„Es regnet und wettert, stürmt und bläst in einem Atemzuge fort – wir haben ein abscheuliches, garstiges Wetter“, klagte ein Alb-Bote-Artikel vom 19. April 1867 über eine mehrwöchige Schlechtwetterperiode im Südschwarzwald. Nach gutem Wetter Anfang März, das die Wintersaaten prächtig aufgehen ließ, litten die Kulturen gegen Ende März unter Dauerregen und verkümmerten.

Dazu gesellten sich auch noch stürmische Winde, die auf der Höhe zwischen Bonndorf und Stühlingen ein, wie der Alb-Bote am 19. April 1867 schrieb, „mehrere Zentner schweres steinernes Feldkreuz vom Sockel geschleudert und zerschmettert haben; mehrere Männer hätten ohne Hebelgewalt dies nicht vermocht. Bei dem aufgelockerten Boden ist der an den Waldungen durch Sturm angerichtete Schaden kaum berechenbar. Das sind so regelwidrige Holzhiebe, dass ein wahres Grauen die Forstleute überfallen muss.“

Ende April brachte ein Wetterumschwung bis zum 13. Mai 1867 trockenes Frühlingswetter. „Die warmen Tage haben die Schäden des März und April an den Wintersaaten merkwürdig ausgebessert, und selbst die Sommerfrüchte keimten und sprossen prächtig. Selbst auf unseren winterlichen Höhen entfalten die Obstbäume einen herrlichen Blütenflor“, schrieb der Alb-Bote am 13. Mai 1867. „Wenn sich das Wetter weiter so gut anlässt, so haben wir ein gesegnetes Jahr zu erwarten.“

Doch die Hoffnung trog. Noch am gleichen Tag brach gegen 14 Uhr im Bereich Bonndorf ein gewaltiges Unwetter los. „Allmählich färbte sich der ganze westliche Himmel bläulich schwarz“, berichtete der Alb-Bote, „In den Wolken blitzte und flammte es ohne Unterbrechung. Der ganze Himmel wurde erst weißlich grau und dann wurde es so dunkel, dass bloß das Zünden der Blitze die Nacht erhellte. Plötzlich schütteten die Wolken eine Unmasse Hagelkörner von der Größe einer Hasel- bis zur Baumnuss herab. Bei Wellendingen lagen auf der Straße die Hagelkörner so tief, dass man den Schlitten brauchen konnte. Die Obstblüten sind abgestreift, die Gräser und Futterkräuter, die Wintersaaten, besonders die Roggenfelder furchtbar zerschlagen.“ In der gleichen Ausgabe meldete der Alb-Bote den Tod eines Familienvaters aus Birkendorf, der mit seinem Fuhrwerk bei Ühlingen in das Unwetter geriet. Dabei scheuten die Pferde, der Mann wurde vom Wagen geschleudert, unter dessen Rädern er tödlich verletzt wurde.

Und als ob dies nicht genug schlechte Nachrichten gewesen wären, brachte der Wonnemonat Mai Frost und Schnee. „Gestern blies der Wind von Norden so frostig kalt, dass die Leute den Sommeranzug wieder ablegten und die Winterkleider hervorsuchten“, schilderte der Alb-Bote den am 23. Mai 1867 auf den Höhen zurückgekehrten Winter. „Abends halb fünf Uhr fing es so abscheulich zu schneien an, wie selten im Jänner oder Hornung (Februar, Red.), wo es doch das Recht dazu hat.

Er warf ohne Unterlass bis zum Einnachten so gewaltige Schneeflocken, und in kurzer Zeit war die Erde in ein weißes Gewand eingewickelt. In den höheren Lagen des Schwarzwaldes wird der Schnee wohl knöcheltief gefallen sein. Alles war beschäftigt, den Schnee von den Bäumen zu schütteln und doch werden manche unter seiner Last gebrochen sein. Es hat die Nacht hindurch nicht weiter geschneit, allein heute früh, 24. Mai, hängt der ganze Himmel voller Schneeflocken. An den Dächern hängen dicke Eiszapfen, der Kältemesser zeigt eineinhalb Grad unter dem Gefrierpunkt. Der Schaden ist voraussichtlich groß und, wenn die Früchte und Gräser erfrieren und schwarz werden sollten, kaum berechenbar.“

Rückblende: 1867

"Die Bauern sagen, man sollte den Mai aus dem Kalender streichen können", stand im Alb-Bote Anfang Mai 1867 zu lesen, "und man möchte ihnen seit einigen Jahren nicht ganz Unrecht geben. Dieses Jahr scheint der Mai eine Ausnahme machen zu wollen – er schaut so verklärt und sonnig in die Welt hinein, dass er wirklich seinen alten Namen ,Wonnemonat' verdient." Wie sehr sich der Autor irrte, wurde durch das wenig später am 13. Mai ausbrechende Unwetter deutlich. Ende Mai 1867 appellierte der Alb-Bote an alle vom Unwetter verschont gebliebenen Landwirte, den geschädigten Betrieben mit Hilfslieferungen oder Arbeitsvergaben unter die Arme zu greifen.