Zweifel der Name herkommt). Nach Grasses Berichte hat vor 650 oder mehr Jahren ein bloßes dem Kayser gehöriges Jäger-Haus, darauf ein Amtmann gewohnet hat, allda gestanden, bis Graf Albrecht III. von Habsburg, mit dem Zunamen der Reiche, um das Jahr 1249 eine Stadt daselbst erbauet und dieselbe mit Freyheiten versehen, auch gut befestigen lassen.“ Die Nennung von Albrecht III. als Erbauer der Stadt ist eine verkürzte Darstellung. Albrecht begann wohl schon zu Beginn der 1240er Jahre mit dem Bau der Stadt, die von Albrecht IV. fortgesetzt und von dessen Söhnen Rudolf, dem späteren Kaiser, und Albrecht, Domherr zu Straßburg, vollendet wurde. 1249 stand, wie aus dem Boden gezaubert, eine Stadt über dem Rhein.

„In dem Jahre 1468 belagerten sie die Schweitzer vergebens“, heißt es im Alb-Bote über die Darstellung im Lexikon. „Sie hat auch ehedessen von den Schweden viel ausgestanden. In dem Jahre 1638 war sie von Herzog Bernharden zu Sachsen-Weimar erobert. Die Franzosen haben in den letzten Kriegen mit Deutschland allzeit ein Auge auf Waldshut gehabt, dasselbe aber, weil ihm die Schweitzer ihren Schutz erteilet, niemals gänzlich bekommen können. Obschon sich schon in dem Jahre 1688 der Graf von Clermont desselben bemächtigte und es nicht eher verließ, bis die Einwohner eine Summe Geldes zur Abwendung der Plünderung bezahltet hatten.“

„Es gehöret Waldshut dem Hause Österreich“, kommt die Schilderung zum Abschluss, „ist jetzo ziemlich befestiget wie auch mit einer Regierung versehen und zählet vier Jahrmärkte: Als den ersten auf Philippi Jacobi, den anderen auf Jacobi, den dritten auf Galli und den vierten auf Nikolai. Auf den meisten Land-Charten wird dieser Ort mit einer Brücke über den Rhein abgezeichnet gefunden. Es ist aber schon von vielen Jahren her keine mehr allhier zu sehen gewesen, weil sie der Rhein hinweg-geführet hat“, endet der Bericht im Alb-Bote. 1754 gehörte Waldshut noch zu Österreich, das nach der Jahrhundertwende nach den Kriegen mit Frankreich in Preßburg Frieden schloss und rechtsrheinische Gebiete abgeben musste. Im April 1806 wurde Waldshut Teil des Großherzogtums Baden.